Taiwan trägt den Beinamen "Juwel Asiens" - wer die Insel bereist, versteht schnell warum. Auf einer Fläche kleiner als Baden-Württemberg drängen sich tropische Küsten, Nebelwälder und Gipfel über 3.000 Meter. Die Ostküste ist dabei das Herzstück: Hier fallen regenwaldbewachsene Klippen steil ins Meer ab, während sich im Landesinneren Bergketten bis zum Horizont erstrecken.
Was Taiwan geologisch besonders macht: Die Insel sitzt genau dort, wo die Philippinische Platte unter die Eurasische Platte taucht. Diese Kollision hebt das Land jedes Jahr um mehrere Millimeter an - und sorgt für eine Landschaft, die dramatischer kaum sein könnte.
Die Taroko-Schlucht
Die Taroko-Schlucht im Osten Taiwans gehört zu den beeindruckendsten Naturwundern Asiens. Der Liwu-Fluss hat sich hier über vier Millionen Jahre in Marmorgestein gegraben - eine der wenigen Marmorschluchten weltweit.
Die Zahlen: 19 Kilometer Länge, stellenweise nur wenige Meter breit, mit Wänden die hunderte Meter senkrecht aufragen. An manchen Stellen schimmert der Marmor in Weiß und Grau, durchzogen von dunklen Adern. Der alte Pfad der indigenen Truku führt durch Tunnel und über Hängebrücken direkt durch die Schlucht.
Beste Reisezeit
Oktober bis April. Im Sommer machen Taifune die Wanderwege oft unpassierbar.
Vulkanisches Erbe
Taiwans Lage am Pazifischen Feuerring zeigt sich überall: Heiße Quellen dampfen aus dem Boden, Schwefeldämpfe steigen aus Felsspalten. Der Yangmingshan-Nationalpark nördlich von Taipeh ist das zugänglichste Beispiel. Hier wandern Einheimische und Besucher zwischen blubbernden Fumarolen und baden anschließend in den heißen Quellen von Beitou.
Weniger überlaufen ist Wulai, 40 Minuten südlich der Hauptstadt. Das Tal war traditionelles Siedlungsgebiet der Atayal und bietet neben heißen Quellen auch einen 80 Meter hohen Wasserfall.
Alishan und der Jadeberg
Alishan liegt auf 2.200 Metern Höhe nahe dem Wendekreis des Krebses. Der Ort ist berühmt für eines: den Sonnenaufgang über dem Wolkenmeer. Besucher stehen dafür um vier Uhr morgens auf, fahren mit der historischen Schmalspurbahn zum Aussichtspunkt und warten. Wenn die Sonne über den Wolken aufgeht, die das Tal füllen, verstehen sie warum.
Von Alishan aus führen Wege zum Yushan, dem Jadeberg. Mit 3.952 Metern ist er der höchste Gipfel Nordostasiens - höher als der Fuji in Japan. Die Besteigung erfordert eine Genehmigung und zwei Tage, belohnt aber mit Blicken über die gesamte Insel.
Sonne-Mond-See
Der Sonne-Mond-See im Nantou-Kreis liegt tiefer, auf etwa 750 Metern. Mit neun Quadratkilometern ist er Taiwans größtes Binnengewässer. Der Name kommt von der Form: Die östliche Hälfte erinnert an eine Sonne, die westliche an eine Mondsichel. Ein Radweg umrundet den gesamten See.
Flora und Fauna
Die Höhenunterschiede - von der Küste bis über 3.900 Meter - schaffen auf kleinem Raum völlig unterschiedliche Lebensräume. Taiwan beherbergt circa 440 Vogelarten, davon 29 endemisch. Der Mikadofasan mit seinem langen Schwanz lebt nur hier.
Noch vielfältiger sind die Schmetterlinge: Etwa 400 Arten flattern durch die Wälder, manche mit Flügelspannen von 15 Zentimetern. Im Winter versammeln sich Millionen von Purpurfaltern in den Tälern Südtaiwans - ein Spektakel vergleichbar mit den Monarchfaltern in Mexiko.
An den Stränden der Südküste und der vorgelagerten Inseln legen grüne Meeresschildkröten ihre Eier ab. Die beste Zeit dafür: Mai bis Oktober auf der Insel Xiaoliuqiu.
Taiwan Landschaften auf einen Blick
| Höchster Berg | Yushan (Jadeberg) - 3.952 m |
| Größter See | Sonne-Mond-See - 9 km² |
| Bekannte Schlucht | Taroko - 19 km Länge |
| Vogelarten | 440 (29 endemisch) |
| Schmetterlingsarten | Etwa 400 |
| Beste Reisezeit | Oktober - April |

