Indien gehört zu den artenreichsten Ländern der Welt. Fast 5 Prozent der Landfläche stehen unter Naturschutz. Die Zahl der Nationalparks steigt stetig - aktuell sind es über 90. Hinzu kommen rund 500 weitere Schutzgebiete.
Die Parks beherbergen nahezu alle großen Säugetiere Asiens: Tiger, Leoparden, Elefanten, Nashörner, Lippenbären und - als einziges Land außerhalb Afrikas - auch Löwen.
Der Tiger: Indiens Nationaltier
Die Jagdleidenschaft der Kolonialherren und Maharadschas hatte die Tigerpopulation auf wenige Hundert dezimiert. Seit dem Schutzprogramm "Project Tiger" von 1973 erholen sich die Bestände. Heute streifen wieder etwa 3.000 Bengal-Tiger durch Indiens Wälder.
Die besten Chancen auf Tigersichtungen bieten der Ranthambore Nationalpark in Rajasthan, Bandhavgarh in Madhya Pradesh und der Corbett Nationalpark am Fuß des Himalaya.
Die wichtigsten Nationalparks
Corbett Nationalpark (Uttarakhand)
Indiens ältester Nationalpark, gegründet 1936. Benannt nach dem legendären Jäger und späteren Naturschützer Jim Corbett. Hier startete 1973 das "Project Tiger". Der Park erstreckt sich über 520 Quadratkilometer am Fuß des Himalaya.
Kaziranga Nationalpark (Assam)
UNESCO-Welterbe und Heimat von zwei Dritteln aller Panzernashörner weltweit. Etwa 2.400 dieser gepanzerten Riesen leben hier im hohen Elefantengras. Dazu kommen Wasserbüffel, Elefanten und eine der höchsten Tigerdichten Indiens.
Gir Nationalpark (Gujarat)
Der einzige Ort auf der Welt, an dem asiatische Löwen in freier Wildbahn leben. Die Population ist von 20 Tieren im Jahr 1913 auf heute über 600 angewachsen. Ein Erfolg, der zeigt, was Artenschutz erreichen kann.
Ranthambore Nationalpark (Rajasthan)
Berühmt für seine fotogenen Tiger, die sich oft vor der Kulisse einer verfallenen Festung zeigen. Die Ruinen des Ranthambore Fort aus dem 10. Jahrhundert liegen mitten im Park. Hier gelingen die spektakulärsten Tigerfotos Indiens.
Kanha Nationalpark (Madhya Pradesh)
Inspiration für Rudyard Kiplings "Dschungelbuch". Der 940 Quadratkilometer große Park gilt als einer der am besten geführten in ganz Asien. Neben Tigern lebt hier der seltene Barasingha-Hirsch.
Beste Reisezeit für Safaris
Die meisten Parks sind von Oktober bis Juni geöffnet. Die beste Zeit für Tigersichtungen liegt zwischen März und Mai - dann ist es heiß und trocken, die Vegetation niedrig, und die Tiere sammeln sich an den Wasserlöchern.
Weitere bedeutende Schutzgebiete
Neben den großen Tigernationalparks bietet Indien eine Vielfalt spezialisierter Schutzgebiete:
- Periyar (Kerala): Elefanten und Gaur am Periyar-See, Bootsafaris möglich
- Sundarbans (Westbengalen): Mangrovenwälder, Heimat des schwimmenden Tigers
- Keoladeo (Rajasthan): UNESCO-Welterbe, über 350 Vogelarten, Winterquartier für Zugvögel aus Sibirien
- Valley of Flowers (Uttarakhand): UNESCO-Welterbe, über 600 Blumenarten im Himalaya
- Namdapha (Arunachal Pradesh): Einer der artenreichsten Parks, alle vier großen Katzenarten leben hier
Praktische Informationen
Der Zugang zu den meisten Nationalparks ist reglementiert. Safaris müssen oft Wochen im Voraus gebucht werden - besonders für beliebte Parks wie Ranthambore oder Bandhavgarh. Die Parkverwaltungen begrenzen die tägliche Besucherzahl, um die Tiere zu schützen.
Safaris finden in offenen Jeeps oder auf Elefantenrücken statt. Die Frühsafari startet bei Sonnenaufgang, die Abendsafari endet bei Einbruch der Dunkelheit. In der Mittagshitze ruhen die Tiere - und die Parks sind geschlossen.
Indiens Nationalparks auf einen Blick
| Anzahl Nationalparks | Über 90 |
| Schutzgebiete gesamt | Etwa 500 |
| Geschützte Fläche | Fast 5% der Landfläche |
| Tigerpopulation | Etwa 3.000 |
| Panzernashörner | Etwa 2.400 (Kaziranga) |
| Asiatische Löwen | Über 600 (nur in Gir) |


