Kitai-Gorod: Moskaus historisches Händlerviertel

Zwischen Kreml und Boulevardring liegt Moskaus ältestes Viertel außerhalb der Kremlmauern. Hier handelten Kaufleute, druckten Mönche das erste russische Buch und flanieren heute Studenten durch verwinkelte Gassen.

Der Name führt in die Irre. Kitai-Gorod hat nichts mit China zu tun. Das russische Wort "kita" bezeichnete die geflochtenen Körbe, mit denen man die Erde für den Festungswall transportierte. 1538 erhielt das Viertel seine eigene Mauer - ein Schutzring um das wachsende Handelszentrum vor den Toren des Kremls.

Heute gehört Kitai-Gorod zu den lebendigsten Vierteln Moskaus. Die Nikolskaja-Straße verbindet den Roten Platz mit dem Lubjanka-Platz, gesäumt von historischen Kaufhäusern und Cafés. In den Seitengassen verstecken sich Antiquariate, Bars und die Überreste einer 500-jährigen Geschichte.

Geschichte des Viertels

Im 16. Jahrhundert war Kitai-Gorod das Handelszentrum Russlands. Kaufleute aus ganz Europa kamen hierher, um Pelze, Wachs und Leder zu handeln. Die altrussischen Städte des Goldenen Rings waren mit Moskau durch Handelswege verbunden. Die Warenhäuser entlang der Nikolskaja-Straße gehörten zu den reichsten der Stadt.

Die Nikolskaja-Straße mit festlicher Beleuchtung

1564 druckte Iwan Fjodorow hier das erste datierte russische Buch - den Apostel. Die Druckerei stand am heutigen Teatralny Proezd. Eine Statue erinnert an den Pionier des russischen Buchdrucks.

Die Stadtmauer von 1538 ist größtenteils verschwunden. Stalin ließ sie in den 1930er Jahren abreißen, um Platz für breite Straßen zu schaffen. Nur ein kurzes Stück an der Metrostation Kitai-Gorod hat überlebt.

Sehenswürdigkeiten

GUM (Hauptkaufhaus)

Das prächtige Warenhaus am Roten Platz gehört eigentlich zu Kitai-Gorod. Die drei Passagen unter dem gläsernen Dach stammen von 1893. Zu Sowjetzeiten staatliches Kaufhaus, heute Luxus-Shoppingmall. Aber auch ohne zu kaufen lohnt der Besuch: die Architektur, das historische Eis am Brunnen.

Nikolskaja-Straße

Die Fußgängerzone verbindet den Roten Platz mit dem Lubjanka-Platz. Im Sommer hängen Lichterketten über der Straße. Hier steht das Slawisch-Griechisch-Lateinische Akademie-Gebäude, wo Lomonossow studierte. Das Nikolski-Zentrum beherbergt heute Boutiquen und Restaurants.

Der Druckerhof (Petschaty Dwor)

Am Teatralny Proezd steht das neugotische Gebäude der alten Druckerei. Hier entstand 1564 der "Apostel", Russlands erstes gedrucktes Buch. Die Fassade mit ihren spitzen Giebeln wirkt wie aus einer anderen Zeit - und ist tatsächlich ein Rekonstruktionsbau des 19. Jahrhunderts.

Sarja Zarjadja

Der neue Park südlich von Kitai-Gorod, direkt hinter der Basilius-Kathedrale, hat die Uferzone der Moskwa verwandelt. Auf dem Gelände eines abgerissenen Hotels entstand 2017 eine grüne Oase mit schwimmender Brücke und Amphitheater. Der Blick auf den Kreml ist spektakulär.

Bogojawlenski-Kloster

Versteckt in einem Hinterhof der Nikolskaja-Straße liegt eines der ältesten Klöster Moskaus, gegründet 1296. Die Glocken sind wieder zu hören, nachdem das Kloster zu Sowjetzeiten geschlossen war.

Verwinkelte Gasse in Kitai-Gorod

Das moderne Kitai-Gorod

Abseits der touristischen Hauptstraßen hat sich Kitai-Gorod in ein alternatives Viertel verwandelt. In den Kellern alter Kaufmannshäuser öffneten Bars und Clubs. Die Maroseika-Straße und ihre Seitengassen sind voller Cafés, Buchläden und kleiner Galerien.

Die Metro-Station Kitai-Gorod ist ein wichtiger Knotenpunkt. Zwei Linien kreuzen sich hier. Die Station liegt allerdings nicht im historischen Viertel, sondern am Rand - ein Erbe sowjetischer Stadtplanung.

Kitai-Gorod auf einen Blick

LageÖstlich des Kremls
Stadtmauer1538 erbaut, 1930er abgerissen
Erstes Buch1564 (Apostel)
Metro-StationenKitai-Gorod, Ploschtschad Rewoljuzii
HauptstraßeNikolskaja uliza
CharakterHistorisch, belebt, studentisch