Der Newski-Prospekt ist mehr als eine Straße. Er ist das Rückgrat von Sankt Petersburg, die Bühne der russischen Geschichte, der Laufsteg der Zarenzeit. 1710 als Verbindung zwischen Admiralität und Alexander-Newski-Kloster angelegt, entwickelte er sich zur wichtigsten Verkehrsader der Stadt.
Gogol schrieb: "Es gibt nichts Schöneres als den Newski-Prospekt, zumindest in Petersburg." Dostojewski ließ hier Raskolnikow wandeln. Puschkin wurde in einem Haus am Prospekt geboren. Die Straße hat russische Literatur geprägt wie kaum ein anderer Ort. Wer die russische Kultur und Traditionen verstehen will, sollte auch Sankt Petersburg besuchen.
Von der Admiralität bis zum Kloster
Die Straße beginnt am Alexandergarten vor der Admiralität. Von hier aus zieht sie sich 4,5 Kilometer schnurgerade nach Südosten bis zum Alexander-Newski-Kloster. Der erste Abschnitt bis zur Fontanka gilt als der prächtigste - hier reihen sich die bedeutendsten Bauten aneinander.
Die Breite der Straße variiert. Am engsten ist sie bei der Anitschkow-Brücke mit 25 Metern, am breitesten vor dem Gostiny Dwor mit 60 Metern. Die Hausnummern beginnen an der Admiralität: ungerade Nummern auf der Sonnenseite, gerade auf der Schattenseite.
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten
Kasaner Kathedrale
Der halbkreisförmige Säulengang der Kasaner Kathedrale öffnet sich zum Newski-Prospekt. Das Bauwerk von 1811 ist dem Petersdom in Rom nachempfunden - 96 korinthische Säulen tragen die Kolonnade. Im Inneren ruht Feldmarschall Kutusow, der Bezwinger Napoleons.
Haus des Buches (Singer-Haus)
Das ehemalige Hauptquartier der Singer-Nähmaschinengesellschaft fällt durch seine Glaskuppel mit dem Erdball auf. Heute beherbergt es die größte Buchhandlung der Stadt. Das Jugendstilgebäude von 1904 zählt zu den schönsten am Prospekt.
Stroganow-Palast
An der Ecke zur Moika steht der Stroganow-Palast, ein Meisterwerk des Barockarchitekten Rastrelli aus dem Jahr 1754. Die Stroganows waren eine der reichsten Familien Russlands - nach ihnen ist das Beef Stroganoff benannt.
Gostiny Dwor
Das älteste Kaufhaus Russlands nimmt einen ganzen Straßenblock ein. Seit 1785 werden hier Waren verkauft - früher Pelze, Seide und Tee, heute internationale Mode. Die Arkaden erstrecken sich über einen Kilometer.
Anitschkow-Brücke
Die Brücke über die Fontanka schmücken vier Bronzeskulpturen von Peter Klodt: Jünglinge, die wilde Pferde bändigen. Die Figurengruppe von 1850 gilt als Wahrzeichen des Prospekts. Kopien stehen in Berlin und Neapel.
Elisejew-Kaufhaus
An der Ecke zur Malaja Sadowaja beeindruckt der Jugendstilbau von 1903 mit seiner Glasfassade. Das Feinkostgeschäft im Erdgeschoss hat die Sowjetzeit überdauert und verkauft noch immer erlesene Waren unter Kristallleuchtern.
Geschichte der Straße
1710 begannen Kriegsgefangene aus Schweden, eine Schneise durch den Wald zu schlagen. Sie sollte die Admiralität mit dem Nowgorod-Trakt verbinden. 1738 erhielt die Straße ihren Namen - nach dem Alexander-Newski-Kloster am östlichen Ende.
Im 19. Jahrhundert avancierte der Newski zum Zentrum des gesellschaftlichen Lebens. Hier flanierten Dichter, Aristokraten und Revolutionäre. Hier tötete ein Attentäter 1881 Zar Alexander II. Hier begann die Februarrevolution 1917.
Nach der Revolution hieß die Straße zeitweise "Prospekt des 25. Oktober". Erst 1944 erhielt sie ihren historischen Namen zurück - mitten in der Blockade, als die Stadt dem deutschen Belagerungsring trotzte.
Newski-Prospekt auf einen Blick
| Länge | 4,5 Kilometer |
| Breite | 25-60 Meter |
| Angelegt | 1710 |
| Name seit | 1738 |
| Metro-Stationen | 4 (Newski Prospekt, Gostiny Dwor, Majakowskaja, Pl. Wosstanija) |
| UNESCO-Welterbe | Teil des historischen Zentrums |


