Das Kosakentum in Wolgograd Gebiet
Das Wolga-Don-Gebiet war im XVI. Jahrhundert die südliche Grenze des aufstrebenden Russland. Das "Wilde Feld", seit dem 13. Jahrhundert Niemandsland zwischen Orient und Okzident, begrenzt von den allmählich vorrückenden Siedlungen der Litauischen und Moskauer Grossfurstentümer, war dünn besiedelt. Blutige Kämpfe mit den Tataren im " Wilden Feld " zwischen Dnjepr und Don, mutige Entdeckungsfahrten hinter den Ural und die Unterwerfung sibirischer Stämme, kennzeichnen das Entstehen der freien Steppenbevölkerung. Waren sie seit dem XV. Jahrhundert nachweisbar Reiterscharen, die im XVI. Jahrhundert als freie Wehrbauern, verstärkt durch Flüchtlinge aus Moskowien und Polen wurden, bildeten sie im XVII. Jahrhundert das " Freie Gemeinwesen der Kosaken ". Kosakengebiete mit Sonderrechten wurden später an allen gefährlichen Grenzen ( Kuban, Terek, Astrachan, Orenburg, Sibirien) eingerichtet.
Die Gebiete rechts und links der Wolga gehörten zur Machtsphäre der "Goldenen Horde" und von der Krim aus beherrschten die Tataren bis Ende des XV. Jahrhunderts weite Teile des "Wilden Feldes", das zwar unbesiedelt war, aber von Gesandtschaften, Kaufleuten und Jägern durchquert werden musste. Das Gebiet wird von mächtigen Strömen durchschnitten, vom Dnjepr mit seinen linken Nebenflüssen und dem „stillen“ Don. Erst im AVI. Jahrhundert wurde das " Wilde Feld" zum Tummelplatz schlagkräftiger Kosakenheere, die sich aus tatarischen Steppenreitern und slawischen Pelzjägern formierten.
Durch die ständigen Kämpfe war das Leben der Kosaken sehr gefährlich. Lebten sie doch an der Grenze von zwei Welten. Doch erlangten die Kosaken dadurch vielseitige Fähigkeiten. Sie waren berühmt für ihre Reiterheere und waren selbst sichere und starke Reiter. Ausserordentlich geübt waren sie im Nahkampf, aber auch an der Feuerwaffe. Eine besondere Stärke war ihre listenreiche Taktik womit sie ihren Gegner in den Hinterhalt und somit in die Falle lockten. Sie waren hervorragende Verteidiger ihrer Festungen und erfolgreich im Erstürmen feindlicher Befestigungsanlagen. Auch als Fußtruppen und mit ihren Booten, waren sie gefürchtete Gegner. So waren sie durch ihre vielseitigen Eigenschaften berühmt. Unter den Kosaken gab es zwei Parolen:" Es gibt nur einen Don" und" Demütig, bitten wir nur den Zaren"
Die Kosaken unterstützen auch das Moskauer Grossfürstentum. So nahmen sie aktiv und bedeutungsvoll am dritten erfolgreichen Feldzug von Iwan dem Schrecklichen auf die Stadt Kasan teil. 1579 - 1585 fand der legendäre Feldzug des Atamans (Heerführer) Ermak Timofeewitsch nach Sibirien statt. Die Brüder Stroganow luden die Kosaken zur Teilnahme ein, damit sie als echte Entdecker und Eroberer als erster Sibirien eroberten. Dadurch stärkten sich die Beziehungen der Donkosaken zu Moskau ständig. Das Kosakenheer erhielt Auszeichnungen, Vergünstigungen und Ausrüstungen.
Im Laufe eines Jahrhunderts ist die Bedeutung des Kosakentums grösser geworden. Waren es in der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts noch kleine selbständig operierende Gruppen, erhielt die Bezeichnung Kosak (Wachposten, Grenzposten) die Bedeutung " Freier Mensch", sich keiner Obrigkeit, ausser dem Ataman, zugehörig.
1536 haben sich die Dnjeprkosaken zu einem Heer vereinigt, 1570 erschienen erste Berichte über das Donkosakenheer, 1577 dann über das Grebenskijheer, dass im Jahre 1580 nach Terek verlegt, und zum Terekkosakenheer wurde. In den letzten Jahrzehnten des XVI. Jahrhunderts bildeten sich auch Kosakenheere im Uralgebiet und in Sibirien heraus. Das Wolgakosakenheer wurde erst im XVIII. Jahrhundert gegründet, obwohl die Wolgakosaken schon im XVI. Jahrhundert bestanden.
Zum Bestandteil der zaristischen Streitkräfte wurden die Kosaken erst 1671 als die Donkosaken dem russischen Zaren Treue schwuren. Zu diesem Zeitpunkt standen die Donkosaken erst an den Ursprüngen der Terskij-, Uralskij, Sibirskij,- und Wolgakosakenheere. Im Wolgagebiet gibt es einige Kosakenmuseen, die Geschichte und Kultur, Bräuche und Sitten der Donkosaken widerspiegeln.
Das Freilichtmuseum der Donkosaken im Kosakendorf Ilowla stellt einen Kosakenhof Ende des XIX.- Anfang des XX. Jahrhunderts dar. Sie können ein Kosakenhaus " Kuren " (das Wort ist mongolischer Herkunft, bedeutet "Nomadensiedlung in Form eines Kreises"), ebenso auch einige Wirtschaftsgebäude besichtigen: eine Sommerküche, eine Werkstatt und Viehställe. Das Kosakenhaus ist mit alten traditionellen Möbeln eingerichtet. Sie können alte Ikonen und Gegenstände aus dem Alltag der Kosaken sehen. So ist es auch ein altes Ritual zu beobachten, aber auch teilzunehmen an der Aufnahmezeremonie zum Kosaken.
Weiterhin können Sie folkloristische Konzerte und die traditionelle Kosakenküche kennenlernen. Selbstverständlich haben Sie auch die Möglichkeit zum Reiten.
Die Traditionen der Kosakenkultur werden auch in anderen Museen behutsam aufbewahrt: im Museum der Staniza Beresowskaja und im Museum der Geschichte des Kosakentums vom Ustj-Medwedizkij Rayon.

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