Der Begriff "Goldener Ring" entstand 1967. Der Journalist Juri Bytschkow bereiste die historischen Städte nordöstlich von Moskau und veröffentlichte eine Artikelserie. Der Name blieb. Heute gehört die Route zu den wichtigsten Kulturreisen Russlands.
Die Städte des Goldenen Rings waren einst mächtiger als Moskau. Hier residierten Fürsten, hier entstanden Meisterwerke der russischen Architektur. Wer das alte Russland und seine Traditionen verstehen will, muss diese Orte gesehen haben.
Die acht Städte des Goldenen Rings
Sergijew Possad
70 Kilometer von Moskau entfernt liegt das wichtigste Kloster der russisch-orthodoxen Kirche. Das Dreifaltigkeitskloster gründete der Heilige Sergius von Radonesch um 1340. Hier segnete er Dmitri Donskoi vor der Schlacht auf dem Kulikowo-Feld. Die blauen Kuppeln der Mariä-Himmelfahrt-Kathedrale und der Glockenturm prägen das Stadtbild.
Pereslawl-Salesski
Am Ufer des Pleschtschejewo-Sees gründete Juri Dolgoruki 1152 diese Stadt. Peter der Große baute hier seine erste Flotte - Übungsboote auf dem See, bevor er Russland zur Seemacht formte. Das Botik-Museum zeigt eines der erhaltenen Boote.
Rostow Weliki
Rostow der Große - nicht zu verwechseln mit Rostow am Don - gehört zu den ältesten Städten Russlands. Erstmals 862 erwähnt. Der Kreml von Rostow mit seinen weißen Türmen und der Mariä-Himmelfahrt-Kathedrale wirkt wie aus einem Märchen. Die Stadt diente als Kulisse für den sowjetischen Filmklassiker "Iwan Wassiljewitsch wechselt den Beruf".
Finift - Die Kunst der Emaillemalerei
Rostow ist berühmt für Finift, eine filigrane Emaillemalerei auf Kupfer. Seit dem 18. Jahrhundert fertigen Künstler hier Ikonen, Schmuck und Miniaturen. Die Werkstätten können besichtigt werden.
Jaroslawl
Die größte Stadt des Goldenen Rings und die einzige an der Wolga. Jaroslawl feierte 2010 seinen 1000. Geburtstag. Das historische Zentrum gehört zum UNESCO-Welterbe. Besonders sehenswert: die Fresken der Prophet-Elias-Kirche aus dem 17. Jahrhundert und das Erlöser-Kloster, wo man das einzige Exemplar des mittelalterlichen Igorliedes fand.
Kostroma
Hier begann die Romanow-Dynastie. 1613 rief man den jungen Michail Romanow im Ipatjew-Kloster zum Zaren aus. Das Kloster steht noch heute. Kostroma ist auch für seine Leinenproduktion bekannt - die Tradition reicht Jahrhunderte zurück.
Iwanowo
Die jüngste Stadt des Goldenen Rings, bekannt als "Stadt der Bräute" wegen der vielen Textilfabriken, in denen Frauen arbeiteten. Architekturliebhaber schätzen die konstruktivistischen Bauten der 1920er und 1930er Jahre.
Susdal
Das Juwel des Goldenen Rings. Susdal hat nur 10.000 Einwohner, aber über 200 historische Bauwerke. Die Stadt wirkt wie ein Freilichtmuseum. Kein Gebäude überragt fünf Stockwerke, Leuchtreklamen sind verboten. Das Museum für Holzarchitektur zeigt Bauernhäuser und Kirchen aus der Region.
Wladimir
Im 12. Jahrhundert war Wladimir Hauptstadt des russischen Reiches. Die Mariä-Himmelfahrt-Kathedrale diente als Vorbild für ihren Namensvetter im Moskauer Kreml. Die Fresken im Inneren malte Andrei Rubljow. Das Goldene Tor - einst Triumphbogen für siegreiche Fürsten - markiert den Eingang zur Altstadt.
Praktische Informationen
Die Städte lassen sich einzeln als Tagesausflüge von Moskau besuchen oder auf einer mehrtägigen Rundreise. Die klassische Route führt im Uhrzeigersinn von Sergijew Possad über Jaroslawl zurück nach Moskau.
Öffentliche Verkehrsmittel verbinden alle Städte mit Moskau. Die Fahrt nach Wladimir dauert zwei Stunden mit dem Schnellzug, nach Susdal fährt man von Wladimir aus noch 40 Minuten mit dem Bus.
Goldener Ring auf einen Blick
| Städte | 8 historische Städte |
| Entfernung von Moskau | 70-350 Kilometer |
| UNESCO-Welterbe | Wladimir, Susdal, Jaroslawl |
| Älteste Stadt | Rostow Weliki (862) |
| Beste Reisezeit | Mai-September, alternativ Winter |
| Empfohlene Dauer | 3-7 Tage für alle Städte |


