Sehenswürdigkeiten in Sankt Petersburg
Wassilij Insel in Sankt Petersburg
Wassilij-Insel in Sankt Petersburg, Russland |
Vom Winterpalais her eröffnet sich ein wunderbarer Blick auf die sogenannte Strelka. Als Strelka bezeichnet man die Landzunge der Wassilij-Insel an der Gabelung der Newa in zwei Arme - Große Newa und Kleine Newa.
Inmitten der Strelka, auf dem Börsenplatz, dominiert der Bau der ehemaligen Börse - ein majestätisches Bauwerk im klassischen Stil, erbaut vom Architekten Thoma de Thomon 1805-1810. Vor 1880 befand sich hier der Stadthafen und das Geschäftszentrum von Sankt Petersburg.
Das Börsenhaus erinnert an einen griechischen Tempel, aufgesetzt auf einen wuchtigen Granitsockel. Eine breitgelagerte Granittreppe fuhrt von dem halbkreisförmigen Platz her zur Hauptfassade der Börse, auf der Fassade ist der Meeresgott Neptun mit geschwungenem Dreizack in der Hand mit in den Kampfwagen eingespannten Hippokampen dargestellt, der gegen die Strömung schwimmt und seine Rechte über die Stadt ausstreckt. Die gegenüberliegende Westfassade ist mit einer Gruppe Skulpturen "Navigation mit Merkur und zwei Flüssen" geschmückt.
Auf dem Platz vor der Börse stehen zwei 32 m hohe Rostralsäulen, geschmückt mit Metallrosten - Vorschiffen von besiegten Schiffen. Diese Tradition geht auf das Alte Rom zurück, das seine Triumphsaulen mit Vorschiffen der besiegten Schiffe von Karthago zu schmücken pflegte. Hier erinnern sie an Siege der russischen Flotte. Mächtige Figuren am Fuße der Säulen verkörpern die Hauptflusse Russlands - Dnepr, Wolga, Newa, Wolchow (Bildhauer Kamberlen und Tibo, Meister S. Suchanow). In kupfernen Schalen, welche die Säulen krönen, brannten nachts Ölleuchter, welche Schiffen die Hafeneinfahrt zeigten. Sie werden an Festtagen angezündet.
Als die Börse im Bau war, wurde das Ufer der Strelka in Granit eingefasst. Auf dem Abgang stellte man zwei wuchtige ideal runde Granitkugeln auf. Sie waren von dem Meister für Steinbearbeitung S. Suchanow ohne jegliche Messgeräte behauen.
Auf Börse Platz stehen zwei Rastralsäulen, St. Petersburg |
Heutzutage befindet sich im Börsengebäude das Zentrale Marinemuseum, das als eines der ältesten Museen des Landes gilt und von Peter I. 1709 gegründet war. Die interessantesten Exponate des Museums sind: ein am Fluss Bug gefundenes circa dreitausend Jahre altes ausgehöhltes Boot und der "Großvater" der russischen Flotte: das von ihm eigenhändig gebaute berühmte Boot Peters I. Hier werden auch die persönlichen Sachen Peters I. darunter seine Tischleraxt sowie Sachen von Admiral Nachimow aufbewahrt.
1830 war der Gebäudekomplex der "Strelka" durch Errichtung von Packhäusern und des Zollhauses an der Malaja Newa (Architekt I. Lukini, A. Sacharow) vollendet. Das Zollhaus schmückt ein strenger Portikus mit Skulpturen von Merkur, Neptun und Ceres. Die Kuppel des Zollhauses diente auch als Wachtpunkt zur Beobachtung der den Hafen anlaufenden Schiffe. Seit 1927 befindet sich im ehemaligen Zollhaus das Institut für Russische Literatur - das berühmte Puschkin-Haus - sowie das Literaturmuseum, wo Manuskripte und Schriftstücke von bedeutenden russischen Schriftstellern, Bildnisse und persönliche Sachen und vieler von A. Puschkin, M. Lermontow, N. Gogol, I. Gontscharow, A. Block, L. Tolstoi, M. Gorkij anderen aufbewahrt werden.
Nach der Verlegung des Hafens an die südwestliche Stadtgrenze war das Stadtviertel von Strelka von Grund auf neu gestaltet. Die südlichen Vorratslagerraume (Universitätskaja Nabereschnaja 1) gingen an das Zoologische Institut und Museum ab, das über eine reiche Sammlung von Fossilien und Tieren verfugt. Unter seinen 44 Tausend Exponaten befinden sich ein ganzer ausgestopfter Mammut und ein Mammutsbaby. Das letztere wurde 1977 in ewigem Frostboden bei Magadan gefunden, wo es mindestens 10 Tausend Jahre gelegen haben soll. Die nördlichen Packhäuser hatte das Museum für Bodenkunde (Börsenstraße 6) besetzt.
Zwei Jahrhunderte lang formierte sich an der Strelka das Zentrum der russischen Wissenschaft und Kultur. Eine wichtige Rolle gebührt der Kunstkammer (Universitätskaja Nabereschnaja 3) - dem ersten russischen Museum für Naturgeschichte. Peter I. war sehr wissbegierig, seine Sammlung von Raritäten war der Kunstkammer zugrunde gelegt. Es handelt sich um seltene Mineralien, Fossilien, buddhistische und heidnische Götzen, anatomische Präparate unterschiedlicher anomaler Wesen und vieles andere. Um Besucher anzulocken, brauchte kein Eintrittsgeld gezahlt zu werden. Anfangs hatte man sogar den Besuchern Glaschen Wodka angeboten.
Der Bau der Kunstkammer ist eines der ältesten Bauwerke in Petersburg, es war 1718-1734(ArchitektT. Matarnovi) errichtet, die Sammlung Peters I. aus dem Sommerpalast ist hierher überführt worden. Dieses schmucke Gebäude mit einem hohen Turm in der Mitte gilt als Muster für Frühbarock. Später etablierte sich hier die Akademie der Wissenschaften, in der viele Jahre (1741-1765) der große russische Gelehrte M. Lomonossow tätig war. Im großen Saal fanden die Sitzungen der Akademie der Wissenschaften statt. Die Inneneinrichtung des Saales hatte ihr ursprüngliches Aussehen erhalten. Hier war auch die erste Öffentliche Bibliothek des Landes eröffnet. Ganz oben auf dem Turm war das astronomische Observatorium untergebracht.
Kunstkammer in Sankt Petersburg, Russland |
Heutzutage befindet sich in der Kunstkammer das N. Miklucho- Maklai- Institut für Ethnographie und zwei Museen: das Museum für Ethnographie und Anthropologie Peters I. und das M. Lomonossow- Museum. Im Museum Peters I. finden wir neben seiner persönlichen Sammlung auch Schriften über die Geschichte der Völker Asiens, Afrikas, Amerikas und Ozeaniens vor. Das Museum verfügt über zwei Tabellen mit Schriften von der Osterinsel (insgesamt sind 20 Tabellen dieser Art bekannt), die noch zu entziffern sind.
Die Exposition des M. Lomonossow- Museums verschafft eine Vorstellung über die wissenschaftliche Tätigkeit des großen Gelehrten. Hier werden seine wissenschaftlichen Gerate, astronomischen Werkzeuge, geographischen Karten, Bucher sowie sein chemisches Labor - das erste in Russland -aufbewahrt.
Im Museum ist ein großer akademischer Globus ausgestellt, welcher 1754 unter Beteiligung von Lomonossow geschaffen wurde. Eine gigantische Kugel, wo 10 bis 12 Personen gleichzeitig Platz nehmen können, stellt die Karte der Erde und das Himmelsgewölbe dar. Seit 1901 befindet sich der Globus in Zarskoje Selo, wo ihn wahrend des Krieges die faschistischen Okkupanten geraubt hatten. 1947 war er in Lübeck entdeckt und der Kunstkammer zurückgegeben worden.
Gegen Ende des XVIII. Jahrhunderts war es in der Kunstkammer zu eng geworden und man beschloss, nebenan ein neues Gebäude zu errichten. 1789 war der Bau fertig. Es ist eines der schönsten Bauwerke des Architekten G. Quarenghi, im edlen klassischen Stil. Geschmückt wird es lediglich von einem wuchtigen 8-Saulen-Portikus mit einer Doppeltreppe. Im Hauptgebäude der Akademie der Wissenschaften wird die Wand über der oberen Paradetreppe vom bekannten Mosaikbild von Lomonossows "Schlacht bei Poltawa" geschmückt, wobei er nach seiner Technologie 1764 erzeugte Farbensmalte verwendete. Das Panneau nimmt die ganze Wand über dem oberen Treppenabsatz der Paradetreppe ein. An dieser Stelle wurde es 1925 aufgestellt.
An der hinteren Fassade der Akademie befindet sich die Statue M. Lomonossows, welcher von den Bildhauern (M. Gabe, I. Fomin) nicht in Galakostüm und Perücke, sondern in Arbeitskleidung und Lederschurze dargestellt ist.
Börsenplatz, ehemaligen Börse, Rastralsäule in Sankt Petersburg |
Quer über die Grünanlage erstreckt sich von der Akademie ein langes Gebäude (über 400 m) der Staatlichen Universität von Sankt Petersburg. Ursprünglich hatten hier die wichtigsten Regierungsinstitute des Landes - die Zwölf Kollegien - ihren Sitz. Gegen 1741 errichtete Architekt D. Trezzini ein rot-weißes Haus im Barockstil, es bestand aus 12 gleichen Trakten, jeder Trakt besaß seine eigene Fassade mit plastischem Giebel. Die Längsfassade ist der Strelka zugewandt, und die enge Seitenfassade blickt auf den Kai der Großen Newa. Es gibt die Überlieferung, das man ursprünglich beabsichtigte, die Längsfassade der Zwölf Kollegien der Newa zuzuwenden. Aber der allmächtige Gouverneur von Sankt Petersburg A.Menschikow wollte an dieser Stelle seinen Palast errichten und befahl, das Gebäude der Zwölf Kollegien so zu platzieren, damit das Kopfende der Newa zugekehrt wäre.
Im XVIII. und zu Beginn des XIX. Jahrhunderts gab es noch keine ständigen Brücken über die Newa, dadurch war die Verbindung zwischen den Kollegien und der Zarenresidenz erschwert. Daher verlagerten sich die Regierungsinstitute langsam nach dem linken Ufer der Newa. Die ersten waren der Senat und der Synode auf dem Senatsplatz. Seit 1819 ist im Gebäude der Zwölf Kollegien die Universität von Petersburg untergebracht.
Zu deren Zöglingen gehörten viele hervorragende russische Gelehrten wie der Erfinder des Hörfunks Russands Professor A. Popow, der bedeutende Chemiker D. Mendeleew, der Chemiker A. Butlerow, der Mathematiker P. Tschebyschew, die Physiologen I. Setschenow und I. Pawlow, der Botaniker K. Timerjasjew, der Bodenkundler W. Dokutschaew sowie die Schriftsteller I. Turgenew, N. Nekrassow, A. Blok und viele andere.
Neben der Universität (Hausnummer 15) befindet sich der A. Menschikow- Palast. Menschikow war ein Favorit Peters I., der erste Gouverneur von Petersburg. Ein dreistöckiges Gebäude mit Mansarde und Balkon über der Paradetür war 1710-1714(Architekt D. Fontana, G. Schadel) erbaut. An Große und reicher Einrichtung übertraf der Palast den des Zaren. Die Wände des Haupteinganges waren mit künstlichem Marmor ausgekleidet, in den Nischen standen echte antike Statuen. Die festliche Eichholztreppe mit Monogrammen von Menschikow und Peter I. führte in die zweite Etage. Die Ofen und ein Teil der Wände der Gemächer waren mit holländischen blau-weißen Kacheln mit Motiven zu Pastoralthemen ausgekleidet. Im Kabinett von Menschikow waren die Wände aus Nussholz. Eine englische Uhr und vergoldete Stühle stammten aus Italien, das Bildnis Peters I. war 1697 in Amsterdam gemalt, als Peter I. Modell stand. Im Palast fanden Versammlungen, Feste, Empfange ausländischer Botschafter statt.
Akademie der Künste in Sankt-Petersburg, Russland |
Die prunkvolle Ausstattung des Palastes ist verschwunden, nachdem Menschikow von den Nachfolgern Peters I. als "mächtiger Günstling" gestürzt und verbannt worden war. Der Palast wurde zum Staatseigentum und darin das erste Kadettenkorps gegründet.
Seit 1981 befindet sich im Menschikow- Palast das Museum für die Lebensweise und Kultur zu Beginn des XVII. Jahrhunderts. Die ursprüngliche Innenausstattung ist wiederhergestellt worden. Neben dem Menschikow-Palast ragt inmitten der Grünanlage ein Granitobelisk empor, gekrönt mit einem Bronzeadler. Er wurde nach 1774 (Architekt B. Brenna) anlässlich des Sieges von Feldmarschall P. Rumjanzew uber die Türken aufgestellt. Der Marmorsockel ist mit Reliefen geschmückt und hat die Inschrift: "Rumanzew's Siegen". Er war Absolvent des ersten Kadettenkorps.
Weiter den Kai entlang steht unter der Nummer 17 ein mächtiges Bauwerk der Akademie der Künste, errichtet gegen 1788 (Architekt A. Kokorinow, Vallin de la Motte). Es nimmt ein ganzes Viertel ein und hat einen inneren Rundhof und bildet ein Muster für den russischen Frühklassizismus. Die Hauptfassade blickt auf die Newa, in der Mitte befindet sich ein Portikus mit einer Toskana -Kolonnade. Über dem Eingang stehen Stauen von Herkules und Flora. Die "Akademie der drei bedeutendsten Künste" (Malerei, Bildhauerei und Baukunst), gegründet 1757, hat in der Entwicklung der russischen Kunst eine große Rolle gespielt. Sie hat die Architekten I. Starow, A. Woronichin,W. Baschenow, A. Sacharow, A. Schtschussew, die Maler A. Iwanow, K. Brjullow, I. Repin, V. Surikow, I. Schischkin, die Bildhauer M. Koslowskij, W. Schubin, M. Maniser hervorgebracht.
1834 wurde vor dem Gebäude der Akademie eine klassische Anlegestelle (Debarkader) (Architekt K. Ton) gebaut, die mit zwei ägyptischen Sphinx geschmückt war. Die Sphinx waren 1831 gekauft und aus der alten Hauptstadt Ägyptens Thebos hergebracht worden.

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