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Usbekistan: Teppichkunst

 
 

Die Usbekische Teppichkunst


Die Teppichweberei gehört zu den ältesten Handwerken in Usbekistan. Die Sippen und Stämme, die Viehwirtschaft betrieben und als Halbnomaden lebten, verfügten im Überfluss über Wolle, bekanntermaßen das wichtigste Ausgangsprodukt für die Fertigung von Teppichen.

Die freigebige Natur Zentralasiens lieferte zugleich hervorragende Farbstoffe in Menge und Masse. Das Alltagsleben des nomadisierenden Viehhalters war ohne Teppiche überhaupt unvorstellbar, denn diese dienten nicht nur als Ausstattungsgegenstände und Möbel sowie bei den zahllosen Umzügen als Transportbehälter für die unzähligen Haushaltsgegenstände, sondern brachten im Winter auch Wärme. Die satten Farben, die die Töne der zentralasiatischen Natur widerspiegelten, und die dynamischen Muster verzauberten den Blick des Betrachters. In Zentralasien wurden von fast allen dort ansässigen Völkern Teppiche gewebt, vornehmlich aber von Turkmenen, Usbeken, Kirgisen, Karakalpaken und Uiguren. Die Traditionen der Teppichweberei dieser Völker wurden in hohem Masse durch ihre Wirtschaftsführung gefordert. Die Usbeken beispielsweise, die von der nomadisierenden Viehhaltung langsam zur Sesshaftigkeit und zum Ackerbau übergingen, befassten sich dann nur noch wenig mit der Teppichweberei. In einigen Regionen des Landes wurden jedoch nach wie vor hochwertige Teppiche gefertigt, die sich einer großen Nachfrage erfreuten und allgemeine Verwendung im Haushalt fanden.

Der immense Bedarf wurde aber nicht nur mit den in Usbekistan gefertigten Teppichen, sondern auch mit Teppichwaren benachbarter Völker gedeckt. Die Angehörigen dieser Völker kamen auf die größten Märkte Usbekistans in Samarkand, Buchara, Chiwa und Kokand, um ihre Waren anzubieten. Von dort aus wurden die Teppiche aus der ganzen Region dann nach Russland und Europa ausgeführt, wo sie unter Bezeichnungen wie „Buchara", „Schwarzbuchara" und „Königsbuchara" verkauft wurden.

Im 19. Jahrhundert blühte die Teppichweberei insbesondere im Raum des Gebirgszuges Nurata, das Zentrum war Samarkand. Dort wurden strichlose Teppiche als Bodenbelag, sogenannter Bodenfilz, und flauschiggeschorene Teppiche, Gimale, gewebt. Die Gimale zeichneten sich durch ihre Größe, ihre hohe Knotendichte, den kurz geschorenen Strich und die feinen Muster aus.

Durch eine ganz besondere Eigenart waren die Teppiche vom Typ Dschulhirs (persisch: Bärenfell) gekennzeichnet. Ihre Bezeichnung erklärt sich durch den langen (bis zu 1,5 Zentimeter) Strich. Sie wurden ebenfalls in erster Linie im Gebiet Samarkand hergestellt. Dschulhirs hatten eine extrem geringe Dichte von 200 bis 300 Knoten je Quadratdezimeter. Da die Fertigung aus diesem Grunde nicht besonders zeitaufwendig war, waren sie in der usbekischen Bevölkerung beliebt. Dschulhirs wurden an einem besonderen Webstuhl gefertigt: Mit symmetrisch oder asymmetrisch gesetzten Knoten wurden schmale Streifen gewoben, die dann zusammengenäht wurden. Nach dem Herstellungsverfahren kann man den Dschulhirs als eine besonders archaische Art der Strichteppiche bezeichnen. Die Muster der Dschulhirs weisen in der Regel große Formen auf. Faszinierend ist das völlige Fehlen von Detailvielfalt. Am häufigsten finden traditionelle Romben mit gewundenen Hörnern Verwendung. Die Semantik aller traditionellen Motive der Teppiche der Viehzüchter wie zum Beispiel der Romben mit Kreuzen oder gewundenen Hörnern und stufenweise ausgebildeten Vielecken hing mit dem Gedanken der Fruchtbarkeit und des sich immer wiederholenden Kreislaufs des Lebens zusammen. Die gesamte dekorative Gestaltung der Teppiche wurde ursprünglich als Abbild der Welt wahrgenommen, wobei jedes aufgeführte Element eine gewisse Schutzfunktion sichern sollte.

Die roten, schwarzen und braunen Farben wurden in erster Linie verwendet, um harte Kontraste zu schaffen, während unbedeutende Details in weißer oder gelber Farbe gehalten wurden. Zur Farbstoffherstellung wurden einheimische Pflanzen verwendet, darunter Anor pusti (Granatapfelschale), Tuchumak (Blüten der japanischen Sophore) und Rujan (Färberröte) sowie Zwiebel- und Walnussschalen.

Ein anderes bedeutendes Zentrum der usbekischen Teppichweberei War das Ferganatal, wo vor allem Usbeken und Kirgisen siedelten. Die Teppiche aus dem Ferganatal lebten von ihren starken Blumenmotiven. Ich möchte sie als Nachahmung der berühmten „Gartenteppiche" bezeichnen, die im 18. Jahrhundert in Täbris hergestellt wurden. Die Blumenrosetten waren über das ganze Feld verstreut oder reihenweise als rechteckige Blumenbeete komponiert. Die geblümten Teppiche waren im Orient besonders beliebt. Pflanzen- und Blumenornamente symbolisierten in der Kunst des moslemischen Orients die Schönheit des Gartens im Himmelreich, der im Koran an mehreren Stellen beschrieben ist, doch die breite Bevölkerung nahm diese Ornamentik als ewiges Blühen und ewige Wiedergeburt der Natur wahr. Im 20. Jahrhundert brach die Teppichweberei in Usbekistan gravierend ein. Nur noch wenige Frauen erinnerten sich an die alten Muster und beherrschten die alte traditionelle Herstellung. Im Ergebnis starb die Teppichweberei fast ganz aus.

Seit der Unabhängigkeit ist man bemüht, das Interesse für dieses uralte Handwerk und Gewerbe wieder zu beleben. Gegenwärtig lassen sich drei Richtungen benennen, in denen sich die Teppichweberei wieder entwickelt: Dies sind erstens die Teppichherstellung in Heimarbeit, zweitens die Gründung manueller Teppichwebereien, die Teil staatlicher Betriebe sind, und drittens die Teppichherstellung in kleinen privaten Unternehmen.

In den alten traditionellen Teppichzentren im Ferganatal, am Nurat, in den Gebieten Kaschkadaija, Syrdarja, Surchandaija und in der Autonomen Republik Karakalpakstan wurde die Teppichwirkerei bereits wieder mit Leben erfüllt. Wie früher werden Dschulhirs und Gimale sowie strichloser Bodenfilz hergestellt. Die handgearbeiteten Teppiche werden heute wieder von vielen Usbeken geschätzt.

So vieles ist verlorengegangen, was die Teppichkunst in Usbekistan einst reich und vielfältig machte. Eine sehr umfangreiche wissenschaftliche und auch praktische Arbeit zur Wiederherstellung der alten Muster und Verfahren leisten die staatliche Vereinigung „Usto" und das republikanische Produktionszentrum für Kunstgewerbe und angewandte Kunst „Mussawir". Unter Federführung von „Mussawir" werden in Usbekistan neue Teppichmanufakturen eröffnet, in denen die verschiedenartigsten Teppiche nach traditionellen Verfahren hergestellt werden. In Einrichtungen der Akademie der Künste Usbekistans wird an einem Ausbildungssystem für Teppichweber gearbeitet. Denn heute bieten sich in diesem Bereich neue vielfältige Entwicklungsaussichten, die mit der allgemeinen Wiederbelebung der kulturellen Traditionen in Usbekistan zusammenhängen.

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