Russische Volkskunst
Russische Volkskunst |
Werke der russischen Volkskunst können viel über den russischen nationalen Charakter, die Geschichte Russlands, die idealen Vorstellungen des Volkes von Glück und Schönheit verraten. Die meisten Kunsthandwerke entstanden im grauen Altertum, sie wurzeln im ländlichen Handwerk. Die Natur selbst lieferte dem Menschen sowohl Materialien als auch Motive. In der Waldzone entwickelten sich das Drechslerhandwerk, die Holzschnitzerei und die kunstvolle Bearbeitung der oberen Schicht der Birkenrinde, wobei diese oft vorgezogen wurde. An Orten, die an Lehm reich waren, bearbeitete man ihn kunstvoll, bis daraus die Keramik entstand.
In den nördlichen Regionen Russlands mit ihren ausgedehnten Flachsfeldern wurden Spitzen geklöppelt. Der Ural mit seinen reichen Vorkommen von Eisenerz und sowie von Halbedel- und Schmucksteinen ist für seine Gießkunst, den Waffenschmuck und Schmuckartikel berühmt. Holz- und Beinschnitzerei, Spitzenklöppelei, Stickereien, Malereien auf Holz und Metall, Keramiken, bedruckte Stoffe, Waren aus Leder und Pelz: Diese und noch viele andere vielfältige Handwerke und Kunstgewerbe bestehen in Russland.
Aber weltberühmt sind heute nur einige der russischen Souvenirs: die russischen Matrjoschkas, die Chochlomaer Malerei, die Keramiken von Gschel, die Miniaturen von Palech, die Serviertabletts von Schostowo, die Tücher von Pawlow-Passod, die Spitzen von Wologda, das Spielzeug von Dymkowo, die Malereien von Gorodez, die Gusseisenplastiken von Kaslin.
Russische Souvenirs |
Die Chochloma-Erzeugnisse dagegen - in Gold, Rot und Schwarz bemaltes Holzgeschirr - datieren aus dem 17. Jahrhundert, und seitdem hat sich an der Herstellungstechnologie kaum etwas verändert.
Die Lackminiaturen von Palech entstanden auf der Basis der altertümlichen Ikonenmalerei. In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts, in den Zeiten eines militanten Atheismus, ging das Kunstgewerbe nicht ein, vielmehr wurde es umorientiert. Die ehemaligen Ikonenmaler gingen daran, Kassetten, Brosche, Zigarettenetuis herzustellen. Es wurde die überlieferte Technik verwendet, aber den Darstellungen ein neuer Inhalt verliehen: Themen aus dem sowjetischen Leben, Volksmärchen, historische und literarische Sujets. Erstaunlich war diese Kombination der vergeistigten „sakralen" Malerei mit dem „irdischen" Inhalt: Traktoren, robusten Bäuerinnen und roten Fahnen.
Die Malereien von Gorodez, die Mitte des 19. Jahrhunderts aufkamen, verraten die Vorstellung des Volkes von einem „schönen Leben". Neben Blumen und Tieren malten die Meister von Gorodez gern Volksbelustigungen, Teetrinken, Feste u. ä. Die Figuren solcher Sujets sind wohlhabende Bauern, Städter und Kaufleute, sämtlich lustig, reich und schön gekleidet.
Russische Matroschki |
In unserer Zeit schätzen die Russen die Volkskunst hoch und kaufen ihre Werke gern. Fast in jedem Haus sieht man eine kleine Plastik aus Kaslin oder ein Kuchenbrett aus Gorodez, einen Chochlomaer Holzlöffel oder ein kleines Holztoss aus Pokrowo-Majdan; unter den Spielsachen der Kinder finden sich unbedingt eine Matrjoschka und ein bunt bemaltes Kubusspiel. Nicht selten hat man in den Wohnungen richtige Sammlungen von Gegenständen aus Gschel, Chochloma oder Dymkowo.
Werke des Kunstgewerbes sind in allen Tourismuszentren zu hoben. Verlässt man Russland, so nimmt man von einem russichen Wochenmarkt fast immer ein Werk der Volkskunst mit. Prächtige Blumen und fein ausgeführte Malerei, reizende Spitzen, naive lustige Spielsachen werden immer an das Riesenland, an sein gutes, freigebiges und talentiertes Volk erinnern.

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