Historische Wurzeln
Russland und Deutschland sind historisch, kulturell, wirtschaftlich und sogar verwandtschaftlich eng miteinander verbunden. In Russland wohnen auch heute noch relativ viele Deutsche – etwa 0,4 % der knapp 145 Mio. Einwohner der Russischen Föderation. Das sind immerhin rund 600.000 Deutsche in Russland.
Die Deutschen begannen noch unter Zar Peter dem Großen (1682-1725), sich in Russland anzusiedeln. Deutsche kamen nach St. Petersburg schon in den ersten Tagen nach Gründung der Stadt durch Peter den Großen, und die deutsche Diaspora wurde mit der Zeit zur vermutlich größten. Ihre Vertreter arbeiteten in den verschiedensten Bereichen – etwa in der Wissenschaft, der Kunst oder im Handwerk.
Deutsche Aussiedler und Russlanddeutsche
Die massenhafte Übersiedlung von Deutschen auf russisches Territorium begann jedoch erst in der Zeit der Steuervergünstigungen unter den Zaren Katharina der Großen, Paul I. sowie Alexander I., und endete unter Alexander II., also in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 1763 erließ Katharina die Große das "Manifest über die Gewinnung ausländischer Übersiedler auf die russischen Territorien". Der Großteil dieser Übersiedler aber bestand gerade aus Deutschen. An der Wolga und im Süden Russlands errichtete man Kolonien für die Aussiedler aus den deutschen Gemeinden, also auch für die späteren "Russlanddeutschen", die einen nicht unerheblichen Beitrag zum wirtschaftlichen und kulturellen Leben Russlands geleistet haben. Die deutschen Kolonien genossen etliche Vergünstigungen und Privilegien.
Nach 1917, als die revolutionäre Sowjetische Regierung die Macht übernahm, änderte sich auch die Nationalpolitik grundlegend. Alle Vergünstigungen, Privilegien und der Status der deutschen Aussiedler wurden aufgehoben. Wie die anderen Völker auch, wurden die Russlanddeutschen, die es nicht geschafft hatten, rechtzeitig das Land zu verlassen, massenhaften Repressionen und Zwangsübersiedlungen unterzogen. Letztendlich wurden die Deutschen nach Kasachstan und Sibirien geschickt, wo bis heute zahlreiche deutsche Kolonien erhalten geblieben sind.
Katharina II. und die Deutschen
In der Geschichte Russlands sind viele deutsche Namen von Menschen geblieben, die zum Ruhm und Stolz Russlands beigetragen haben. Es würde allein ausreichen zu erwähnen, dass die russische Zarin Katharina II., in Russland auch die Große genannt, ursprünglich eine deutsche Prinzessin war. Als Sophie Auguste Friederike, Prinzessin von Anhalt-Zerbst-Dornburg, heiratete sie den russischen Zaren Peter III., und übernahm von ihm nach einem erfolgreichen Staatsstreich den russischen Thron. Über 20 Jahre lang, von 1762 bis 1796, herrschte sie über das Russische Reich. Ihre Regierung gilt als eine der klügsten und erfolgreichsten in der russischen Geschichte. Und auf Initiative Katharinas waren auch berühmte Wissenschaftler aus Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern nach Russland eingeladen worden.
Berühmte Deutsche in Russland
Natürlich sind die Deutschen in Russland nicht nur durch die verwandtschaftlichen Beziehungen zur Zarendynastie der Romanows bekannt. Das russische Volk ehrt auch weniger vornehme, aber nicht minder berühmte und geschätzte Namen. Zu den bekanntesten Russlanddeutschen zählen Seefahrer und Entdecker wie Wrangel (1796/97-1870), Iwan Födorowitsch Krusenstern (1770-1846), Fadej Fadejewitsch Bellingshausen (1778-1852), Otto Ewstaf’jewitsch Kozebu sowie Födor Petrowitsch Litke.
Wissenschaftler, Ärzte, Künstler
In der Astronomie wurde ebenfalls ein Russlanddeutscher berühmt, nämlich Wassilij Jakowlewitsch Struwe (1793-1864), Akademiemitglied, Gründer und erster Direktor des weltweit bekannten Pulkowo-Observatoriums, das zum astronomischen Zentrum Russlands wurde.
Ein hervorragender Volksarzt, der sein ganzes Leben der Wohltätigkeit zugunsten einfacher Leuten gewidmet hat, war Födor Petrowitsch (Friedrich Josef) Gaas (1780-1853). Die er nannten ihn "Der Heilige Doktor". Auf Initiative von Gaas wurden Gefängniskrankenhäuser für die Inhaftierten und deren Kinder errichtet. "Beeilt euch, um etwas Gutes zu tun" – so lautete sein Lebensmotto.
Auf viele deutsche Namen trifft man auch in der russischen Kunstgeschichte. Der Baron Peter Karlowitsch Klodt (von Jürgensburg) (1805-1867) etwa war ein sehr berühmter Bildhauer, einer der Gründer des animalistischen Genres in der russischen Bildhauerkunst, sowie Schöpfer etwa des bekannten Werks "Die Pferdebändiger" (Rossbändiger) auf der Anitschkow-Brücke in St. Petersburg, außerdem des Denkmals für den Fabeldichter I. A. Krylow im Sommergarten, der Pferdefiguren des Denkmals für seinen großen Förderer, Zar Nikolaus I., auf der Isaak-Ploschtschad, sowie der Quadriga auf der Front des Bolschoi-Theaters.
Deutsche Architekten in Russland
Konstantin Andrejewitsch Ton (1794-1881) wiederum war - ebenfalls von Nikolaus I. gefördert - der wohl größte russische Architekt, Mitglied der St. Petersburger Kunstakademie sowie der Florentiner Akademie. Ton ist der Erbauer von berühmten Gebäuden wie dem Großen Kremlpalast oder dem Haus der Rüstkammer, Nikolajewskij (heute Leningradskij), dem Bahnhof in , sowie der Christi-Erlöser-Kathedrale, die zum Andenken an den Sieg Russlands im Vaterländischen Krieg (1812) bis 1830 fertiggestellt wurde.
Födor Osipowitsch Schechtel (1859-1926) seinerseits war ein bekannter russischer und er Architekt, und einer der Gründer des architektonischen "modernen" Stils . schmücken über 40 nach seinen Entwürfen errichtete Gebäude, darunter der Jaroslawskij (Jaroslawler) Bahnhof, die Villa des Fabrikanten Rjabuschinskij, das Künstlertheater, das Haus der er kaufmännischen Gesellschaft uvm.
Deutsche in Literatur und Wirtschaft
In Anna Petrowna Kern (geborene Wulf) verliebten sich gleich der Dichter Alexander Puschkin und sein Bruder Leo. Puschkin widmete ihr eines seiner bekanntesten und schönsten Gedichte, "Ja pomnju tschudnoje mgnowenie…" - ("Ein (wunderschöner) Augenblick ist mein gewesen ...").
Auch an der russischen Wirtschaft nahmen die Deutschen sehr aktiv teil. Schon seit dem 17. Jahrhundert genossen deutsche Kaufleute überall in Russland einen großen Ruf. Den meisten Einfluss hatten die Deutschen jedoch in . Unter Beteiligung deutscher Unternehmer wurden in unter anderem gegründet: Deutsche Bank (1875-1914), er Chemiefabrik "Friedrich Bayer" (heute Bayer AG) (1883-1917), Unternehmen der Bronzeindustrie und andere. Deutsche Kaufleute waren auch an der Erforschung und Erschließung des Fernen Ostens und Sibiriens aktiv beteiligt.

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