Sehenswürdigkeiten in Sankt Petersburg, Russland
Smolnyj- Kloster in Sankt Petersburg
Smolnyj-Kloster in Sankt Petersburg, Russland |
Mit der Bebauung der Stadt wurden die Gartenschlösser der Würdenträger immer weiter von der Stadtmitte verlegt. Unweit von dem in der Vorstadt liegenden Smolnyj- Kloster war auf der zu ihm führenden Spalier-Straße ein Schloss des Fürsten Potemkin von Taurien, des Favoriten von Katharina II. errichtet. Das Schloss wurde 1783-1789 vom Architekten I. Starow im klassizistischen Stil gebaut. Er erinnert an ein Lustschloss: vor der zweistöckigen Hauptfassade befindet sich der Paradehof, hinter dem Haus breitet sich ein riesiger Park aus. Die Wände sind glatt, nur in der Mitte mit Portikus und flacher Kuppel geschmückt. Wie sich G. Derschavin ausdrückte: "Dank dem alten schönen Geschmack ist es schlicht, aber erhaben".
Das Innere des Palais stellte ursprünglich das Gegenteil zu seinem strengen Äußeren dar. Der Kuppelsaal war reich an Malerei und Stuckverzierungen, ihm schloss sich ein riesiger Festsaal mit zwei Reihen ionischer Säulen an und dann gelangte der Besucher in den Wintergarten. In seiner Mitte erhob sich ein Rundbau, über dessen Kuppel eine Marmorstatue Katharina der Großen nach dem Entwurf von F. Schubin stand. Unter der Regierungszeit Pauls I. war vom Prunk des Schlosses kaum etwas erhalten geblieben. Der Imperator befahl, die kostbare Ausstattung in seine Residenz, das Michajlow-Schloss zu überführen und in dem Palais des von ihm gehassten Günstlings Kasernen und Pferdestalle einzurichten. Zu Beginn des XX. Jahrhunderts war das Palais gründlich renoviert und der Staatlichen Duma zur Verfügung gestellt worden. Nach dem Sturz der Selbstherrschaft zog hier der Arbeiter- und Soldatenrat ein.
Geht man vom Taurischen Palais die Spalier- Straße runter, so kommt man zum Smolnyi- Kloster. Es hebt sich als eine luftige blaue Erscheinung vom blauen Himmel ab. Mit dem Bau des Smolny- Klosters wurde auf Anordnung der Zarin Elisabeth Petrowna, der Tochter Peter I., begonnen, die sich hier ihre letzten Tage zurückziehen wollte.
Sankt Petersburg, Smolnyj Kloster, Russland |
Den Entwurf erarbeitete 1748 der große Rastrelli. Früher befand sich an Stelle des Klosters der Admiralitätshof, oder Teerhof, wo Teer (auf Russisch smola) für den Schiffbau geschwelt wurde. Die Zarin wollte hier ein Kloster - ein Schloss mit einer Kathedrale nach dem Muster der Uspenskij-Kathedrale im Moskauer Kreml mit fünf Kuppeln und einem Glockenturm wie der Glockenturm Ivan des Großen in Moskau sehen. Rastrelli hat den Klosterkomplex nicht zu Ende bauen können, vollendet wurde der in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts von W. Stassow, der den Stil und die Komposition entsprechend dem Entwurf von Rastrelli behutsam nachgebildet hatte.
Von weitem sind über die Newa die hochragenden fünf Kuppeln der über 80 m hohen Kathedrale sichtbar. Nach der leuchtend weißblauen Farbe, der Fülle und dem Reichtum des Verputzes ist die Kathedrale den Schlossbauten von Rastrelli verwandt. Der in sich abgeschlossene Raum des Klosters hat eine solche Anordnung von Klosterzellen, die den Kreuzgrundriss der Kathedrale nachbildet. An den Ecken der Klosterzellen stehen vier Kirchen mit je einer Kuppel. Im Smolny- Kloster fehlt die Hauptfassade, aber es sieht von allen Seiten schmuck aus. Der Glockenturm wurde aber aus dem Entwurf Rastrellis gestrichen. Das Smolny- Kloster ist ein Meisterwerk der Architektur des Petersburger Barocks.
Peter-Welikij-Brücke, Smolnyj Kloster, St.Petersburg |
1764 war in den Zellen des nicht vollendeten Klosters auf Wunsch Katharinas II. die erste Lehranstalt für Madchen adeliger Herkunft - das Institut für vornehme Madchen - gegründet. Neben dem Kloster sollte ein Heim für adelige Witwen entstehen. Autor des Bauwerkes im klassizistischen Stil war Architekt Quarenghi, errichtet 1806-1808, es ging in die Geschichte unter dem Namen Smolny ein.
Die dreistöckige 220 m lange Fassade ist in der Mitte mit einer Arkade und dem darüber liegendem Portikus mit korinthischen Säulen geschmückt. Die äußere Strenge stimmt mit der Askese des Interieurs überein, nur die Aula ist mit einer feierlichen Kolonnade geschmückt. In dieses Gebäude war das Institut für vornehme Madchen eingezogen, und in den Klosterzellen die Witwenheime eingerichtet.
Im August 1917 wurde das Institut geschlossen, im Gebäude etablierte sich der Rat der Arbeiter- und Soldaten-Deputierten Petrograds, der mit der Vorbereitung des Oktober-Umsturzes begonnen hatte. Von hier aus leitete V.I. Lenin die Ereignisse vom 25. Oktober, hier arbeitete er bis zum Umzug der sowjetischen Regierung nach Moskau im März 1918. Das Smolny entwickelte sich zum Mittelpunkt des öffentlichen und politischen Lebens Petrograds-Leningrads-Petersburgs. Vor 1992 befand sich darin das Stadtkomitee der Kommunistischen Partei, jetzt hat hier die Regierung von Sankt Petersburg ihren Sitz.
In den zwanziger Jahren des XX. Jahrhunderts hatte man vor dem Smolny gerade ebenmäßige Propyläen nach dem Entwurf des Architekten W. Schtschuko aufgestellt. Der Platz vor dem Kloster, mit einer schönen Grünanlage in der Mitte, war rekonstruiert und nach Rastrelli benannt worden. Das Gebäude des Smolny- Klosters wurde restauriert, aber die innere Ausstattung ist nicht erhalten geblieben. Jetzt werden dort Konzerte geistlicher Musik, historische Kunstwerkausstellungen veranstaltet.
Wir machen Sie auf eine weitere Sehenswürdigkeit aufmerksam. Unweit vom Rastrelli- Platz steht vor dem Smolny- Kloster ein Baudenkmal vom Beginn des XVIII. Jahrhunderts - der Kikin- Palast - ein schmucker zweistöckiger Bau mit einer hohen Doppeltreppe. 1718 war ihr Besitzer als Zarenverräter enthauptet, der Palast ging in Staatsbesitz über. Darin war die erste Kunstkammer Peters I. untergebracht. Der Bau war mehrmals umgestaltet. Nach der Restaurierung 1950 bekam er sein ursprüngliches Aussehen - Frühbarock der Regierungszeit Peters I. Heute befindet sich hier eine Kindermusikschule.

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