Die Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale in Moskau (Kreml)
Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale von Moskau, Russland |
Die Geschichte der Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale ist hinlänglich bekannt: Nach der Feuerbrunst von 1470 machten sich die Moskauer Baumeister Myschkin und Kriwzow 1472 an die Errichtung einer neuen Kathedrale, die nun zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Moskau zählt. Sie bauen die Wände und Gewölbe, doch plötzlich stürzte der Oberteil der Kathedrale ein. Als Experten herbeigerufene Baumeister aus Pskow fanden, dass es ihre Moskauer Kollegen nicht verstanden, Kalk aufzulösen, sie weigerten sich jedoch, selbst die Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale zu bauen. Und so sah sich Iwan III., ob er wollte oder nicht, genötigt, sich außerhalb von Russland nach Baumeistern umzusehen.
Ein zu diesem Zweck nach Venedig entsandter Beamter traf sich mit dem berühmten italienischen Architekten Aristoteles Fioravanti und überredete diesen, zur Arbeit nach Moskau zu kommen. Fioravanti, der den Zarenbefehl die Mariä- Himmelfahrts zu bauen, erhalten hatte, organisierte die Vorbereitungsarbeiten bis hin zu der Einrichtung einer Ziegelei in der Nähe des heutigen Andronikus-Klosters und machte sich anschließend auf eine Reise nach Russland zum Studium der russischen Architektur. Der erste Eindruck, den die Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale im Kreml beim Betrachter hinterlässt, verrät kaum, dass ihr Erbauer ein Italiener gewesen ist. Fioravanti verstand es bei der Errichtung der wichtigsten Kathedrale Moskaus, sich endgültig von den Erinnerungen an die konstruktiven Formen der italienischen Kichen zu lösen, und lieferte das, was der Zar und der Hof von ihm auch verlangt hatten: eine echt russische fünfkuppelige Kathedrale, die alle charakteristischen Formen jener Epoche beibehielt und zugleichabsolut neu war.
Nicht von ungefähr bewunderten die Zeitgenossen das „Majestätische„ der neuen Kathedrale. Das strebte offenkundig auch Fioravanti selbst an: Indem er die Kathedrale innerhalb einer Befestigungsanlage, des Kremls errichtete, verlieh er seinem Bauwerk den Charakter eines Festungsbolwerks, was sich sowohl in der Proportionen selbst, als auch in der Verkleidung der Fassade mit gemeißeltem Stein, in der Solidität des Sockels, in der Wucht der Kuppeln, aber auch in der Bescheidenheit der das Gebäude schmückenden Elemente äußerte. Er umgürtete die Kathedrale mit den für das russische Auge gewohnten Bögen wie in Wladimir und Susdal, brach in jedem siebenten Boden eine wie eine Schießscharte schmale Fensteröffnung durch; die runden Halbsäulen der Fassaden ersetzte er durch exakt geschnittene Linien der Pilaster; als Gegenpfeiler legte er die Ostseite fünf ebenerdigen Altarapsiden an.
Hier gibt es keinerlei Skulpturen: Nur an der Westseite hat der Architekt kühn als feierlichen Eingang die Vorhalle in Form einer italienischen Loggiafreitreppe angebaut. Sehr schön dekoriert sind der Süd- und der Nordeingang zur Kathedrale: Von der Hälfte des ersten des ersten Obergeschosses sind bis an den Boden Fresken gezogen worden, als handle es sich um bestickte Ziertücher. Es ist wahrscheinlicher, dass eine solche Idee bei einem russischen Baumeister mit dessen außerordentlichen Vorliebe für die Malerei aufkommen konnte. Wie dem auch sei, aber diese Freskentücher bringen eine neuen, fröhliche Note in die raue Hymne Fioravantis ein. In der Kathedrale sind einzigartige Fresken aus dem 15. und 16. Jahrhundert erhalten geblieben; Sie können hier ferner einmalige Ikonen sehen, die nicht nur speziell für diese Kathedrale gemalt, sondern auch als Gaben oder Beutestücke hierher gebracht worden sind.

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