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Moskau: Über den Kreml

Der Kreml in Moskau

Kreml Moskau, Russland

Im Mittelpunkt der Hauptstadt Russlands - auf dem Borowizki-Hügel - liegt ein majestätisches architektonisches Ensemble: der Moskauer Kreml. Die goldig strahlenden Kuppeln alter Kirchen und Kathedralen, die schmucken Silhouetten von Palästen aus weißem Stein, die mittelalterlichen Straßen und Plätze, umfriedet von den Mauern mit dem Zinnenkranz und spitzen bizarren Türmen, sind gleichsam eine Inkarnation des Russischen Reiches, seiner Große und Macht, seines Reichtums und Ruhms, seiner einmaligen herben Schönheit und seiner Geistigkeit. Hier ist das Herz Russlands, seiner jahrhundertealten Kultur und Geschichte, hier kommen die Traditionen, die Begabung und Eigenständigkeit des russischen Volkes besonders kraß zum Ausdruck. Als Bauwerk versinnbildlicht der Kreml verschiedene historische Epochen des Landes, veranschaulicht die nationalen Schatze Russlands.

Den Moskauer Kreml hat man seit alters ein Märchen in Stein genannt. Dieses Märchen ist im Laufe von Jahrhunderten entstanden.
Die Entstehung der Stadt begann mit einer kleinen Wachfestung, die zu Beginn des 12. Jahrhunderts am Rande des Fürstentums Wladimir-Susdal von Yuri Dolgoruki, dem Sohn und Thronfolger des Kiewer Großfürsten Wladimir Monomach, gegründet worden war. Der Ort, den er für die befestigte Siedlung gewählt hatte, entsprach ganz besonders den Verteidigungszwecken: ein hoher, mit dichtem Kiefernwald bewachsener Hügel (davon rührt sein Name Borowizki her, denn Bor bedeutet auf russisch Urwald) wurde von zwei Seiten von zwei Flüssen - Moskwa und Neglinnaja - umspült; die steilen Ufer und die versumpften. Niederungen dienten als zuverlässiger natürlicher Schutz für die Bewohner der Siedlung, die stets feindlichen Überfallen ausgesetzt waren.

Ein wichtiger Vorteil der Festungsstadt bestand in ihrer günstigen Lage an der Kreuzung wichtiger schiffbarer Flüsse und Landstraßen der Alten Ruß, was vorzügliche Bedingungen für die Entwicklung des Handels und Gewerbes sowie für das schnelle Wachstum der Stadt schuf. Bereits im 13. Jahrhundert entwickelt sich Moskau zur Hauptstadt eines kleinen Lehnfürstentums, seit Beginn des 14. Jahrhunderts aber auch zur eigentlichen Metropole des Landes Wladimir-Susdal, zu einem Kern, um den sich nach und nach zerstrittene russische Fürstentümer zu einem einheitlichen Staat sammeln; die Entstehung der großrussischen Nation beginnt.

Eine beeindruckende Demonstration der gewachsenen wirtschaftlichen Macht und des politischen Einflusses Moskaus war der Umbau seiner alten Festung, den der Großfürst Iwan Kalita in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts vornahm. Die Festung wird von neuen Eichenholzsperren - einer damals zuverlässig schützenden Umfriedung - umgeben; innerhalb der Umfriedung entstehen die ersten Kirchen aus Stein sowie ein neuer Palast für den Großfürsten. In den Neubau zieht das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche aus Wladimir um, was Moskau nicht nur zum politischen, sondern auch zum geistigen Zentrum der russischen Lande macht.

Kathedralenplatz im Kreml in Moskau, Russland

Der Eichenfestung des Fürsten Iwan Kalita war aber kein langes Leben beschieden. Nach 30 Jahren verbrannte sie völlig. Dann fasst der Fürst Dimitri Donskoi, ein Enkel von Iwan Kalita, den Beschluss, statt der Umfriedung aus Eichenholzstammen Mauern mit Türmen aus weißem Stein zu errichten. Diese steinerne Schönheit von einer Festung, die die Zeitgenossen stark beeindruckte, sorgte dafür, dass Moskau seitdem im Volksmund "Weißsteinstadt" genannt wird.
Ein neuer Umbau setzte im Kreml in der zweiten Hälfte des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts während der Herrschaft von Iwan III. ein, als der Zusammenschluss der erneuern und ihr ein Aussehen zu verleihen, das der Macht und Erhabenheit eines der stärksten Staaten Europas russischen Lande vollzogen und Russland zu einem machtvollen Staat wurde. Iwan III. war bestrebt, seine Residenz zu würdig wäre. Um seine großartigen Pläne zu realisieren, lädt Iwan III. nach Moskau die besten Baumeister aus verschiedenen russischen Städten sowie italienische Architekten ein, die damals in ganz Europa als anerkannte Kenner des Bauwesens galten. Durch die Bemühungen russischer und italienischer Ingenieure, Steinmetzen und Bauleute entstand Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts das einmalige architektonische Ensemble des Kreml, das wir auch heute noch bewundern.

Den Grund des einmaligen malerischen Panoramas des Kreml bilden seine Mauern und Türme, die im Laufe von zehn Jahren - von 1485 bis 1495 - an Stelle der Weißsteinbefestigungen von Dimitri Donskoi gebaut worden sind. Obwohl die Umrisse der früheren Festung wiederholt wurden, erweiterte sich das Gelände des Kreml auf 28 Hektar (das ist auch heute die Gesamtflache des Kreml). Die mächtigen Ziegelmauern sind insgesamt 2235 Meter lang und unterschiedlich und breit: von 3,5 bis 6,5 Meter; auch ihre Höhe ist unterschiedlich und schwankt zwischen 5 und 19 Meter (je nach der Geländegestaltung und Verteidigungsbedeutung des jeweiligen Abschnitte der Mauer). Besonders hoch sind die Mauern am heutigen Roten Platz, weil ausgerechnet dort der Kreml von keinerlei Gewässern geschützt und deshalb besonders verwundbar bei eventuellen Angriffen war.

Ikone der Mutter Gottes aus Wladimir in Moskau

Die Verteidigungsmacht der Festungsmauern wurde durch achtzehn massive Schießschartenturme verstärkt. Später, als der Kreml im 17. Jahrhundert seine Verteidigungsbedeutung einbüßte, erhielten die mittelalterlichen Türme eine schmucke Ergänzung in Form von Zeltüberbauten mit farbigem Ziegelsteinbelag und feinen architektonischen Teilen aus weißem Stein. Die zeltförmigen Überbauten veränderten den drohenden Ausdruck der Festung, verliehen ihr Bitzartheit und seltene Eigenart.
Gleichzeitig wurden im Moskauer Kreml emsig neue Kathedralen errichtet, die heute seinen Hauptplatz schmücken. Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts entstehen nacheinander die Uspenski-(Himmelfahrt) Kathedrale, die Blagowestschenski (Maria-verkündigungs) Kathedrale und die Archangelski-(Erzengel) Kathedrale, die Kirche zur Gewandlegung der Gottesmutter, der Glockenturm Großer Iwan und der umgebaute Palast von Iwan III., von dem Beute nur der Facettenpalast geblieben ist.

Als im 17. Jahrhundert den Thron die neue Dynastie Romanow bestieg, wurde für deren Begründer, den Zaren Michail Fjodorowitsch, der auch heute noch bestehende Wohnpalast -ein hervorragendes Denkmal der altrussischen Baukunst - errichtet. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wird der Spielpalast umgebaut, der für die Belustigungen der Zarenfamilie diente: dort wurden die ersten Theateraufführungen in Russland - die "Spiele" - inszeniert. Unweit vom Zarenpalast, dort, wo sich einst der "Hof des Metropoliten" befand, entstand eine neue Residenz der russischen Patriarchen - der Palast des Patriarchen.

Zu Beginn des 18. Jahrhundert wird die Hauptstadt des Russischen Reichs von Peter I. auf die Ufer der Newa verlegt, wo Sankt Petersburg entstanden ist. Mit dem Auszug des Zarenhofes aus Moskau büßt der Kreml die Bedeutung der ständigen Residenz der Herrscher ein. Das Geschehen im Kreml kommt beinahe zum Stillstand. Doch hören dort die Bauarbeiten nicht auf. Im Jahre 1702 wird im Kreml der Grundstein für das Arsenal gelegt, wo Peter 1. nicht nur Waffen lagern, sondern auch ein Museum des Kampfesruhmes einrichten wollte. Gegenüber dem Arsenal entsteht im Jahre 1787 unter Aufsicht des Architekten M. Kasakow das Gebäude des Senats, das zu den herrlichsten Bauwerken der russischen Architektur aus der Periode des Klassizismus gehört. Diese majestätische Anlage fügt sich organisch in den Ensemble des Kreml ein und füllt dessen nordöstlichen Teil aus.

Kreml-Palast

Anfang des 19. Jahrhunderts litt der Kreml sehr stark beim Abzug der napoleonischen Truppen aus Moskau: Mehrere Türme wurden gesprengt, viele Bauten demoliert und ausgeraubt. Napoleon ließ von der Kuppel des Senats die Statue des Heiligen Siegreichen Georg das alte Wappen Moskaus, abmontieren und nach Frankreich bringen; vom Glockenturm Großer Iwan nahmen die Franzosen das sieben Meter hohe vergoldete Kreuz ab. Jahrelang musste daraufhin der Kreml in Moskau wiederaufgebaut werden. Mit dem Abschluss des Wiederaufbaus begann in den 40er und 50er Jahren des 19. Jahrhunderts nach einem Entwurf von E. Thon die Errichtung einer neuen Zarenresidenz des Großen Kremlpalastes und der Rüstkammer. Nach Maßstab und Architektur ähnlich bildeten diese Bauten ein geschlossenes Ensemble und nahmen den südwestlichen Teil des Kremlgeländes ein.

Jede Epoche hinterließ ihre Spuren im architektonischen Antlitz des Kremls in Moskau. Sinnbild des 20. Jahrhunderts ist der im Jahre 1961 erbaute Kongresspalast - ein Mehrzweckgebäude, das für Kongresse, Parteitage, Theateraufführungen und Konzerte bestimmt war. Die moderne Architektur des Palastes fügt sich taktvoll in das Ensemble alter Kreml-Bauten ein. Der Autor des Projekts des Palastes war Architekt M. Possochin.
Der Moskauer Kreml ist nicht nur als Denkmal der russischen Nationalgeschichte, Baukunst und Kultur bekannt. Heute - wie zu allen Zeiten - ist er der Mittelpunkt des Staates und des politischen Lebens des Landes, ein Spiegelbild der Epochen, in dem sich der historische Weg Russlands vielseitig dokumentiert.

Öffnungszeiten des Kremls

Täglich: 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr (Kassen bis 16.30 Uhr), außer Donnerstag.
Einlaß in die Rüstkamme: 10.00, 12.00, 14.30, 16.30 Uhr, täglich, außer Donnerstag.
Ticketpreise: Ohne Ermäßigung 70 Rubel, für ausländische Bürger - 200 Rubel und 100 Rubel (Schüler und Studenten).

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