Kreml in Moskau:
Die Rüstkammer
Rüstkammer im Kreml Moskau, Russland |
Neben dem Großen Kremlpalast - unweit vom Borowizki-Tor - befindet sich das Gebäude der Rüstkammer im Kerml, eines der ältesten und größten Museen für dekorativ-angewandte Kunst in Russland. Die heute weltberühmte Rüstkammer wird erstmalig in einer Chronik aus dem Jahre 1547 erwähnt. Entstanden als Arsenal der Moskauer Großfürsten, entwickelte sich die Rüstkammer Mitte des 16. Jahrhunderts zur größten staatlichen Waffenschmiede. Neben der Rüstkammer gab es im Kreml im 16. und 17. Jahrhundert auch andere Kunstgewerbewerkstätten, in denen Gold- und Silbergeschirr, Juweliererzeugnisse, Parade-Pferde schmuck hergestellt, Festkleider genäht und Karossen gebaut wurden.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als Sankt Petersburg statt Moskau zur Hauptstadt geworden war, verringert sich die Tätigkeit der Werkstätten im Kreml, büßt die Rüstkammer ihre produktionsbezogene Bestimmung ein und wird zu einem Ort, wo alle Schätze aufbewahrt werden, die sich früher in verschiedenen Werkstätten des Kreml befunden haben. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Rüstkammer zum ersten Museum in Moskau, für das nach einem Entwurf des Architekten K. Thon im Jahre 1851 ein gigantisches zweigeschossiges Gebäude errichtet wird. In den neun Sälen der Rüstkammer sind etwa drei tausend Werke russischer und westeuropäischer Kunst ausgestellt, die eine Vorstellung vom Charakter dieser großen Versammlung historischer und künstlerischer Werte vermitteln.
Besonders umfangreich ist im Museum die Sammlung von Waffen russischer, orientalischer und westeuropäischer Provinzen. Den Grundstock dieser Sammlung stellen Waffen aus dem 16. und 17. Jahrhundert, von denen viele in der Rüstkammer hergestellt sind. Russische Waffenschmiede fertigten wahre Kunstwerke an und schmückten die Waffen und das Rüstzeug mit Edelsteinen, mit goldener und silberner Damastzierung sowie mit eingelegten Perlen. Neben den Waffen werden zahlreiche Gold- und Silbererzeugnisse gezeigt, die von russischen Meistern in der Zeit vom 12. bis zum 19. Jahrhundert angefertigt sind: Kirchengerät, wertvolles Geschirr, Schmuckgegenstände, die durch ihre Vielfalt, sorgfältige Verarbeitung und reichhaltige Ausschmückung in Verwunderung versetzen.
Die Sammlung westeuropäischer Kunstgegenstände aus Silber ist in der Rüstkammer einmalig. Ihren Hauptteil bilden die Geschenke, die nach Moskau von Botschaftern Englands, Deutschlands, Hollands, Schwedens, Polens und Frankreichs gebracht worden sind. Die ausgestellten wertvollen Geschenke wie etwa massive Schüsseln, Pokale und Tisch-Schmuck zeugen von umfassenden diplomatischen Verbindungen des Russischen Reichs. Einmalig ist auch die Sammlung russischer, orientalischer und europäischer Stoffe aus dem 14. bis 18. Jahrhundert. Zum Unterschied von den meisten Museen der Welt, wo alte Stoffe vorwiegend in Form von Fragmenten vertreten sind, kann man in der Rüstkammer Kleider aus diesen Stoffen sehen: festliche Trachten russischer Zaren und hoher kirchlicher Würdenträger. Den Prunk hochwertiger Stoffe betonen Gold- und Perlmutter stickereien russischer Frauen, die diese Meisterwerke geschaffen haben.
Von großem Interesse sind alte staatliche Regalien: festliche Kronen russischer Zaren, Reichsapfel, Szepter und Throne. Sie sind sowohl einmalige Kunstwerke als auch Denkmäler der Geschichte des Russischen Reiches, Zeugnisse wichtiger politischer Veränderungen im Leben Russlands. Der Pferdeschmuck illustriert beispielsweise eine der wichtigsten Zeremonien des Zarenhofes - den feierlichen Aufzug. Um die Untertanen bei einem solchen Aufzug zu beeindrucken, hat man in den Kreml-Werkstätten besondere Sattel, Steigbügel und Pferdedecken angefertigt, die mit Gold, Perlen und Edelsteinen geschmückt worden sind.
Abschließend sieht man beim Rundgang in der Rüstkammer eine Sammlung von Karossen aus der Zeit vom 16. bis 18. Jahrhundert, gebaut von russischen und europäischen Meistern. Im Jahre 1967 ist in den Kellerräumen de Rüstkammer die ständige Ausstellung "Diamantenfonds" eröffnet worden. In zwei Sälen sind die Staatlichen Schätze Russland ausgestellt: einmalige Diamanten aus den Vorkommen Jakutiens, seltene Halbedelsteine, Gold und Platinklumpen, Erzeugnisse moderner Juwelierkunst. Im historischen Saal des "Diamantenfonds" kann man unter anderem die Symbole der Zarenmacht Ordenszeichen und Schmuckgegenstände aus dem I8 und 19. Jahrhundert sowie aufsehenerregende historische Edelsteine sehen, zu denen die weltberühmte Diamanten "Orlow" und "Schah" gehören.

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