Kreml in Moskau:
Mariä-Verkündigungs-Kathedrale (Blagowestschenski-Kathedrale)
Mariä-Verkündigungs-Kathedrale (Blagowestschenski-Kathedrale) in Moskau, Russland |
Gleich nach der Errichtung der Uspenski-Kathedrale begann im Jahre 1484 der Bau der Blagowestschenski-(Maria-Verkündigungs-) Kathedrale, die zu den einzigartigen Sehenswürdigkeiten in Moskau zählt, dessen Erbauer aus Pskow stammten und das Gebäude auf dem alten Fundament einer steinernen Kirche vom Anfang des 15. Jahrhunderts entstehen ließen. Zum Unterschied von der Himmelfahrtskathedrale, dem wichtigsten Gotteshaus des Russischen Reichs, gehörte die Maria-Verkündigungskathedrale zum Palastkomplex der Moskauer Fürsten und war die Hauskirche der Herrscher Russlands. Dort fanden Gottesdienste für die Familien von Großfürsten und Zaren statt, wurden Eheschließungen, Taufen usw. vorgenommen. Im tiefen Kellergeschoss der Kirche wurden die Schätze der Fürsten aufbewahrt, die von einem Herrscher zum anderen vererbt werden sollten. Durch überdachte Gänge war die Kathedrale mit den Wohn- und Paraderäumen des Palastes verbunden.
Ursprünglich war die dreikuppelige Kathedrale etwas kleiner und von einer offenen Galerie, dem "Spaziersteig", umgeben. Im 16. Jahrhundert unter Iwan dem Schrecklichen- veränderte sich das architektonische Antlitz der Kirche erheblich: die offene Galerie bekam eine Überdachung, dessen Gewölbe an den Ecken vier kleine einkuppelige Kirchen, "Nebenaltare" trug. Die Kleinkirchen ließ Iwan der Schreckliche zu Ehren der Siege seines Heeres über den Litauischen Fürsten erbauen (militärische Siege wurden in Russland traditionsgemäß durch den Bau von Kirchen gewürdigt). Zu jener Zeit entstanden über dem Zentralteil der Kathedrale zwei weitere Kuppeln, die den Bau neunkuppelig gemacht haben, wie es heute der Fall ist. Die ausgiebige Vergoldung der Kuppeln und des Dachs sorgten dafür, dass die Kirche im Volksmund "hochgoldig" genannt wurde.
Im 16. Jahrhundert entstand an der Südseite der Kathedrale eine hohe überdachte Freitreppe, die sich an einen der vier Nebenaltare anschloss. Iwan der Schreckliche ließ dort seinen persönlichen Gebetsraum einrichten, weil er nach seiner vierten Heirat -laut den Kanons der russischen Orthodoxie- dem Gottesdienst innerhalb der Kathedrale nicht mehr beiwohnen durfte.
Der Innenraum der Kathedrale ist nicht sehr groß. In seinem westlichen Teil ist eine kleine Galerie eingerichtet, zu der eine in der Mauer versteckte Treppe führt. Auf dieser kleinen Plattform befand sich während des Gottesdienstes die Großfürstin mit ihren Kindern. Die Wände der Kathedrale wurden im Jahre 1508 vom Künstler Theodosius bemalt. Jahrhundertlang blieben aber die alten Fresken unter zahlreichen neuaufgetragenen Farbschichten verborgen. Lange Zeit galten sie sogar als unwiderruflich verloren, doch gelang es, im Zuge der Restaurationsarbeiten die spätere Bemalung zu entfernen und die Sujetkompositionen des 16. Jahrhunderts zum Vorschein zu bringen. Neben traditionellen Abbildungen von Sujets aus der Bibel und von verschiedenen Heiligen enthält die Bemalung auch die "Portrats" russischer Großfürsten und byzantinischer Kaiser. Auf diese Weise illustrierte die Kathedralenbemalung die Idee der Machtübernahme von den byzantinischen Kaisern an die Moskauer Herrscher.
Die farbenprächtige Innenausstattung der Kirche wird durch den einzigartigen Fußboden ergänzt, der aus rot-braunen Platten des Halbedelsteins Jaspis besteht. Einer Überlieferung zufolge ist dieser Fußboden auf Geheiß von Iwan dem Schrecklichen aus der Kathedrale von Rostow geholt worden.
Der Hauptschatz der Verkündigungskathedrale ist deren Ikonenwand, die zu den ältesten in Russland zählt und laut einer Chronik schon in der früheren Verkündigungskathedrale des 15. Jahrhunderts gedient hat. Die zwei Ränge der Ikonenwand beinhalten die Heiligenbilder, die aus der Pinsel von Andrej Rubljow, dem größten Maler der Alten Russ, und von Theophanes dem Griechen, der jahrzehntelang in Russland gearbeitet hat, stammen.

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