Kreml in Moskau:
Der Große Kremlpalast
Südfassade des großen Kreml-Palastes in Moskau, Russland |
Der Große Kremlpalast, erbaut in den Jahren 1838 bis 1849 nach dem Entwurf des Architekten Konstantin Thon, liegt auf der höchsten Stelle des Borowizki-Hügels, wo traditionsgemäß großfürsterliche und Zarengemächer gebaut wurden. Laut alten Chroniken befanden sich dort schon im 14. Jahrhundert die hölzernen Gemächer von Iwan Kalita und später die "Ufergemächer" (d.h., längs des Ufers des Moskwa-Flusses) des Fürsten Dimitri Donskoij. Ende des 15. Jahrhunderts - während eines umfassenden Umbaus des Kreml - stand dort der Palast von Iwan III., von dem heute lediglich der Facettenpalast erhaltengeblieben ist.
Im Laufe von Jahrhunderten wurde der Palastkomplex wiederholt umgebaut. Die alten Bauten nahm man auseinander, während die Neubauten sich in das Palastensemble einfügten. An Stelle der alten Paläste von Wassily III. und Iwan dem Schrecklichen entstand im 17. Jahrhundert der Wohnpalast für den Zaren Michail Romanow. Im 18. Jahrhundert errichtete der Architekt B. Rastrelli an Stelle mehrerer abgerissener Palastbauten den Winterpalast für die Kaiserin Jelisaweta Petrowna. Dieser Palast verfiel jedoch mit den Jahren, erlebte wiederholt einen Umbau und entsprach im 19. Jahrhundert nicht mehr seiner Bestimmung, um so weniger aber den Geschmäcken und Neigungen der neuen Epoche. An seiner Stelle begann im Jahre 1838 - auf Geheiß von Nikolai I. - der Bau des Großen Kremlpalastes, der die Parade-Residenz der russischen Zaren in Moskau sein sollte.
Der Große Kremlpalast ist ein kompliziertes architektonisches Gebilde, das zu einem Ganzen sowohl die Neubauten als auch die alten Palastanlagen aus der Periode zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert vereinigt hat. Zu den Altbauten gehören unter anderem der Facettenpalast, die Goldenen Gemächer der Zarin, der Wohnpalast und die Palastkirchen. Der neue Teil des Palastes mit seiner dem Moskwa-Fluss zugewandten Fassade ist in den Traditionen der altrussischen Baukunst gestaltet und mit herrlichen Weißsteinschnitzereien ausgiebig geschmückt.
In der Innenausstattung des Palastes sind natürlicher und künstlicher Marmor, Schnitzereien und Intarsien aus wertvollen Holzsorten, Perlmutter, Bernstein und Schildkrötenpanzer verwendet worden. Durch Schönheit und Prunk verblüffen den Besucher der Parkettboden aus verschiedenen Holzarten, Möbel verschiedener Epochen, Kristallglasleuchter, Erzeugnisse aus russischem Porzellan sowie verschiedene Uhren. Besonders beeindruckend sind Parade-Säle, die den höchsten russischen Orden gewidmet sind: der Georg-Saal, der Wladimir-Saal und der Katharinen-Saal. Der Georg-Saal erhielt seinen Namen zu Ehren des militärischen Ordens des Heiligen Georg, der im Jahre 1769 gestiftet wurde. Der Saal sieht auch wie ein Tempel des Kriegsruhmes aus: an seinen beiden Seiten stehen 18 gewundene Säulen, die von allegorischen Statuen des Sieges gekrönt sind; an den marmornen Tafeln sind die Bezeichnungen der Regimenter und Flottenequipagerot eingemeißelt, die mit dem Orden des Siegreichen Heiligen Georg ausgezeichnet wurden; nebenan stehen die Namen von elf tausend Kavalieren dieses Ordens.

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