Kreml in Moskau:
Die Archangelski-Kathedrale (Erzengelkatherale)
Erzengel-Kathedrale in Moskauer Kreml, Russland |
Gegenüber der Blagowestschenski-(Mariä-Verkündigungs) Kathedrale erheben sich die fünf Kuppeln der Archangelski-(Erzengel) Kathedrale der Totengruft der Moskauer Großfürsten und der russischen Zaren. Das für altrussische Kirchen ungewöhnliches Aussehen ist dem Überfluss an Schmuckelementen aus weißem Stein an der Stirnseite des Gebäudes zu verdanken. Stramme Pilaster mit antiken Kapitellen, riesige geschnitzte Schalen, von denen die Wände gekrönt werden, Loggien-Portale an den Eingängen in die Kathedrale - all das ist bezeichnend für die venezianische Kunst der Renaissance.
Diese schmucke, an Komponenten der weltlichen Palastarchitektur reiche Kathedrale hat auf Bestellung von Iwan III. der Architekt Alevisio Nuovo im Jahre 1508 erbaut. Der aus Venedig stammende Baumeister errichtete die Kathedrale an der Stelle, wo noch im 12. Jahrhundert eine hölzerne Kirche in Moskau zu Ehren des Erzengels Michail, des Anführers des Himmelheeres und des Beschützers russischer Fürsten auf Schlachtfeldern gestanden hatte. Im Jahre 1333 wurde an Stelle, wo die hölzerne Kirche stand, eine aus weißem Stein (auf Geheiß des Großfürsten Iwan Kalita) errichtet, in dem er später beigesetzt werden wollte. Dem Willen des Fürsten wurde entsprochen. Seitdem ist die Kathedrale zur Totengruft der Moskauer Herrscher geworden und hat die Bedeutung des staatlichen Nekropolis erlangt.
Seit alten Zeiten fand dort die Ehrung der Vorfahren statt: vor großen Heereszügen und nach erfolgreichen Schlachten kamen die Moskauer Fürsten in ihr Familien-Nekropolis, um sich vor den Überresten der verstorbenen Vorfahren zu verneigen, ihren Segen zu erbitten, die Tapferkeit russischer Krieger zu rühmen. Dieser Brauch ist seit den Zeiten von Dimitri Donskoi bekannt, der in die Erzengelkathedrale in Moskau kam, um die Gräber seines Vaters und seines Großvaters vor dem Auszug der russischen Regimenter aus Moskau gegen die riesige Armee von Mamai, dem Khan der Goldenen Horde, zu besuchen, deren Übermacht damals in der berühmten Schlacht auf dem Feld von Kulikowo gebrochen werden konnte.
In ihrer langen Geschichte wurden die Wände der Nekropolis-Kathedrale wiederholt neubemalt. Die erhaltengebliebene Wandbemalung stammt aus dem Mittelpunkt des 17. Jahrhunderts und ist von großem geschichtlichem Interesse, weil sie die Moskauer Großfürsten sowie die ersten russischen Zaren zeigt, die in der Kathedrale beigesetzt sind.
Dreieinhalb Jahrhunderte lang - bis zum Ende des 17. Jahrhunderts - diente die Kathedrale als Totengruft. Dort befinden sich 46 Grabmale, wo die Staatsmänner der Alten Russ (von Iwan Kalita, dem "Sammler russischer Lande", der die Grundlage der Macht Moskaus gelegt hat, bis zur Dynastie Romanow, unter der Russland zu einem Großreich geworden ist) beigesetzt sind. Die Grabmale befinden sich längs der Wände und an den Säulen der Kathedrale.
Im Altarteil hinter der Ikonenwand befindet sich das Grabmal von Iwan dem Schrecklichen. Als er im Jahre 1547 den Titel eines Zaren annahm, ließ er sein eigenes Grabmal am ehrenvollsten Platz der Kathedrale einrichten. Allerdings wurde dort zuerst - im Jahre 1581 - der ältere Sohn des Zaren (Iwan Iwanowitsch), den der Herrscher in Zorn erschlagen hatte, begraben; drei Jahre später folgte ihm auch der Vater; im Jahre 1598 fand dort auch der andere Sohn des Schrecklichen, der Zar Fjodor Joannowitsch, mit dessen Tod die Dynastie Rurik ihren 700 jährigen historischen Weg abschloss, seine letzte Ruhestätte.
Einst lag neben den drei prominenten Toten auch der Zar Boris Godunow, ein schlauer und machtgieriger Herrscher des Moskovitischen Reichs, der eine neue Dynastie begründen wollte. Als jedoch Zar Boris im Jahre 1605 gestorben war, wurde sein junger Sohn Fjodor ermordet, was den Aufstieg der neuen Dynastie jäh unterbrach. An die Macht kam der falsche Demetrius, der den Sarg von Boris Godunow ausgraben, durch eine extra zu diesem Zweck in der Wand gemachte Bresche hinaustragen und im Troitz-Sergiew-Kloster begraben ließ. Im Jahre 1613 besteigt die Dynastie Romanow den russischen Thron für drei hundert Jahre. In der Erzengelkathedrale sind die ersten Zaren dieser Dynastie - von Michail Fjodorowitsch bis zum Peter II - beigesetzt worden. Zar Peter I. und alle darauffolgenden russischen Monarchen ruhen in der Peter-Pauls-Kathedrale von Sankt Petersburg.

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