Über den Kreml
Im Mittelpunkt der Hauptstadt Russlands - auf dem Borowizki-Hügel - liegt ein majestätisches architektonisches Ensemble: der Moskauer Kreml. Die goldig strahlenden Kuppeln alter Kirchen und Kathedralen, die schmucken Silhouetten von Palästen aus weißem Stein, die mittelalterlichen Straßen und Plätze, umfriedet von den Mauern mit dem Zinnenkranz und spitzen bizarren Türmen, sind gleichsam eine Inkarnation des Russischen Reiches, seiner Große und Macht, seines Reichtums und Ruhms, seiner einmaligen herben Schönheit und seiner Geistigkeit. Hier ist das Herz Russlands, seiner jahrhundertealten Kultur und Geschichte, hier kommen die Traditionen, die Begabung und Eigenständigkeit des russischen Volkes besonders kraß zum Ausdruck. Als Bauwerk versinnbildlicht der Kreml verschiedene historische Epochen des Landes, veranschaulicht die nationalen Schatze Russlands.
Uspenski-Kathedrale
Auf dem Kathedralenplatz in Moskau ist die Uspenski-Kathedrale (Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale) am ältesten. Vom italienischen Architekten Aristoteles Fioravanti im Jahre 1479 erbaut, musste die Uspenski-(Himmelfahrt) Kathedrale, wie Iwan III. beabsichtigte, zur Hauptkirche des Russischen Reiches werden, weshalb ihrer Errichtung erstrangige Bedeutung beigemessen wurde. Der Großfürst Iwan III. ließ das Bauwerk so wie die alte Uspenski-Kathedrale in der Stadt Wladimir, der Hauptstadt des einst machtvollen Fürstentums Wladimir-Susdal, in dessen Grenzen im 12. Jahrhundert Moskau entstanden war, gestalten. Mit dieser Ähnlichkeit wollte Iwan III. betonen, dass Moskau sowohl politische als auch kulturelle Traditionen der Alten Russ sowie die oberste Macht legitim erbt, die einst den Großfürsten von Wladimir und Kiew zustand.
Blagowestschenski
Gleich nach der Errichtung der Uspenski-Kathedrale begann im Jahre 1484 der Bau der Blagowestschenski-(Maria-Verkündigungs-) Kathedrale, dessen Erbauer aus Pskow stammten und das Gebäude auf dem alten Fundament einer steinernen Kirche vom Anfang des 15. Jahrhunderts entstehen ließen. Zum Unterschied von der Himmelfahrtskathedrale, dem wichtigsten Gotteshaus des Russischen Reichs, gehörte die Maria-Verkündigungskathedrale zum Palastkomplex der Moskauer Fürsten und war die Hauskirche der Herrscher Russlands. Dort fanden Gottesdienste für die Familien von Großfürsten und Zaren statt, wurden Eheschließungen, Taufen usw. vorgenommen. Im tiefen Kellergeschoss der Kirche wurden die Schätze der Fürsten aufbewahrt, die von einem Herrscher zum anderen vererbt werden sollten. Durch überdachte Gänge war die Kathedrale mit den Wohn- und Paraderäumen des Palastes verbunden.
Erzengel-Kathedrale
Gegenüber der Blagowestschenski-(Mariä-Verkündigungs) Kathedrale erheben sich die fünf Kuppeln der Archangelski-(Erzengel) Kathedrale der Totengruft der Moskauer Großfürsten und der russischen Zaren. Das für altrussische Kirchen ungewöhnliches Aussehen ist dem Überfluss an Schmuckelementen ausweißem Stein an der Stirnseite des Gebäudes zu verdanken. Stramme Pilaster mit antiken Kapitellen, riesige geschnitzte Schalen, von denen die Wände gekrönt werden, Loggien-Portale an den Eingängen in die Kathedrale - all das ist bezeichnend für die venezianische Kunst der Renaissance.
Glockentur
Das Ensemble der Kultbauten am Kathedralenplatz im Moskauer Kreml wird durch den Glockenturm Iwan der Große ergänzt, auch Großer Iwan genannt. Seine zwei unteren, besonders machtvollen Geschosse wurden im Jahre 1508 vom italienischen Architekten Bono Friasine errichtet. Im unteren Geschoss des 60-Meter-Bauwerks befand sich die Kirche des Heiligen Iwan Lestwitschnik. Im Jahre 1600 - unter Boris Godunow - erhielt der Glockenturm zwei weitere - leichtere Geschosse und wuchs auf 81 Meter. Seitdem hieß der Weißsteinsäule mit der goldenen Kuppel Glockenturm iwan der Große.
Facettenpalast
An der Westseite des Kathedralenplatzes - neben der Verkündigungskathedrale - steht der Facettenpalast im Kreml von Moskau, der zu den ältesten Bauten des Kremls gehört. Das Gebäude wurde im Jahre 1491 unter Anleitung des italienischen Architekten Pietro Antonio Solari von russischen Meistern errichtet. Der Facettenpalast tragt seinen Namen nach seiner mit facettierten weißen Steinen verkleideten Fassade.
Patriarchen-Palast
Seine heutige Gestalt nahm der Kathedralenplatz im Moskauer Kreml im 17. Jahrhundert an, als in seinem nördlichen Teil hinter der Himmelfahrtskathedrale der Patriarchen-Palast entstanden war. Das gewaltige dreigeschossige Gebäude - die Residenz des Oberhauptes der Russisch-orthodoxen Kirche - umfasst einen Saal für Parade-Empfänge, die Kreuz-Halle, sowie die Hauskirche der Patriarchen, die Kirche der Zwölf-Aposteln und die Wohnräume.
Kreml-Palast
Der Große Kremlpalast, erbaut in den Jahren 1838 bis 1849 nach dem Entwurf des Architekten Konstantin Thon, liegt auf der höchsten Stelle des Borowizki-Hügels, wo traditionsgemäß großfürsterliche und Zarengemächer gebaut wurden. Laut alten Chroniken befanden sich dort schon im 14. Jahrhundert die hölzernen Gemächer von Iwan Kalita und später die "Ufergemächer" (d.h., längs des Ufers des Moskwa-Flusses) des Fürsten Dimitri Donskoij. Ende des 15. Jahrhunderts - während eines umfassenden Umbaus des Kreml - stand dort der Palast von Iwan III., von dem heute lediglich der Facettenpalast erhaltengeblieben ist.
Rüstkammer
Neben dem Großen Kremlpalast - unweit vom Borowizki-Tor - befindet sich das Gebäude der Rüstkammer im Kerml, eines der ältesten und größten Museen für dekorativ-angewandte Kunst in Russland. Die heute weltberühmte Rüstkammer wird erstmalig in einer Chronik aus dem Jahre 1547 erwähnt. Entstanden als Arsenal der Moskauer Großfürsten, entwickelte sich die Rüstkammer Mitte des 16. Jahrhunderts zur größten staatlichen Waffenschmiede. Neben der Rüstkammer gab es im Kreml im 16. und 17. Jahrhundert auch andere Kunstgewerbewerkstätten, in denen Gold- und Silbergeschirr, Juweliererzeugnisse, Parade-Pferde schmuck hergestellt, Festkleider genäht und Karossen gebaut wurden.
Der Rote Platz
An der östlichen Kremlmauer liegt der Rote Platz, der zu den ältesten in Moskau zählt, bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Der Hauptplatz Moskaus und des ganzen Landes ist unzertrennlich mit der jahrhundertealten Geschichte verbunden, ist Zeuge wichtiger Geschehnisse im Leben des russischen Staates gewesen. Seinen jetzigen Standort hat der Platz Ende des 15. Jahrhunderts gefunden. Damals war er der wichtigste Marktplatz und zugleich der Mittelpunkt des öffentlichen Lebens in Moskau, wo feierliche Zeremonien unter Beteiligung von Zaren und Patriarchen, öffentliche Gerichtsverhandlungen stattfanden und Zarenanlässe bekannt gegeben wurden. Ursprünglich hieß der Platz Markt (auf russisch = "Torg") - Im 16. Jahrhundert erhielt er den Namen Troitz-Platz (Troiza = russisch "Dreieinigkeit") wegen der Dreieinigkeitskirche, die damals dort stand; erst im 17. Jahrhundert erwarb sich der Platz die Bezeichnung "Roter Platz", denn "rot" war damals im russischen Sprachgebrauch mit dem Wort "schön" identisch.

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