Altai - Sagen und Legenden um Kolywan
Das Dorf Kolywan liegt im Kurinsker-Landkreis der Region Altai. So wie alles im Kleinen beginnt, war Kolywan zunächst nur eine kleine, unbedeutende Siedlung. Heute ist dieses Dorf ein historischer Ort und Ausgangspunkt für den Erzabbau und die Steinschleifkunst im Altai. Vier Kilometer vom Dorf entfernt wurde am Fluss Loktjowka eine Tafel in Gedenken an den ersten Kupferschmelzofen aufgestellt, der dort von Arbeitern des Bergwerkunternehmers Demidow errichtet wurde. Im Jahre 1727 entstand hier der «Kolywanski Sawod", die erste Kupfer- und Silberschmelzhütte der Region Altai. 1802 wurde der Betrieb eingestellt und stattdessen die Kolywaner Steinschleiferei gegründet, die qualitativ hochwertige Edelsteine wie Jaspis, Porphyr und Quarzhit aus den umliegenden, höchst ergiebigen Lagerstätten verarbeitet, die am Kolywaner Bergrücken und am Fluss Tscharysch entdeckt worden waren. Die heutige Kolywaner Steinschleiferei wird Kolywaner Steinschneidewerk I. I. Polsunow» genannt. Die Geschichte dieses jahrhundertealten Kunsthandwerkbetriebs wird detailgetreu im Kolywaner Museum der historischen Steinschleiferei dargestellt, das sich gleich neben dem Werksgebäude befindet.
Im Kolywaner Museum wird den Besuchern der gesamte Prozess der Steinschleiferei eindrucksvoll vor Augen geführt, wie sich beispielsweise ein ungeschliffener Brocken Porphyr oder Jaspis in einen edlen Schmuckgegenstand verwandelt. Außerdem gibt es dort eine umfangreiche Kollektion sämtlicher Edelsteine aus den Lagerstätten des Altaigebietes; Nachgebaute Modelle von historischen Gerätschaften sind ebenso absolute Hingucker.
Steinere Äpfel leuchten von innen heraus, Vasen erscheinen wie flammende Gebilde... Die effektvolle Beleuchtung im Museum verstärkt die Begeisterung der Museumsbesucher, genauso wie die fesselnden Geschichten der Museumsführer. Kaum vermag man zu unterscheiden, ob nun eine menschliche Stimme zu hören ist oder ob die Steine selbst ihre geheimnisvollen Legenden zu flüstern beginnen.
Nicht weniger interessant ist ein Besuch in der heutigen Kolywaner Steinschleiffabrik. Das Betriebsgebäude wurde 1835 speziell für die Erzeugung von kolossalen steinernen Kunstgegenständen gebaut und ist ein architektonisches Meisterwerk.
Hier wurden die königlichen Auftragsarbeiten von den Altaier Steinschleifmeistern ausgeführt, hier wurde die «Zarin der Schalen» geschaffen sowie unzählige andere Kostbarkeiten. Die Kolywaner Steinschleiferei ist die älteste Fabrik der Region Altai und heute mit neuester Technik ausgestattet. Ein Symbol der ruhmvollen Werksgeschichte steht noch bis heute in einer speziellen Halle : das fünf Meter hohe Wasserrad, das vom berühmten russische Erfinder I.I. Polsunow entwickelt wurde. Dama diente dieses gewaltige Rad als Energiequell für die Arbeit in der Fabrik, heute ist es die Hauptattraktion bei einer Führung durch das Werksgelände, nicht zuletzt aufgrund ihrer historischen Bedeutung: Das berühmt Kolywaner Wasserrad war weltweit eines der ersten Wasserräder, das mechanische Energie zur Steinverarbeitung lieferte.
Kolywan-Museum, Altai Region |
Das Kolywaner Gebirge war Ziel vieler berühmter Forschungsreisender des 18. und 19 Jahrhunderts wie Peter Simon Pallas, Alexandt von Humboldt, Johann Georg Gmelin, Carl Friedrich von Ledebour und Alfred Brehn die alle voll Begeisterung von dieser Gegen schwärmten. Die Schönheit dieser einzigartigen Landschaft ging auch während der letzte zwei Jahrhunderte nicht verloren und lockt heute zahlreiche Touristen in das Gebiet ur Kolywan: Der kristallklare Beloje-See mit seinen zauberhaften Inseln und der „Zauberberg ein uralter, heiliger Ort, auf dessen Spitz sich heute eine Sternwarte befindet, sind bi Naturliebhabern genauso beliebt wie der Berg „Sinjucha" an dessen Hang der wunderschön Mochowoje-See liegt und auf dessen Spitz eine Heilwasserquelle entspringt. Nur eines hat sich verändert: War es früher sehr mühsam und aufwendig, diese Orte zu besuchen, so könne Touristen heute problemlos die Region Alt: auf Exkursionen und Entdeckungstouren erkünden.
Am Beloje-See und am Berg „Sinjuchc befinden sich touristische Freizeit – und Erholungszentren mit Zugang zum Seeufer, von denen aus man zu Fuß oder zu Pferde überdachte Lagerfeuerplätze erreichen kann, sodass man auch bei Regenwetter dieses wildromanische Erlebnis genießen kann. Außerdem werden Führungen zu den Kolywaner Bergwerken angeboten, die beinahe völlig in Vergessenheit geraten waren. Sehr beliebt sind auch Rafting-Touren auf dem Fluss „Belaja", die auch für Anfänger geeignet sind. Nicht nur geschichtlich interessant, sondern auch ein Naturerlebnis der besonderen Art ist der Aufstieg auf den Berg „Rewnjucha" (1111 m), von dessen Spitze sich ein atemberaubendes Panorama auf das Vorgebirge eröffnet und an dessen Osthang sich die Rewneskaja Lagerstätte befindet, aus der der gewaltige Monolith befördert wurde, aus dem „Zarin der Schalen" geschaffen wurde.
Ganz ohne Übertreibung - dieser Mann ist wirklich weltbekannt! Er heißt Michail Timofejewitsch Kalaschnikoff. Der Erfinder des berühmten Automatikgewehrs, ein vielfacher Ordensträger,derin seiner Heimat mit Ehrungen und Auszeichnungen überhäuft wurde, ist im Dorf Kurja geboren. Insgesamt 55 Staaten wurden weltweit mit dem Automatikgewehr „AK-47" beliefert und die Silhouette dieser Waffe ist auf den Wappen und Nationalflaggen von sechs Ländern abgebildet. Kalaschnikoff selbst betont jedoch immer wieder, dass dieses Gewehr ursprünglich nur zur Verteidigung seines Vaterlandes bestimmt war und nicht dazu, um andere Länder anzugreifen.
In Kurja steht eine Büste des berühmten Erfinders M.T. Kalaschnikoff und das ist absolut ungewöhnlich, denn Büsten werden erst aufgestellt, nachdem der Würdenträger verstorben ist. Kalaschnikoff hingegen erfreut sich auch heute noch bester Gesundheit. Der zweifach als „Held der Sozialistischen Arbeit" ausgezeichnete Erfinder ist schlichtweg schon zu Lebzeiten ein Legende. Im Heimatkundemuseum des Dorfes gibt es zu Ehren Kalaschnikoffs eine eigene Ausstellung und die Museumsangestellten haben zu ihm auch persönlichen Kontakt; oft besucht Kurja berühmtester Bewohner selbst das Museum, um seine „kleine Welt" zu begutachten. So hat auch das kleine Dorf Kurja ein Stück Weltgeschichte geschrieben.

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