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Kirgistan: Traditionen & Bräuche

 
 

Traditionen und Bräuche in Kirgistan

Die Jagd mit dem Adler hat in Kirgistan einen hohen Stellenwert.

Seit je her ist die Stammesstruktur typisch für das kirgisische Volk. (In Kirgistan entstanden alle Stämme aus zwei Dynastien – der nördlichen und der südlichen, diese Differenzierung ist bis heute beibehalten). Seit je her respektiert man die Bräuche und Traditionen der Vorfahren; das Wichtigste dabei ist der Respekt zu seiner Dynastie, seiner Familie.

An der Spitze der Dynastie stand der Älteste, der Aksakal, der gleichzeitig das Stammesoberhaupt war. Ihm half der Mulla, der moslemische Geistlicher, der die Rolle des Glaubensführers des Stammes hatte. Der Mulla führte die Hochzeits- und Bestattungszeremonien durch und trat gleichzeitig zusammen mit Stammesoberhäuptern als Schlichter in den Konflikten. Bis sich der Islam in Mittelasien verbreitete, gebracht von den arabischen Eroberern im 8. Jh., spielten die Schamanen die Hauptrolle im religiösen und politischen Leben.

Die Geburt eines Kindes war für die Kirgisen das wichtigste und das erfreulichste Ereignis im Familien- und Stammesleben. Die erfahrenen Aksakale, die von den anderen Stammesmitgliedern sehr respektiert wurden, und auch ältere Frauen, gaben dem Kind ihren Segen auf ein langes und glückliches Leben. Ein Kind galt als Symbol der Fortführung des Stammes und seiner Traditionen, der Unsterblichkeit des Volkes. Deshalb wurden schwangere Frauen, so weit wie es nur ging, von anstrengenden Arbeiten im Haushalt ferngehalten; ihnen war verboten, die Siedlung ohne eine Begleitung zu verlassen und sie wurden durch verschiedene magische Rituale von bösen Geistern geschützt. Um die bösen Geister von sich fernzuhalten, trugen schwangere Frauen die entsprechenden Amulette. An ihre Kleidung hingen sie das Amulett „Tumar“, mit darin eingenähten Koransprüchen, verschiedene Amulette aus Bären- und Eulenkrallen. Das Amulett wurde auf der linken Brustseite getragen, in der Nähe der Schulter. Zum Schutz der gebärenden Frauen von bösen Geistern brannte während des Entbindens tags und nachts das Licht in der Jurte. In der Nähe des Feuers lag ein Messer, mit der Klinge auf die Tür gerichtet. An das gitterartige Holzgerüst der Jurte –„kerege“ - hing man über dem Kopf der Frau ein geladenes Gewehr. Diese Gegenstände haben, entsprechend den Traditionen, böse Geister verjagt.

Traditionelle Zeremonie in Kirgistan

Auch hinsichtlich der Neugeborenen hatten die Kirgisen viele verschiedene Rituale. Das alles spricht dafür, dass der Erhalt und die Vermehrung der Nachkommenschaft die Hauptsorge und der Sinn und Zweck der Kirgisen war. Die glücklichsten Familien waren diejenigen, die zehn und mehr Kinder hatten. „Balaluu uj – basar , balalys uj – masar“ – „Das Haus mit Kindern ist wie ein Basar (sprich eine fröhliche, glückliche Familie), das Haus ohne Kinder dagegen wie ein Grab“ – sagen die Kirgisen.

Wenn das Kind begann, seine ersten selbstständigen Schritte zu machen, wurde das Fest „tuschoo kesuu“ veranstaltet, das Fest der ersten Schritte des Kindes. Dafür stellte man das Kind mit zusammengebundenen Beinen vor die Jurte, dabei musste der Faden um seine Beine aus zwei feinen wollenen Fäden bestehen, einem weißen und einem schwarzen („ala schip“). Die beiden Fäden haben den Kampf zweier Gegensätze symbolisiert, des Guten mit dem Bösen, des Lichts mit der Dunkelheit. Das Leben eines Menschen bestand, nach Vorstellungen der Kirgisen, sowohl aus hellen, fröhlichen Tagen, als auch aus dunklen, traurigen. Deshalb sollte man von klein an auf verschiedene Lebenssituationen vorbereitet sein.

Das Erwachsenwerden des Kindes wurde ebenfalls von entsprechenden Ritualen begleitet, dabei nahm die Häufigkeit der Rituale mit dem zunehmenden Alter des Kindes ab. Im Alter von 3, 5 oder 7 Jahren (unbedingt eine ungerade Zahl) wurde bei den Jungs, gemäß den Vorschriften des Islams, eine Beschneidung („sunnet“) durchgeführt. Bei den Mädchen im Alter zwischen 9 und 10 Jahren wurde das Ritual des Zopfflechtens durchgeführt. Aus den beiden großen Zöpfen, die das Mädchen bereits hatte, wurden bis zu 20 kleinere geflochten. Von diesem Augenblick an wurde es erwachsen.

Auch die Heirat wurde sehr ernst genommen, man versuchte, einen vornehmen Partner für sein Kind zu finden. Gemäß der Tradition existierten die frühen Formen des Freiens – der noch nicht geborenen Kinder und der Kleinkinder. Bei den noch nicht geborenen Kindern sprachen sich gewöhnlich treue Freunde untereinander über die Hochzeit ab, oder gar wildfremde Leute, die einmal einander in einer scheinbar auswegslosen Situation geholfen hatten. Gemäß der Tradition schenkten die Eltern des künftigen Bräutigams dem kleinen Mädchen silberne Ohrringe. Wenn allerdings die Hochzeit doch nicht stattfand, so blieben die beiden ihr Leben lang treue Freunde.

Auch vor der Hochzeit gab es viele verschiedene Bräuche in Kirgistan, wie z. B. das Kennen lernen des künftigen Schwiegersohnes. Lange vor der Hochzeit schlug der Bräutigam mit seinen engen Freunden ihre Jurten in der Nähe der Siedlung auf, in der die Braut mit ihren Eltern gelebt hat. Für die Zusammenkünfte der beiden wurde eine spezielle Jurte aufgestellt, mit einer festlichen Ausstattung. Auch die Zusammenkünfte selbst wurden oft von Spielen und Unterhaltung begleitet.

Die Hochzeit und die damit verbundenen Bräuche und Rituale sind der farben- und der inhaltsreichste Teil der gesamten Bräuche der Kirgisen. Kurz vor der Hochzeit veranstalteten die Verwandten des Mädchens das Ritual „tschatsch oruu“, während dessen aus den Mädchenzöpfen Frauenzöpfe geflochten wurden. Nach der Hochzeit zogen die frisch Vermählten gewöhnlich in die Siedlung („ail“) des Bräutigams. Gemäß der Tradition kam die Braut nach einem Jahr zu ihren Eltern zurück und blieb dort für mehrere Tage oder gar Monate.

Früher waren die Kirgisen ein nomadisches Volk und haben meistens Viehzucht betrieben. Auf der Suche nach besseren Weiden und Wasserquellen zogen die Viehzüchter oft von einer Gegend zur anderen. Nach ihrer Ankunft war es eine Tradition, dass die Bewohner der nahe liegenden Siedlungen die neuen Nachbarn besuchten, Leckereien mitbrachten und ihren Segen auf einen glücklichen Aufenthalt in ihrem Gebiet gaben.

Die Gastfreundschaft zählte zu den schönsten Bräuchen dieses Volkes. Der Gast bekam alles: das Essen, das Bett zum Übernachten, sowie die unbegrenzte Aufmerksamkeit der Gastgeber. Wobei dazu nicht nur die eingeladenen Gäste zählten, sondern auch die Reisenden, die durch Zufall auf die Siedlung stießen. Wenn Reiter die Siedlung besuchten, war es gang und gäbe, dass der Gastgeber persönlich zu ihnen eilte, um ihnen beim Heruntersteigen vom Pferd zu helfen und sie in seine Jurte einzuladen. Dabei war es unüblich, direkt Fragen über die Reise und das Ziel des Besuches zu stellen. Der Gast bekam unbedingt ein Bett zum Übernachten, und wenn dies nicht der Fall war oder das Bett unbequem war, dann war der Gast sehr unzufrieden und hat seine schlechte Meinung weitererzählt. Solche Gastfreundschaft wurde von der Gemeinschaft getadelt. Die Kirgisen sagen: „Konoktuu ujde kut bar“ – „Der Gast ist der Segen des Hauses“.

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