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Kasachstan: Religion

 
 

Religion Kasachstan

Zentrale Moschen in Almaty


Nach dem Zusammenbruch der UdSSR erlebte der postsowjetische Raum eine religiöse Wiedergeburt. Die sowjetische Ideologie hinterließ ein Vakuum, und ein bedeutender Teil der Bevölkerung wandte sich auf der Suche nach geistiger Orientierung den traditionellen und nichttraditionellen Religionen zu.

In den 90er Jahren wurden auch in Kasachstan die religiösen Institute wiederhergestellt und wuchs die Bedeutung der Religion im Leben der Gesellschaft und des Staates. Die religiöse Wiedergeburt war seit den ersten Jahren der Unabhängigkeit Gegenstand der besonderen Aufmerksamkeit des Staates. Von der Entwicklung in diesem Bereich hingen in vielerlei Hinsicht nicht nur der Charakter der zwischenkonfessionellen Beziehungen und das gesellschaftliche Klima ab, sondern auch die Entwicklungsdynamik der zwischenethnischen Beziehungen und der politischen Situation im allgemeinen. Merkmale der religiösen Wiedergeburt in Kasachstan sind die wachsende Zahl der registrierten Gemeinden, von Moscheen und Gotteshäusern sowie die Entstehung eines Netzes religiöser Ausbildungsstätten. In der Republik sind mehr als 1 300 religiöse Gemeinschaften, die über dreißig Glaubensrichtungen vertreten, registriert. Die größte Religionsgemeinschaft ist die moslemische (sunnitischer Richtung). Die Führung der moslemischen Gemeinden obliegt der Geistlichen Verwaltung der Moslems Kasachstans. In den letzten fünf Jahren wuchs die Zahl der moslemischen Gemeinden um 90 Prozent. Heute gibt es beinahe 600 Gemeinden. Die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft ist die Russische Orthodoxe Kirche. Derzeit sind 177 Gemeinden registriert. Zu ihrer Verwaltung wurden drei Eparchien gebildet: die Eparchie Almaty-Semipalatinsk, die Eparchie Schymkent-Akmola und die Eparchie Uralsk-Atyrau. Entsprechend des Beschlusses des Heiligen Synods der Russischen Orthodoxen Kirche vom 7. Mai 2003 unterstehen die Eparchien dem Metropoliten von Kasachstan mit Sitz in Astana.

Die Gläubigen gehören unterschiedlichen Nationalitäten an, doch traditionell überwiegen Slawen. In der Republik wirken 74 Gemeinden der römisch-katholischen Kirche. Etwa siebzig Prozent der Gläubigen sind Deutsche, etwa achtzehn Prozent der Gemeindemitglieder sind Polen. 1991 beschloß der Vatikan die Bildung eines katholischen Bistums in Kasachstan. Ein Ereignis für ganz Kasachstan war der Besuch von Papst Johannes Paul II. am 22. September 2001. Während seines Besuches hat er eine Messe in der Kathedrale von Astana gelesen, der über 200 katholische Bischöfe, Geistliche und Mönche aus Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Kyrgysstan beiwohnten. Zum Besuch des Papstes kamen rund 100000 Wallfahrer aus zwanzig Ländern der Welt. In der Republik gibt es zudem 445 protestantische Gemeinden. Über achtzig Prozent gehören zu den für Kasachstan traditionellen Konfessionen, deren Verbreitung mit der Migration der slawischen und deutschen Bevölkerung aus den westlichen Regionen des Russischen Reiches und später der Sowjetunion verbunden war. Es sind Baptisten (140 Gemeinden) und Lutheraner (112 Gemeinden). Es wirken zudem die Adventisten des Siebten Tages (vierzig Gemeinden), die Zeugen Jehovas (33 Gemeinden) sowie verschiedene Strömungen der Fünfziger (35 Gemeinden). Aufgrund der Tätigkeit ausländischer Missionare gründeten sich Dutzende Religionsgemeinschaften, die keine Wurzeln in Kasachstan haben, darunter Gemeinden der Methodisten und von „Neues Leben". Die Gemeinden protestantischer Glaubensrichtung zeichnen sich fast alle durch eine hohe Aktivität ihrer Geistlichen und Gläubigen aus. Ausnahmen bilden die Lutheraner und die Mennoniten.

Es gründeten sich auch Religionsgemeinschaften, die ihre Wurzeln in orientalischen Religionen haben. Insgesamt ist die Zahl ihrer Anhänger nicht sehr groß, doch erfreuen sich einer gewissen Beliebtheit, da ihre Glaubenslehre ungewöhnlich ist und die Gottesdienste exotisch sind. Das Verhältnis der beiden Hauptkonfessionen Islam und Orthodoxie ist für die Bewahrung der innenpolitischen Stabilität von besonderer Bedeutung. In Kasachstan gibt es keine ernsthaften ethnisch begründeten Widersprüche zwischen den Religionsgemeinschaften. Die absolute Mehrheit der Gemeinden setzt sich aus Angehörigen unterschiedlicher Nationalitäten zusammen. Auch die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der Geistlichen Verwaltung der Moslems Kasachstans und den Eparchien der Russischen Orthodoxen Kirche trägt zum friedlichen Miteinander der Religionen bei. Trotz der religiösen Wiedergeburt kann man nicht eindeutig sagen, daß die Rolle der Religion für die kasachstanische Gesellschaft entscheidend ist.

Angesichts der starken weltlichen Traditionen scheint es eher, daß sich die religiösen Beziehungen über andere

Zentralmoschee in Pawlodar

gesellschaftliche Beziehungen gelegt haben. In diesem Fall übt der religiöse Faktor mittels der Tätigkeit der Gläubigen sowie verschiedener Gruppen und Organisationen einen gewissen Einfluß auf den Charakter und die Spezifik der Entwicklung der zwischenethnischen Beziehungen und der kulturellen Entwicklung aus. In dieser Hinsicht stößt die kasachstanische Gesellschaft auf das Phänomen des Klerikalismus - nämlich auf Versuche von Religionsgemeinschaften, über den eigentlichen religiösen Rahmen hinauszugehen und auf den einen oder anderen Bereich des gesellschaftlichen Lebens einzuwirken. Der Klerikalismus nahm immer einen besonderen Platz in der Geschichte der Menschheit ein, es ist ein objektiver Prozeß, aber für Kasachstan ist es wichtig, eine negative Einwirkung des Klerikalismus auf die soziale und politische Stabilität der Gesellschaft auf ein Minimum zu reduzieren. Gerade deshalb und unter Berücksichtigung der Multikonfessionalität der Gesellschaft wird dem Charakter der Beziehungen zwischen den Behörden und den religiösen Gemeinden große Bedeutung beigemessen. In diesem Zusammenhang war es nicht nur für die staatlichen Strukturen, sondern für die ganze Gesellschaft sehr wichtig, denjenigen Kräften Widerstand entgegenzusetzen, die die Religion für eigennützige politische oder sogar wirtschaftliche Zwecken nutzen wollten.

In der Praxis stützen sich verschiedene destruktive Kräfte, die religiöse Losungen nutzen, oft auf das Element des Fanatismus innerhalb der Religionen. Dies führt dazu, daß Gläubige antigesellschaftlich und verfassungswidrig handeln. Im postsowjetischen Raum gibt es dafür genügend Beispiele. In Kasachstan jedoch konnte eine solche Entwicklung bislang vermieden werden. Angespannte Aufmerksamkeit schenkt der Staat heute der Tätigkeit verschiedener Missionsorganisationen, die derzeit in Kasachstan ihre religiöse, kommerzielle und Bildungstätigkeit entfalten.

Anfang der 90er Jahre erschienen die ersten Missionare nichttraditioneller Konfessionen, die ihre Tätigkeit nach und nach auf das gesamte Territorium ausdehnten. Neben Methodismus, Protestantismus und Hinduismus sind es Bewegungen und Sekten wie beispielsweise Bahai, Scientology, die Mun-Sekte, Weiße Väter, Kirche des Letzten Gebots, die New-Life-Bewegung, die Isis-Kirche, die Church of God oder die Kirche des Satans. Die Tätigkeit dieser Gemeinschaften zeichnet sich sehr oft durch einen destruktiven und okkulten Charakter aus. Heute müssen die Beziehungen zwischen dem Staat und diesen Missionsorganisationen überdacht werden. Ungeachtet dessen, daß sich die Verwaltungszentren der Organisationen außerhalb Kasachstans befinden, ist die Republik ihrem spürbaren Einfluß unterworfen, häufiger einem negativen als einem positiven. In letzter Zeit kommt es vermehrt zu Gesetzesverstößen seitens ausländischer Missionsorganisationen. So ist es den Rechtsschutzbehörden gelungen, einige Einfuhrversuche von extremistischer Literatur zu verhindern. Zahlreich sind die Fälle des ungenehmigten Baus von Kultuseinrichtungen, von ungesetzlichen Unterrichtsmethoden und der Verleitung Minderjähriger zur Arbeit für die Missionsorganisationen. All dies weist darauf hin, daß der Staat Maßnahmen zum Schutz seiner Interessen sowie der Rechte und Freiheiten seiner Bürger treffen muß. In diesem Zusammenhang forderte Präsident Nasarbajew die Exekutive auf, Maßnahmen zur Verhinderung der Radikalisierung des religiösen Bewußtseins der Bürger zu treffen und die Einhaltung der in der Verfassung verankerten Glaubensfreiheit zu gewährleisten.

Svjato-Wosnesenski Kathedrale in Almaty


Eines der wichtigsten Instrumente, um die Tätigkeit missionarischer Organisationen zu regeln, ist die Schaffung eines Rechtsraumes und die Kontrolle der Einhaltung der Gesetze. Aber das Gesetz „Über die Glaubensfreiheit und religiöse Gemeinschaften" aus dem Jahre 1992 entspricht nicht ganz den heutigen Anforderungen. Es bedarf der Überarbeitung einzelner Artikel. Insbesondere gibt es im Gesetz keinen Artikel, der die Grundbegriffe erläutert, was erlaubt, die vorgegebenen Begriffe willkürlich zu interpretieren. Es gibt zudem keinen Artikel über die rechtliche Regelung der Missionstätigkeit. Auch der Aufbau von Kultuseinrichtungen verlangt nach gesetzlicher Regelung. Nicht endgültig geregelt sind Fragen, die mit der Ordnung und den Registrierungsbestimmungen religiöser Gemeinschaften verbunden sind. Kurzum, die Frage von Änderungen und Ergänzungen an diesem Gesetz ist aktuell. Eine wichtige Bedingung für die Zulassung missionarischer Organisationen in vielen Ländern ist, daß der Inhalt ihrer Tätigkeit mit den vom Staat aufgestellten Forderungen übereinstimmt. Kontrolliert wird dies in der Regel von besonderen Regierungsstrukturen, in deren Befugnisse auch die Überwachung der missionarischen Tätigkeit, die Aufdeckung ungesetzlicher Tätigkeit und die Koordination der Zwischenregierungskontrolle fällt.

Diese Art der Kontrolle ist insbesondere für Deutschland, Frankreich, Belgien und Österreich kennzeichnend. In Kasachstan - wie in vielen anderen Ländern - werden vor allem administrative Hebel angesetzt, beispielsweise in Form einer obligatorischen staatlichen Registrierung der religiösen Vereinigungen. Heute ist klar, daß nur die staatliche Registrierung ohne eine entsprechende Kontrolle nicht effektiv ist. So arbeiten mehrere Strukturen, deren Tätigkeit eine Bedrohung für die innenpolitische Sicherheit Kasachstans darstellt, ungehindert auf kasachstanischem Territorium. Um allerdings die Effektivität der staatlichen Politik insgesamt zu erhöhen, muß man die Komplexität berücksichtigen. Es ist unmöglich, die sozialen und wirtschaftlichen Faktoren des Problems außer acht zu lassen. Eine der Hauptquellen der Ausbreitung destruktiver missionarischer Organisationen ist das niedrige Lebensniveau einiger margina-ler Bevölkerungsschichten. Neben der gesetzlichen Regelung könnte also die Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Lage dieser Bevölkerungsgruppen ein effektives Mittel zur Verhinderung des destruktiven Potentials religiöser Organisationen sein.

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