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Kasachstan: Mittelschulbildung

Mittelschulbildung in Kasachstan

Kasachisches gymnasium

Die Mittelschule ist das Fundament der Schulbildung in Kasachstan. Sie beginnt mit der Unterstufe (1. bis 4. Klasse), wird mit der Hauptstufe (5. bis 9. Klasse) fortgesetzt und endet mit der Oberstufe (10. bis 11. beziehungsweise 12. Klasse). In einigen allgemeinbildenden Schulen kann man alle Stufen durchlaufen. Zur Mittelschulbildung gehört auch die Berufsbildung (elementare und mittlere Berufsausbildung). Der Besuch der Mittelschule ist obligatorisch für alle Kinder.

Ihre Aufgaben sind heute die Erfassung und Ausbildung aller Kinder im Schulalter und die Umsetzung der staatlichen Vorgaben für die allgemeine mittlere Schulbildung. Anbieten soll sie einen qualifizierten Unterricht durch die Verbesserung der Lehrinhalte und der Lehrmethoden sowie durch die Einführung objektiver Kriterien für die Bewertung der Kenntnisse der Schüler und der Fähigkeiten der Lehrer. Daneben soll sie einen Beitrag zur Gesundheitsfürsorge für Schüler und Lehrer leisten.

Im Zuge der Schulreform wird in Kasachstan  ab dem nächsten Jahr die Spezialschulbildung eingeführt. Der Übergang zu zwölf Schuljahren, die Einführung landesweit gleicher Prüfungskriterien und neuer Bildungsstufen - das ist nur ein kleiner Teil der in den letzten Jahren durchgeführten Experimente. In Kasachstan gibt es insgesamt 8 260 Schulen mit rund 3,2 Millionen Schülern. Weiter ausgebaut wird das Netz allgemeinbildender Schulen neuen Typs - Gymnasium und Lyzeum.

In Anbetracht der multiethnischen Bevölkerungsstruktur erfolgt der Schulunterricht in Kasachstan in sieben Sprachen - an 3687 Schulen in Kasachisch, an rund 2 500 in Russisch, an 2069 in Russisch und Kasachisch, an etwa achtzig Schulen in Usbekisch, an zehn Schulen in Uigurisch, an drei Schulen in Tadschikisch, an jeweils einer Schule in Ukrainisch und in Deutsch. In Orten, wo zahlenmäßig kleine Völker kompakt siedeln, wird der Unterricht in vierzehn Muttersprachen abgehalten.

Im Rahmen des staatlichen Programmes zur Entwicklung des Bildungswesens 2005 bis 2010 werden  in Kasachstan 249 neue Schulen gebaut, davon werden 176 aus dem republikanischen Haushalt finanziert. Im Jahr 2004 wurden 23 allgemeinbildende Schulen für 8307 Schüler eröffnet. Im Jahre 2005 wurden im Rahmen dieses Programmes fünfzig Schulen mit 20000 Plätzen errichtet. Grundlegend saniert wurden 983 Schulen, und Reparaturen wurden an 6500 Schulen vorgenommen.

In den meisten westlichen Ländern richtet sich die Rangfolge der Schulen nach den Leistungen der Schüler. Je besser ihre Abschlussprüfungen desto höher das Ansehen der Bildungseinrichtung. Die Prüfungen werden von unabhängigen Kommissionen vorgenommen. In Kasachstan legten die Schüler bis in die jüngste Zeit ihre Prüfungen vor ihren Lehrern ab, die natürlich an guten Ergebnissen interessiert waren. Um dieser Praxis ein Ende zu setzen, wurde landesweit die Einheitliche Nationale Prüfung (ENP) für alle Abgänger der Mittelschulen eingeführt. Nach erfolgreichem Abschluss der Prüfung stehen den Absolventen je nach Abschneiden die Aufnahme an mittleren Berufsschulen (College) oder Hochschulen offen. Geprüft wird in vier Fächern: in drei Pflichtfächern - kasachische oder russische Sprache, Mathematik, Geschichte Kasachstans -und einem fakultativen Fach, das sich am weiteren Ausbildungs- und Berufswunsch orientiert.

Die Prüfungsmodalitäten werden vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft in enger Abstimmung mit dem Komitee für Standards, Metrologie und Zertifizierung des Ministeriums für Industrie und Handel festgelegt. Fünf Jahre lang wurde bei der Aufnahme an Hochschulen der Republik ein komplexer Prüfungsmodus getestet, der maximale Objektivität bei der Bewertung der Kenntnisse der Schulabgänger, aber auch soziale Gerechtigkeit bei der Vergabe staatlicher Stipendien garantieren sollte. Das erfolgreiche Experiment diente zur Einführung der vereinheitlichten Prüfungskriterien im Jahre 2004. Für die Abnahme der Prüfungen wurden auf Grundlage der Bildungseinrichtungen der Gebiete, Rayonzentren und Städte 97 Prüfungsstellen eingerichtet, weitere 37 sind in Planung. Hier kontrollieren staatliche Kommissionen die Einhaltung der Prüfungsmodalitäten.

Die Koordination der Prüfungen obliegt den dafür ausgewählten Vertretern des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft. Man erhofft sich von dem neuen Verfahren eine objektive Bewertung der Bildungseinrichtungen, die Bestimmung der realen Rangfolge, mehr Anteilnahme der Allgemeinheit an den Problemen der Mittelschulbildung, mehr Motivation bei Schülern und Lehrern, gute Ergebnisse zu erzielen, sowie Aufschlüsse darüber, wie die Qualität der Lehrstoffe, der Lehrpläne, der Schulbücher, der Unterrichtsmethodik sowie der Lehrerausbildung zu verbessern ist. Die Praxis zeigt, dass noch einige Nachbesserungen erforderlich sind. Dies betrifft vor allem Schüler der ethnischen Minderheiten, die in ihrer Muttersprache unterrichtet werden. Die Tatsache, dass die Prüfungen nur in kasachischer und russischer Sprache abgelegt werden, beeinträchtigt zwangsläufig deren Prüfungsergebnisse. Die Schaffung eines Mechanismus zur harmonischen Entwicklung der Angehörigen verschiedener Nationalitäten auf allen Bildungsebenen ist für Kasachstan höchst aktuell.

Als probates Mittel dafür bietet sich die Beibehaltung des Grundschulunterrichts in den Muttersprachen Uigurisch, Usbekisch und Tadschikisch an. Das erhöht den Identifikationsgrad der jeweiligen Diaspora während der Schulausbildung. Fast 32000 Schüler, deren Muttersprache Uigurisch, Usbekisch und Tadschikisch ist, sollen nicht nur die geistigen Werte ihrer Völker bewahren und pflegen, sondern als Bürger Kasachstans auch gleichberechtigten Zugang zum internationalen Bildungsraum haben. Die staatlichen Schulen bilden den Grundstock der Mittelschulbildung. Manche haben noch aus der Sowjetzeit einen sehr guten Ruf. Leider gibt es zu wenig solcher Schulen. Sollten alle Interessenten aufgenommen werden, wären die Schulen zum Zweischichtunterricht gezwungen und zu Klassenstärken von dreißig und mehr Schülern. In einige Spezialklassen der Gymnasien werden die Kinder entsprechend ihrer Prüfungsergebnisse aufgenommen. Entsprechen ihre schulischen Leistungen den hohen Anforderungen nicht, müssen sie die Schule nach der neunten Klasse verlassen. In den letzten Jahren zeichnet sich die Tendenz ab, dass Schüler aus Privatschulen an staatliche Schulen wechseln.

Privatschulen existieren in Kasachstan seit ungefähr zehn Jahren. Sie waren als Alternative zu den staatlichen Schulen gedacht, deren großer Nachteil darin bestand, dass sie zu wenig auf den einzelnen Schüler eingehen konnten. Deshalb hoben sich die Privatschulen mit kleinen Klassen, mit dem Einsatz neuer Lehrmethoden und Lehrpläne, der intensiven Beschäftigung mit den Kindern und etlichen Zusatzfächern, zumeist handelte es sich um Sprachen, vorteilhaft von den staatlichen Schulen ab. Hinzu kamen Angebote wie Erholungsräume für die Schüler, mit Fernseher und Videogeräten ausgestattete Klassenzimmer, Schwimmhallen, Tennisplätze und andere Annehmlichkeiten. Trotzdem haben alle kasachstanischen Privatschulen den Nachteil, dass sie allein vom Geld der Eltern existieren, weshalb die Lehrer aus Gefallen gegenüber den Eltern oft gute, aber unverdiente Zensuren geben. Dies wird sich mit der Einführung der einheitlichen Prüfungskriterien gewiss ändern. Die elementare und mittlere Fachschulbildung wird an Berufsschulen, Lyzeen und Colleges zusammen mit dem Lehrprogramm der allgemeinen Mittelschulen vermittelt. Die elementare und mittlere Berufsausbildung ist die Ausbildung, Qualifizierung und Weiterqualifizierung von Arbeitern, Facharbeitern und Arbeitslosen. Gegenwärtig gibt es in der Republik 307 Lyzeen und 415 Berufsschulen. Hier werden insgesamt 341 300 junge Menschen ausgebildet. Über 300 Berufe können hier erlernt werden. Die Colleges bilden nach den neuen staatlichen Standards Fachkräfte der mittleren Berufsausbildung aus. Hier wurde ein neuer Mechanismus zur Ausbildung von Facharbeitern eingeführt, wobei die Kosten unter Berücksichtigung der Nachfrage nach Arbeitern in den Regionen auf Vertragsbasis erstattet werden. Die Ausbildung in einem neuen Fachbereich erfolgt nur, wenn es dafür einen konkreten Auftraggeber und einen Vertrag mit dem regionalen Arbeitsamt gibt.

Der Anteil der Lernenden, die einen Arbeiterberuf ergreifen möchten, ist ausgesprochen niedrig. Es sind die Schulabgänger, die zur weiteren Ausbildung an die elementaren Berufsschulen geschickt werden. Dagegen stieg die Zahl der Studierenden in den letzten acht Jahren um mehr als das Doppelte. Im Jahre 2004 waren 7 823 000 Menschen aktiv in der Wirtschaft tätig. Gegenwärtig studieren rund 8,4 Prozent der wirtschaftlich aktiven Bevölkerung. Bei einer Durchschnittsstudienzeit von vier Jahren werden in 45 Jahren (etwa so lange dauert ein Arbeitsleben) über neunzig Prozent der Bevölkerung eine Hochschulausbildung haben.

Bedenkt man die hohe Abwanderung von Lehrkräften und Arbeitern aus Kasachstan in den 90er Jahren, besteht die Gefahr, dass es demnächst einen Mangel an einfachen Arbeitskräften geben wird. Für Kasachstan, das zur Zeit einen Aufschwung in allen Wirtschaftszweigen erlebt, könnte dies zu einem akuten Problem werden.

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