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Kasachstan: Petroglyphen von Tamgaly

Reiseziele in Kasachstan: Die Petroglyphen von Tamgaly

Petroglyphen von Tamgaly

Die Galerie der Felsbilder von Tamgaly wurde am 19. September 1957 von der Semiretscher Abteilung der Südkasachischen archäologischen Expedition im Auftrag des Instituts für Geschichte und Archäologie der Akademie der Wissenschaften der Kasachischen SSR unter der Leitung der ersten Berufsarchäologin Kasachstans, Anna Georgjewna Maximowa, entdeckt. Die Petroglyphen in Kasachstan wurden ganz zufällig gefunden, doch die Bedeutung dieses Fundes war von solcher Art, dass einer der ersten Aufenthaltsorte von Menschen auf dem Gebiet Kasachstans in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO Eingang fand.

Die meisten Petroglyphen (Felszeichnungen) sind im unteren Teil der Hauptschlucht konzentriert. Dort finden sich etwa zweitausend davon. Insgesamt finden sich im Bezirk von Tamgaly, unter Berücksichtigung der nahegelegenen Stellen, etwa fünftausend Zeichnungen. Dabei stammt die Masse der Felszeichnungen (aus wissenschaftlicher Sicht auch der interessanteste Teil) aus der späten Bronzezeit, also aus der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. Ein Teil der Zeichnungen stammt aus der Eisenzeit und aus späteren Epochen. Manche der Darstellungen sind einen Meter groß.

Die archäologischen Denkmäler von Tamgaly beschränken sich nicht nur auf die Petroglyphen, die diesem Ort die größte Bekanntheit verschafft haben, sondern schließen auch antike Siedlungen, Gräber, Steinbrüche und Kultgebäude aus verschiedenster Zeit mit ein. Insgesamt spiegeln diese Denkmäler eine sehr große Zeitspanne wieder: vom 14/13. Jahrhundert v. Chr. bis an die Grenze des 19. zum 20. Jahrhunderts n. Chr., also ungefähr vom Übergang der mittleren zur späten Bronzezeit bis in die jüngste Vergangenheit.

Die Schöpfer der Felsenzeichnungen haben sehr geschickt das Phänomen des sogenannten„Wüstenbraun" eingesetzt: die Zeichnungen wurden mit harten Steinen (vermutlich Quarz) in Porphyrit geritzt, später wurde auch mithilfe von Metallwerkzeugen gearbeitet. Porphyrit ist ein sehr hartes Berggestein, das im Zuge der Verwitterung große, glatte Oberflächen bildet. Diese Flächen, die von „Wüstenbraun" bedeckt sind (also einer dunkelbraunen Patina, die aus den Oxydationsprodukten von Eisen und Mangan besteht), nutzten die damaligen Künstler für ihr Werk.

Die Felsendarstellungen sind reich an Motiven. Da finden sich, beispielsweise, Darstellungen göttlicher sonnenköpfiger Wesen oder Darstellungen von Männern mit Schwänzen (augenscheinlich handelt es sich dabei um die Darstellungen von in Tierfelle gekleideten Priestern). Ebenso erkennt man mit kleinen Keulen bewaffnete Männer, Ehepaare und Gebärende. Es finden sich „tanzende Männchen", Reiter zu Pferd und mehrfigurige Kompositionen mit vielen Menschen und Tieren, Jagdszenen und Opferdarbringungshandlungen. Es gibt auch die Darstellung eines Wagens, vor den Ochsen gespannt sind. Besonders häufig sind Sonnenzeichen, Sonnendarstellungen. Die Sonne wurde von den alten Stämmen besonders verehrt. An Tierdarstellungen finden sich am häufigsten Pferde und Archare (Marco-Polo-Schneeschafe), mit weit nach hinten gebogenen Hörnern. Es gibt aber auch Darstellungen anderer, teilweise sogar ausgestorbener Tiere, die man heutzutage in diesen Gegenden nicht mehr antrifft.

Es ist hervorzuheben, dass die Tamgaly-Schlucht sich vor den anderen Heiligtümern in Semiretsche dadurch auszeichnet, dass die alten Zeichnungen solch ein große Fülle an Motiven aufweisen und es große vielfigurige Kompositionen gibt. Manche Forscher sprechen sogar von einem eigenen Tamgaly-Stil der Petroglyphen. Bemerkenswert ist, dass man zu vielen der Felsmotive in Tamgaly Analogien in der Altertumskunst anderer Völker Eurasiens ziehen kann. Einige der Motive sind jedoch bis heute unverständlich und unentschlüsselt geblieben.

Der untere Teil des Hauptschlucht, in dem sich die größte Dichte an Petroglyphen und (vermutlich) alten Altären findet, diente, aller Wahrscheinlichkeit nach, viele Jahrhunderte lang als Heiligtum, in dem rituelle Zeremonien stattfanden und magische Bräuche zelebriert wurden. In der Tamgaly-Schlucht herrscht eine großartige Akustik. Man kann sich dort ohne Anstrengung über 100-150 Meter Entfernung unterhalten und vermutlich wurde diese ungewöhnliche Besonderheit während des Zelebrierens der alten rituellen Bräuche genutzt. Im Übrigen ist die Tradition der Verehrung dieses Heiligtums lebendig geblieben, denn auch heute noch kommen Pilger hierher.

In der Umgebung der heiligen Schlucht lebten einst Menschen. Das bezeugen die hier gefundenen Reste alter Siedlungen. Das heißt, dass der ganze Komplex in einen kultischen und einen weltlichen Bereich unterteilt war, die durch einen neutralen Raum voneinander getrennt waren. Bei der Besiedelung des Umlands des Heiligtums ließen sich die Menschen an den dafür geeignetsten Stellen nieder, so in kleinen Tälern, in denen es nahe Quellen gab und die aufgrund der sie umgebenden Hügelkämme vor dem kalten Winterwind geschützt lagen. Die lebensfeindlichen Bedingungen in den Bergen grenzten die Niederlassungsmöglichkeiten stark ein, deswegen wurde einmal erschlossenes Gelände auch von späteren Generationen weitergenutzt. Mit der Zeit verwandelten sich die alten Gebäude in Ruinen und wurden von Erde bedeckt. An ihrer Stelle entstanden wiederum neue. Eine der ältesten Siedlungen, die schon im 12/11. Jahrhundert v. Chr. gegründet worden war, befand sich so unter einer drei Meter tiefen Erdschicht, als Ergebnis einer fast ununterbrochenen Besiedlung durch den Menschen bis in das Ende des 19. Jahrhunderts.

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