Reiseziele in Kasachstan: Bajanaul
Der Staatliche Nationalnaturpark Bajanaul liegt im Südosten des Gebiets Pawlodar, etwa 100 Kilometer von der Industriestadt Ekibastus entfernt, am Rand des zentralkasachstanischen Flachhügellands. Er zählt zu den besonders geschützten Gebieten Kasachstans. Die Gesamtfläche des Nationalparks belauft sich auf 68452,8 Hektar. Der Park wurde 1985 gegründet und ist damit der erste Nationalpark Kasachstans. Der Grund für die Einrichtung des Parks lag in der Notwendigkeit, die natürliche Flora und Fauna des Bergmassivs von Bajanaul zu erhalten und wiederherzustellen.
Das Parkterritorium liegt innerhalb der Grenzen des Kasachischen Hügellandes, das sich noch im Paläozoikum als Gebirgsland ausgebildet hatte und nach einer langen Geschichte kontinentaler Zerstörung heute nur noch über verhältnismäßig niedrige Höhenzüge verfügt (400 - 1.027 Meter über dem Meeresspiegel). Der höchste Punkt Bajanauls ist mit 1.027 Meter der Berg Akbet. Der Legende nach erhielt der Berg diesen Namen, nachdem sich von seiner Spitze ein Mädchen namens Akbet in den Tod gestürzt hatte, das man mit einem Mann verheiratet hatte, den sie nicht liebte.
Die Berge von Bajanaul liegen im Zentrum des Asiatischen Festlands und zeichnen sich deshalb durch Kontinentalklima aus. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 3,2 Grad Celsius. Die Durchschnittstemperatur im Januar liegt bei minus 13,7 Grad Celsius, die Tiefsttemperatur bei minus 17,8 Grad Celsius. Auf dem Parkgelände gibt es viele Erholungsgebiete und Kurhäuser. Der Park bietet verschiedene Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten, wie Baden, Bergwanderungen, Bergsteigen, Mountainbike fahren. Viele der Einrichtungen bieten Exkursionen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Parks an, so zur „Heiligen Höhle", zum „Steinkopf", zum Stein" Manneszier" u.a. Gebadet wird vor allem im See Dschasybaj, da er der sauberste und klarste von allen Seen hier ist.
Besonders interessant für die Touristen sind in Bajanaul die Felsen und Steine, die Wind und Wasser über die Jahrhunderte hinweg bearbeitet haben und die dadurch wunderlichen Formen angenommen haben. Zu den bekanntesten zählt die Steinskulptur „Steinkopf", noch bekannter unter dem Namen „Baba-Jaga". Wenn man sie aus einem bestimmten Winkel betrachtet, erinnert sie tatsächlich an den Kopf einer hinterlistig lächelnden kahlen, zahnlosen Alten, ganz wie die slawische Märchenfigur. Eine weitere, nicht weniger bekannte, Schöpfung der hiesigen Natur ist der Stein „Manneszier", dessen Name für sich spricht. Die Bergsteiger begeben sich gern auf den Berg Bulka, den Peak Smelych (Gipfel der Mutigen) und den Berg Akbet, als den höchsten Berg. Auf dem Gipfel des Berges Bulka befinden sich sechs Seen, die in der trockenen Jahreszeit austrocknen. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die „Heilige Höhle" (kas. „konyr eulije). Wer die Höhle betritt, so der Volksglaube, müsse nur mit der Handfläche die Wand berühren und sich dabei etwas wünschen. Wenn er dann die Höhle verlässt, ohne dabei den Kopf zum Ausgang zu wenden, würde dieser Wunsch in Erfüllung gehen. Außerdem heißt es, helfe die Höhle kinderlosen Paaren bei der Erfüllung ihres Kinderwunsches, wozu man in der Höhle ein spezielles Ritual vollzieht.
In der Zeit der Kriege und Eroberungsfeldzüge hielt man vom Felsen Najsatas Tag und Nacht Ausschau nach sich nähernden Feinden. Tausende von Menschen und Aule befanden sich in den Bergen, wo sie vor Kriegen und Überfällen Schutz suchten. Man kann nur auf einem Weg auf den Gipfel des Berges gelangen: über eine 700 Meter lange Strickleiter. Der Fels Najsatas ist Bestandteil des Emblems des Staatlichen Nationalnaturparks Bajanaul, als Symbol der Unbesiegbarkeit und Unbeugsamkeit.
Das 18. Jahrhundert ist ein bedeutungsschweres Jahrhundert für das kasachische Volk, das damals seine Staatlichkeit und Selbstständigkeit verteidigte. Als im Jahr 1741 das Oberhaupt der Mittleren Schus in Gefangenschaft des Dschungarischen Herrschers Galdan-Zerena geriet, versuchten die Dschun-garen die Steppen von Karkaralinsk und Bajanaul vom Irtysch aus zu erobern. Sie schwärmten häufig aus, um die Aule zu überfallen, das Vieh zu stehlen, zu plündern und die Häuser der friedlich lebenden Kasachen anzuzünden. Im malerischen Tal Schambak stellte der Feldherr Schasybaj zusammen mit anderen Batyren eine Truppe auf, um den Feind zurückzuschlagen. Hier wurde der große Schasybaj auch begraben.
Es gibt im Park Steine, die mit rätselhaften Zeichen, Zeichnungen und Totems bemalt sind. Auch früher schon stießen die Menschen immer wieder an zuweilen unerwarteten Orten auf diese Zeichnungen. Da man keine Erklärung dafür wusste, schrieb die Phantasie der Menschen ihnen Zauberkräfte und mystische Bedeutung zu. Die Menschen mieden diese Orte. Vielleicht hat deshalb die sonst so gnadenlose Zeit sie bis in unsere Tage erhalten.

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