Der Nationalpark Altyn-Emel
Nationalpark Altyn Emel |
Im Herzen Zentralasiens, 150 Kilometer von Almaty entfernt, südlich des Gebirgskamms des Dschungarer Alatau, liegt der größte Nationalpark Kasachstans, Altyn Emel. Die Fläche dieses ersten Nationalparks in Kasachstan beträgt 520.000 Hektar. Der Staatliche Nationalpark Altyn-Emel wurde im April 1996 durch den Beschluss der Regierung der Republik Kasachstan geschaffen, um dieses einzigartige Naturensemble am rechten Ufer des Flusses Ili und seine seltenen Tier- und Pflanzenarten zu erhalten.
Das Klima in diesem Gebiet ist von ausgeprägt kontinentaler Art. Die Winter sind kalt und klar (die wolkenlosen Tage im Winter belaufen sich auf 24). Die Durchschnittstemperatur im Winter beträgt minus zehn Grad Celsius. Die Sommer sind sehr heiß, die Durchschnittstemperatur im Juli beträgt 20 Grad Celsius. Der feuchteste Monat ist der Juni (29 Prozent der Jahresniederschlagsmenge). Im Durchschnitt regnet es an 65 Tagen im Jahr.
Das Territorium des Nationalparks erfasst die westlichen Ausläufer des Dschungarer Alatau, die kahlen Berge Katutau, Aktau, Ulken und Kschi-Kalkany und ein einzigartiges Naturdenkmal, die „Singende Düne", 182 Kilometer südöstlich von Almaty gelegen. Die „Singende Düne" hinterlässt einen unvergesslichen Eindruck. Die gesamte Sandfläche erstreckt sich über ungefähr zehn Quadratkilometer. Die Länge des Sandkamms beträgt drei Kilometer, die Breite etwa 500 Meter, die Höhe mehr als 100 Meter. Die „Singende Düne" (eigentlich eine Wanderdüne) ist von eigentümlicher Form, die an einen Halbmond erinnert. Wenn die Luft trocken ist und der Wind von Westen weht, erzeugen die beiden großen Erhebungen unterschiedliche Töne, die an Orgelklänge erinnern. Bisher ist es den Wissenschaftlern nicht gelungen, eine eindeutige Antwort zu geben, warum diese Wanderdüne „singt". Wahrscheinlich sind die Töne und das Zittern die Folge der kaum wahrnehmbaren Bewegung der Sandkörner, wenn sie den Hang hinabrutschen. Die durch die Bewegung der Sandkörner erzeugte Reibung in Verbindung mit der trockenen Luft, lädt sie elektrisch auf und führt zu Vibrationen. Es wird Schallwellen großer Stärke erzeugt, die von der festen Oberfläche zurückgeworfen werden und die Düne erzittern lassen. Diesen Ton hört man aus einer Entfernung von mehreren Kilometern. Bei feuchtem Wetter „singt" die Düne entsprechend nicht.
Singende Düne Altyn Emel, Kasachstan |
Unweit der Wanderdüne befinden sich die toten Aktau-Berge (übersetzt: „Weiße Berge"). Bei den Aktau-Bergen handelt es sich um hoheitsvoll anmutende Kreideberge. Die von Lebewesen unbewohnten blauen, roten, weißen, rosafarbenen und grünen, durch Erosion eigentümlich gezeichneten Hänge („Mondlandschaft"), sind so ungewöhnlich, dass man nur schwer das Auge davon abwenden kann. Der Grund für die erstaunliche Berglandschaft liegt darin, dass diese Berge sich einst aus dem Meeresgrund erhoben haben. Sie sind über 400 Millionen Jahre alt und 30 Kilometer lang.
Erwähnt werden müssen auch die riesigen Kurgane, die Hügelgräber „Besschatyr" aus der frühen Eisenzeit (7.-6. Jahrhundert v.Chr.). Es handelt sich um erstaunliche Denkmäler der antiken Kultur der Stämme der Saken. In den Hügelgräbern befinden sich alte Bestattungen, Abbildungen von Wildtieren, Jagdszenen. Das Gräberfeld besteht aus 31 Hügelgräbern. In dem größten, dem „Königsgrab" ist der Herrscher der Saken beigesetzt.
Die Pflanzenwelt des Nationalparks Altyn-Jemel ist sehr vielfältig. Es finden sich 634 Pflanzenarten. Zu den häufigsten zählen der Wacholder, der Schwingel und die grannenlose Trespe. Im Park trifft man auch auf Enziangewächse (Gentiana falcata), Büschelhaargras, Felsengeranien u.a. Zu den 41 seltenen Arten zählen: lljinia regelii, der Schneeglöckchenlauch, das Federgras, die Turanga-Pappel, die Ölweide, die Akelei und die Tien-Shan-Kirsche. 27 Arten davon sind endemisch. Unter den Strauchgewächsen lassen sich nennen die Weide, das Geißblatt und Berberis iliensis. Der schwarze Saxaul wächst in der Steppe, der weiße auf den Hängen der„singenden Düne". Unweit der Düne wächst eine derart alte Ulme, dass sie bereits Zeuge war, als die Krieger des Dschingis Khan vor mehr als 700 Jahren aus der nahe gelegenen Quelle Wasser schöpften.
Erstaunlich ist auch die Vielfalt der Tierwelt. Unweit der „singenden Düne" trifft man auf den sibirischen Steinbock, die Kropfgazelle, das Tien-Shan-Riesenwildschaf, das Marco-Polo-Schneeschaf (Archar), die Saigak-Antilope, den Rothund, den Fuchs, den Isabell-Braunbär und den turkmenischen Kulan (asiatischen Esel). Diese Steppenpferdeesel - Kulane - lebten über Jahrhunderte im Gebiet Kulan-Tau, wurden jedoch vom Menschen in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts in dieser Gegend ausgerottet. Im Jahr 1978 wurden von der Insel Barsa-Kelmes im Aralsee 23 Kulane hierher gebracht. Derzeit leben auf dem Gebiet des Nationalparks Altyn-Jemel etwa 700 Exemplare. Zu den auf der Roten Liste Kasachstans stehenden Arten zählen auch der Schneeleopard, die Pallaskatze (Manul), der Tigeriltis, der mittelasiatische Flussotter und der Steinmarder.
Fast alle der im Nationalpark vertretenen wirbellosen Arten zählen zu den seltenen. Davon sind 32 Arten der folgenden Gruppen vom Aussterben bedroht: Libellen, Springschrecken, Hautflügler, Zweiflügler und Schmetterlinge. Unter den Amphibien des Nationalparks sind zu nennen die Erdkröte, die Danatakröte, der Seefrosch und der sibirische Frosch. Die Danatakröte und der sibirische Frosch stehen ebenfalls auf der Roten Liste Kasachstans. Von den 155 Vogelarten in Altyn-Jemel sind es 40 Arten, die auf der Roten Liste Kasachstans stehen. In den Bergen nisten Königsadler, Schlangenadler, Bartgeier, schwarze Störche u.a. In der Wüste finden sich Sandflughühner und Steppenhühner. In den wasserreichen Sumpfgebieten leben Reiher, Enten, Strandläufer, Fasanen und andere Vögel. An seltenen Arten trifft man hier die Großtrappe, den rosa Pelikan, den Wanderfalken, den Sakerfalken, den Fischadler, den Bindenseeadler, sowie die Wanderfalkenart Falco peregrinus babylonicus.

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