Reiseziele in Kasachstan: Die Kurgane von Berel
Blick auf die Landschaft in Kasachstan |
Die Ausgrabungen der Kurgane von Berel wurden von den kasachstanischen Archäologen vor zehn Jahren in Angriff genommen. Was die Wissenschaftler im Inneren der alten Hügelgräber fanden, versetzte nicht nur die kasachstanische Fachwelt in Erstaunen, sondern war von Weltrang.
In den Kurganen „schliefen" die Mumien des Königs und seiner getreuen Streitrösser. Im größten der Hügelgräber waren neben dem König und Stammesführer, eine Frau und dreizehn Pferde beigesetzt worden. Alle dort gefundenen Kunsthandwerkserzeugnisse, vom Schmuck bis zum Pferdegeschirr, waren aus reich mit Gold verziertem Holz gearbeitet. Ebenfalls erhalten waren eine prächtige Perücke, ein Schnurrbart und Bart eines Mannes. Der Körper war balsamiert worden, doch infolge mehrfacher Plünderung durch Grabräuber war das thermische Gleichgewicht gestört worden und die Mumie deshalb stark beschädigt. Die Überreste der dreizehn Pferde jedoch, allesamt von der Farbe her Füchse, waren so gut erhalten, dass die Wissenschaftler anhand des Mageninhalts feststellen konnten, wie damals die Flora beschaffen war und zu welcher Jahreszeit sie begraben wurden. Pferde spielten im Leben dieses Volkes eine dominierende Rolle, denn es handelte sich um eine nomadische Zivilisation, die sich auf Pferden fortbewegte. Ein weiteres Rätsel lag in der Fellfarbe der Tiere. Alle dreizehn Pferde waren von feuerroter Farbe, wahrscheinlich ein Symbol für die Sonne.
All diese Zeugnisse der Vergangenheit wären für die Wissenschaft verloren gewesen ohne das Hauptgeheimnis der Kurgane, das sie in der ganzen Welt berühmt gemacht hat. Als die Experten damit begannen, die Hügelgräber zu ergraben, bemerkten sie, dass innerhalb der Kurgane Minustemperaturen herrschten, während rund um die Hügelgräber die Erde gut fünf Grad Celsius warm war. Dieses Phänomen wurde sorgfältig untersucht und warf die wichtigste Frage auf, die bis heute unbeantwortet geblieben ist: waren etwa die Menschen damals im Jahr 500 v. Chr. dazu in der Lage, künstliche Kälte zu erzeugen?
Bodenfrost bildet sich hier bei einer durchschnittlichen Jahrestemperatur im Plusbereich. Es spielen dafür eine Reihe einzigartiger Faktoren eine Rolle: das wunderschöne Tal, von buntblühenden Gräsern bewachsen, befindet sich zwischen Bergen in einem Talkessel. Es ist ein idealer Platz und, möglicherweise, wurde er mit Bedacht gewählt. Die Terrasse ist 40 Meter hoch. Hier liegt eine ganze Kette von Hügelgräbern. Im elften Grab scheint der Herrscher beigesetzt worden zu sein. Nur in diesem Kurgan fand sich diese „Kältekammer". Das Hügelgrab hat einen Durchmesser von 30 Meter und ist drei Meter hoch. Das sind keine zufälligen Maße. Eben dieses Verhältnis von Durchmesser und Höhe der steinernen Umfassung des Kurgan ließ den langjährigen Frost im Inneren entstehen. Das Grab ist oben mit Steinschichten bedeckt worden und eben diese Aufschichtung von Steinen, die luftdurchlässig ist, hat wie ein Kälteakkumulator gewirkt. Der Frost „sammelt" sich unter diesen Steinschichten in Form einer Kältelinse von zehn Meter Durchmesser und genau im Zentrum dieser „Kältekammer" befindet sich die Bestattung. Trotz der saisonalen Temperaturschwankungen bleiben die Temperaturen hier permanent im Minusbereich. Seit 2.300 Jahren funktioniert diese Kältekammer zuverlässig.
Ein weiteres erstaunliches Faktum ist, dass das Grab vor Eindringlingen durch eine riesige Steinaufhäufung geschützt ist, die ein Gewicht von 150 Tonnen hat. Dieses ganze Gewicht ruht auf dem Grab, das nach oben mit einer dünnen hölzernen Stangendecke schließt. Einfach unglaublich! Zunächst wussten die Wissenschaftler keine Antwort auf dieses Phänomen und es schien fast, als sei ein alter Zauber am Werk, der den Steinhaufen davon abhielt, herabzustürzen und die Ruhe des Verstorbenen zu stören. Die Wissenschaftler ergruben mehrere Kurgane und erst nach einiger Zeit fiel ihnen auf, dass die Kurgane nicht aus homogenem, und schon gar nicht zufällig zusammengewürfeltem Steinmaterial bestanden. Nachdem sie die meisten der Steine unterschiedlicher Größe entfernt hatten, entdeckten sie darunter einen „Mini-Kurgan". Dieser sah mehr als merkwürdig aus und bestand aus einer dicht schließenden Konstruktion perfekt miteinander verbundener flacher Steine. Sobald man auch nur einen Stein daraus entfernte, brach die ganze Konstruktion zusammen. Dem Aussehen nach war diese Konstruktion jedoch sehr fragil. Eben diese ideale Kuppelkonstruktion war es, die es vermochte, Hunderte Tonnen Gewicht zu tragen!
Von dieser meisterlichen Bauweise können auch heutige Baufachleute noch lernen und die Touristen sich daran begeistern. Dies ist nun auch in greifbare Nähe gerückt, da derzeit vor Ort das Staatliche Kulturhistorische Museumsreservat „Berel" eingerichtet wird.

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