Reiseziele in Kasachstan: Khan Tengri
Gebirge in Kasachstan |
Im mittleren Gebirgskamm des zentralen Tien-Shan, zwischen dem schneebedeckten Gebirgsmassiv Schater (6.637 Meter) und dem breiten, trapezförmigen Gipfel des Tschapajew (6.371 Meter) liegt die beindruckend schöne, eis- und schneebedeckte Pyramide des Khan-Tengri.
Aus dem Mongolischen übersetzt bedeutet sein Name: „Herrscher des Himmels". Der Khan-Tengri liegt unmittelbar im Zentrum des Tien-Shan-Gebirges an der Grenze Kasachstans zu Kirgisien und China. Er ist mit 6.995 Meter Höhe der höchste Punkt in Kasachstan und der zweithöchste des Zentralen Tien-Shan-Gebirges nach dem Gipfel Pobeda mit 7.439 Meter Höhe.
Diesen Berg, der zu den schönsten der Erde zählt, schmückt ein vollkommen marmorfarbener Gipfel. Schon vor über 1.200 Jahren wurde der Khan-Tengri erstmals in chinesischen Chroniken erwähnt. Nur wenige Berge können sich an Schönheit mit diesem schneebedeckten Riesen messen. Es ist schwer, die Schönheit des Khan-Tengri mit Worten zu beschreiben, man muss sie mit eigenen Augen gesehen haben. Besonders schön ist der Berg bei Sonnenuntergang, wenn die umliegenden Berge allmählich in der Dunkelheit versinken und einzig der sie an Höhe überragende Khan-Tengri von den Strahlen der untergehenden Sonne in rotes Licht getaucht wird, wobei die Schatten der vorüberziehenden Wolken den Eindruck erwecken, als würden rote Ströme seine Hänge herabfließen. Die Einheimischen nennen den Berg seit Urzeiten „Kan-Too". In der Turksprache bedeutet das Wort„Kan" Blut und„Too" Berg.
Die ersten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu diesem Berg gehen auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Der bekannte russische Geograph und Abenteurer Р. P. Semjonow-Tien-Shanskij (Semjonow vom Tien-Shan) beschrieb den Khan-Tengri während seiner berühmten Expedition auf den Tien-Shan in den Jahren 1856-57. Folgendes notierte er in seinem Tagebuch:„Als wir gegen ein Uhr Mittag den Gipfel der Passage erreichten, wurden wir von einem unerwarteten Schauspiel geblendet. Genau südlich von uns erhob sich der majestätischste Bergkamm, den ich je im Leben gesehen hatte. Er bestand von oben bis unten aus schneebedeckten Gipfelriesen, von denen ich links und rechts von mir mindestens dreißig zählen konnte. Der gesamte Bergkamm, einschließlich der Zwischenräume zwischen den Berggipfeln, war mit einer lückenlosen Decke aus ewigem Eis bedeckt. Inmitten dieser Riesen erhob sich eine, alles an Höhe überragende, schneeweiße, spitz zulaufende Pyramide, die, von der Höhe des Passes aus gesehen, die anderen Gipfel an Höhe um das Doppelte zu überragen schien. Dies war der Gipfel des Khan-Tengri."
Alpinistik in Kasachstan |
Die Beschreibung dieser Bergwelt, die Semjonow-Tien-Shanskij lieferte, lenkte die Aufmerksamkeit anderer Menschen im Land und vieler Forscher und Bergsteiger aus dem Ausland auf den Tien-Shan. Die meisten Bergsteiger erreichen das Basislager am Fuß des Khan-Tengri mit dem Hubschrauber. Während dieses halbstündigen Fluges erblickt man das erstaunliche Panorama des zentralen Tien-Shan-Gebirges. Der österreichische Geograph und Bergsteiger Merzbacher war überwältigt von der Majestät und Unzugänglichkeit des Gipfels des Khan-Tengri, der sich fast dreitausend Meter über dem zweitgrößten Gletscher der Welt, dem Inyltschek, erhebt. Bekrönt wird der Riese von einer ein Kilometer hohen marmornen Pyramide fast vollkommen regelmäßiger geometrischer Form. „Nie wird ein Mensch seinen Fuß auf diesen Gipfel setzen!" rief der berühmte Merzbacher aus, als er den Khan-Tengri sah. Doch er sollte sich irren.
Die ersten, die den Herrscher des Himmels 1931 betraten, waren sowjetische Bergsteiger. Die Einzigartigkeit dieses Gipfels liegt darin, dass seine drei Kilometer hohe Nordwand (Wände dieser Ausrichtung weisen für Bergsteiger den höchsten Schwierigkeitsgrad auf) die längste unter den Siebentausendern der Welt ist, den Himalaya eingeschlossen. In den 77 Jahren Alpinsports am Khan-Tengri wurden zehn Aufstiegsrouten höchsten Schwierigkeitsgrades erprobt. Fast alle wurden mit den höchsten Medaillen bei verschiedenen Meisterschaften ausgezeichnet. Und nicht eine Route wurde bislang wiederholt.
Viele Bergsteiger möchten den Khan-Tengri besteigen. Der Aufstieg dauert zwei Wochen, inklusive der Akklimatisierungsphasen. Almaty ist die nächstgelegene Stadt, von der aus man in das Herz des„Herrschers des Himmels" vordringen kann. Natürlich braucht es eine sehr gute sportliche Vorbereitung, um Berge dieser Höhe zu besteigen, doch auch wenn man diese Gegend nur besucht, um einen Blick auf den majestätischen Gipfel des Khan-Tengri zu werfen, den höchsten Punkt Kasachstans, hinterlässt dies unvergessliche Eindrücke, die einen durch das ganze Leben begleiten.

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