Reiseziele in Kasachstan: Tiefebene von Karagie
Im östlichen Teil des Plateaus von Mangyschlak, etwas 50 Kilometer von Aktau entfernt, erstreckt sich von Nordwesten nach Südosten eine der am tiefsten gelegenen Tiefebenen der Welt, die 132 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. „Karagie" ist ein turksprachiges Wort und bedeutet übersetzt: „Schwarzer Rachen". Die Hänge der Tiefebene sind recht flach, sodass man mühelos hinabsteigen kann. Im Frühling sammelt man hier Pilze, Champignons, andere wachsen hier nicht. Hier leben erstaunlich schöne Schlangen, Hasen, Füchse und Steppenfüchse, schweben, auf der Suche nach Beute, Greifvögel in den Lüften und beobachten Mufflons aufmerksam die Umgebung.
Es heißt, vor langer Zeit befand sich an dieser Stelle ein See, den man „Batyr" („Tapferer Krieger") nannte. Später bildete sich die Tiefebene. Sie ist 40 Kilometer lang und zehn Kilometer breit. Ihre Entstehung erklärt man durch die Auslaugung der Salzgesteine, durch Sackungs- und Karstprozesse, die am Ufer des Kaspischen Meeres abliefen. Dem Karstprozess liegt die ausspülende und zersetzende Wirkung unterirdischer natürlicher Wasservorkommen zugrunde. Das unterirdische Wasser sickerte allmählich in den Boden der Risse im Kalkstein, Dolomit und Gips und zersetzte dieses Berggestein, erweiterte die Risse und formte dabei tiefe und enge Schluchten. Die Wände und Betten dieser Vertiefungen wurden größer und bildeten gewaltige Trichter und Höhlen. Im Zuge der Vergrößerung der Höhlen stürzten irgendwann, unter der Last der darüber liegenden Schichten, die Höhlendecken ein. Diese Prozesse wiederholten sich ununterbrochen und fraßen sich immer weiter in die Tiefe der Erde, wo es weiteres salzhaltiges und kalkhaltiges Gestein gab. Das führte zur Bildung gewaltiger Hohlräume, die sich mit zerbröseltem Gestein füllten. Es entstanden Trichter, Senken, geschlossene Täler, Nischen und Grotten, Talkessel, Höhlen, Gänge und natürliche Brunnen. So entstand die Tiefebene von Karagie bis sie das heutige Aussehen erlangte. Diese Prozesse sind auch heute nicht abgeschlossen.
Hänge und Stufen, die von breiten und tiefen Erosionserscheinungen (Klüften, langen Schluchten, Hängen) durchzogen sind, zeugen von aktiven reliefbildenden Prozessen in der Tiefebene.
Die Tiefebene wurde viele Jahre lang von den Wissenschaftlern Kasachstans untersucht. Es stellte sich heraus, dass die fast wasserlose Tiefebene von Karagie als natürlicher Erzeuger von Regenwolken wirkt. Durch die aus der Tiefebene im Sommer aufsteigende Luft entstehen Regenwolkenbänke von vielen Kilometern Länge. Dies ergaben Beobachtungen auf der Erde, sowie Satellitenaufnahmen.
Wenn man den flachen Hang hinabsteigt, gelangt man an ein kleines Becken mit Fließwasser und die Quelle „Prochladnyj" („Die Kühle"), die einer einst entstandenen Spalte entspringt. Das Wasser ist leicht salzig. Es fließt am Grund entlang und verliert sich im südlichen Teil, wo es im Sand versickert. Im südwestlichen Teil der Tiefebene liegt ein in der warmen Jahreszeit austrocknender See.
Im zentralen Teil der Tiefebene findet man viele Härtlinge, Urgestein, das die Oberflächenerosion überlebt hat. Dieses reizvolle Bild sollte jeder einmal gesehen haben.

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