Reiseziele in Kasachstan: Jeset Batyr Kokiuly
Unter dem Einfluss komplexer historischer Umstände entwickelte das kasachische Volk eine spezifische Mentalität, die besonders in der Ahnenverehrung ihren Niederschlag findet, der Verehrung begnadeter Staatsmänner, tapferer Stammesführer („Batyr') und Verteidiger der Heimat.
Der berühmte Stammesführer (Batyr) und Heeresführer Jeset Kokiuly wurde 1667 bei Aktjubinsk geboren. Im Jahr 1710 wurde er zum Oberhaupt des Geschlechts der Tarn gewählt und ab 1722 war er Ältester des Stammesbundes der Schetiru. Aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer hohen Gesellschaftsschicht und seiner persönlichen Qualitäten spielte er eine große Rolle in der Politik der Jüngeren (Kleinen) Horde. Zu Beginn der dreißiger Jahre des 18. Jahrhunderts wird Batyr Jeset zum engsten Berater und Heerführer des Khans der Jüngeren Horde Abilchajyr. In den Jahren zwischen 1720-1745 führte er die viele tausend Mann zählende Heerschar des Khan Abilchajyr an und rettete gemeinsam mit den berühmten Heerführern Schanibek und Bukenbaj die weitläufigen Steppen im Westen Kasachstans vor den Eroberungsversuchen der Wolgakalmyken, Baschkiren und Turkmenen. Auf Antrag des Gouverneurs von Orenburg wurde ihm 1743 durch Erlass des Imperators von Russland der Ehrentitel "Tarchan" verliehen.
Jeset Kokiuly war nicht nur ein begabter Heerführer seiner Zeit, sondern auch ein Politiker, Staatsmann und ein aufrichtiger Kämpfer für Freiheit und Unabhängigkeit. Er starb im Alter von 82 Jahren im Jahr 1749. Begraben wurde er auf einem Hügel in der Nähe der Siedlung Bestamak, nahe dem Fluss Jelek, 35 Kilometer südöstlich der Stadt Aktobe. Hier auf dem Gipfel des Hügels wurde 1750 ihm zu Ehren ein Mausoleum errichtet. Im Jahr 1979 errichteten die Bewohner, entgegen der Ideologie jener Zeit, erstmals ein Grabmal aus weißen Ziegeln zu Ehren des Geistes des großen Batyr. Das Grabmal war 1,7 Meter hoch, drei Meter breit und fünf Meter lang, wurde jedoch in der Folge auf höhere Anordnung wieder entfernt.
Aus Anlass der 325-Jahrfeier wurde zu seinen Ehren ein Mausoleum aus rosa Muschelkalk aus Mangystau errichtet. Es handelt sich um ein Denkmal mit kubischem Grundriss und einer helmförmigen Kuppel. An der Westwand des Gebäudes befindet sich eine stilisierte ganzfigurige Darstellung des Batyr in (die Höhe der Büste beträgt drei Meter). Am oberen Rand der Konstruktion des Mausoleums befindet sich ein Fries mit einer Inschrift. Im Zentrum der Kammer liegt der ursprüngliche Grabhügel, der von einem kastenförmigen Sarkophag aus Muschelkalkplatten umgeben ist. An der Ostwand befinden sich eine Stele und zwei Platten mit einer Inschrift in arabischen Schriftzeichen.
Das Mausoleum ist elf Meter hoch und fünf Meter breit. Das architektonische Erscheinungsbild des Mausoleums erinnert an eine Jurte, damit es den Durchreisenden schon aus der Ferne ins Auge fällt. Entworfen hat das Mausoleum T. Dschonysbekow. Das Mausoleum ist als historisches Denkmal registriert, Bestandteil touristischer Reiseführer und steht unter staatlichem Denkmalschutz. Man erreicht es über eine asphaltierte Straße und eine Brücke über den Fluss, ein Gasanschluss ist vorhanden. Hier wurden auch ein Gästehaus und eine Herberge für Pilger errichtet. Es sind getrennte Zimmer vorhanden, sowohl für den Empfang von Gästen, wie auch für das vorgeschriebene Gebet und zur Entspannung. Auch ein Ort, um Opfergaben zu bringen und Speisen zuzubereiten, ist vorhanden. Die Türen sind für Wanderer Tag und Nacht geöffnet.
Das Mausoleum ist fürwahr ein heiliger Ort und niemand wagt es, daran vorbeizufahren, ohne dem bedeutenden Ahn ein Zeichen des Respekts und der Verehrung erbracht zu haben.

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