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Kasachstan: Grabung in Sarajtschik

Reiseziele in Kasachstan: Die Grabung in Sarajtschik

Geschichte von Kasachstan

Die archäologische Grabung der Siedlung Sarajtschik befindet sich 50 Kilometer nördlich der Stadt Atyrau auf dem rechten Ufer des Flusses Ural (Schaik). Dort befindet sich eine ebene Steppenlandschaft mit niedrigen flachen Hügeln von etwa 300-400 Meter Ausmaß.

Bei der Grabung Sarajtschik handelt es sich um Reste der Stadt Sarajtschuk. Sarajtschik liegt an einem sehr günstigen Ort mit reicher Vegetation, nicht weit von der Flussmündung, und, was am Wichtigsten ist, an einem geopolitisch bedeutenden Knotenpunkt und der Nahtstelle zwischen Europa und Asien. Hier verlief die transkontinentale Karawanenroute aus den Ländern Europas und der Hauptstadt der Goldenen Horde in die Städte von Choresm, Iran, Indien, China.

Das älteste zitierbare, durch Ausgrabungen bestätigte, Datum der Existenz dieser Siedlung, fällt in das frühe 14. Jahrhundert, was erlaubt zu vermuten, dass Sarajtschuk im 13. Jahrhundert in Form einer großen Jurtensiedlung existierte. Es fehlen die Reste von Bauwerken, wie auch glasierter Keramikerzeugnisse. Man findet nur wenige Bruchstücke von Lehmziegeln, die, ihrem Rußbelag nach zu urteilen, wohl zur Ausstattung der Herde oder Öfen gehörten. Diese Schicht ist von einer dünnen Brandschicht bedeckt über der sich bereits die Reste der Mauern (hauptsächlich aus Lehmziegeln), Haushaltsgräben und Funde, die typisch für eine Siedlung aus der Zeit der Goldenen Horde des 14/15. Jahrhunderts sind, befinden. Zur Stadt ausgebaut wurde Sarajtschuk im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts.

Im Laufe mehrerer Jahrzehnte wurden die Stadtviertel mehrfach umgebaut und wohl auch die Straßenverläufe verändert. Die Wände der Häuser waren innen geweißt. Die Fußböden bestehen zuweilen aus Lehmziegeln. Die Dächer wurden oft auch genutzt, um, beispielsweise, Fisch zu dörren. In den sechziger bis achtziger Jahren des 14. Jahrhunderts erlebte die Stadt einen Niedergang. Die Geldzirkulation geriet ins Stocken. Erst Anfang des 15. Jahrhunderts wurden die Stadtviertel neu bebaut, die Geldzirkulation kam wieder in Gang und die Stadt prägte sogar ihre eigenen Silber- und Kupfermünzen. Große Gebäude, wie die Karawanserei, wurden umgebaut und die Zimmer zu einzelnen Wohnräumen umgestaltet.

Kasachische Jurte

Interessant ist der Fund einiger Kupfermünzen, die in der nicht lokalisierten Münzprägestätte „Ordu-Basar" geprägt wurden und ein unbekanntes Stammeszeichen auf der Rückseite tragen. Den Gesetzen der Geldzirkulation nach verblieb eine Wechselkupfermünze in der Regel in der Nähe ihrer Prägestätte. Dies trifft vor allem für Sarajtschuk zu, das viele Tagesreisen vom Wolgagebiet und Choresm trennten und das von Nomaden umgeben war, die keinen Bedarf an solch kleinem Wechselgeld hatten.

Diese zerfallene Stadt zieht nicht zufällig die Aufmerksamkeit der Archäologen und Historiker auf sich. Sarajtschik hatte sich seit seiner Gründung im Epizentrum internationaler Ereignisse und der Ereignisse um die Goldene Horde befunden. Die lebhafte Entwicklung Sarajtschiks hängt mit dem Vordringen der neuen Religion des Islam und seiner Annahme durch den Herrscher Berke und seinen Bruder Tukaj-Timur im 14. Jahrhundert zusammen. Kurze Zeit später wurde der Islam zur offiziellen Religion der Goldenen Horde. In Sarajtschik fand die Zeremonie der Thronbesteigung der Khane der Goldenen Horde Schanibek (1341 - 1357), Berdibek (1357-1359) und anderer Vertreter des Geschlechts der Dschutschi statt. Die Gräber (Kulpytas, Mausoleen) dieser berühmten Führer des kasachischen Volkes, der Batyre, sind bis heute erhalten.

Nach dem Zerfall der Goldenen Horde wurde Sarajtschik zum Zentrum des Mangyter Reiches, das in den vierziger Jahren des 16. Jahrhunderts zu einem eigenen Staat wurde, der Nogaier Horde. Eine kurze Zeit lang, unter der Regierung des energischen Khans Kasym, des Sohnes eines der Begründer des kasachischen Khanats, Schanibeks (1420-1480), war Sarajtschik Hauptstadt des kasachischen Staates. Im Zuge historischer Ereignisse wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Siedlung durch den Kosakenataman Netschaj zerstört. Dies war der Beginn der Verödung der bedeutenden Siedlung.

200 Jahre nach dem Untergang der Stadt reiste der Leiter einer ersten akademischen Expedition, P. S. Pallas, hierher. Etwas später folgte der Professor der Derpter Universität, F. Gebel. Beide konnten wichtige Erkenntnisse über die Ruinen sammeln.

Die ersten Erkundungen archäologischer Art setzten in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts ein. Sie wurden von dem bekannten Archäologen und Leiter der Choresmer archäologisch ethnographischen Expedition, S. P. Tolstow, organisiert. Auch die Gruppe des Mitglieds der Akademie der Wissenschaften Alkej Margulan arbeitete hier. Damals wurde auch die Notwendigkeit festgestellt, die Reste der Siedlung Sarajtschuk umfassend und schnell zu erforschen, da der Fluss Schajyk seine Kulturschichten ständig unterspülte.

Während der archäologischen Ausgrabungen in den Jahren 1996-97, sowie während einer zweimonatigen Expedition in diesem Jahr, wurde die erste drei Meter hohe Erdschicht entfernt und wahre Meisterwerke der Töpferkunst entdeckt, die mit zoomorphen und floralen Ornamenten und Goldbemalung geschmückt sind. Es handelt sich um Keramik lokaler Produktion, aber auch um Reste von Geschirr und Haushaltsgerät, das im 14. -16. Jahrhundert aus China und dem Iran eingeführt worden war. Auf den Fragmenten glasierter und unglasierter Keramik finden sich Schriftzüge religiösen Inhalts. Auf den Fragmenten des Keramikgeschirrs, den Tassen, Krügen, Krügen mit ortstypischer Form trifft man oft Wasservogeldarstellungen an. Gefunden wurden auch Kupfer-Silber- und Goldmünzen. „VerborgeneTalente" fand man so viele, dass man sich ein Bild von der geographischen Vielfalt der Prägestätten machen konnte: Krim, Nordiran, Wolgagebiet, Choresm, Samarkand. Es wurden auch Münzen mittelalterlicher Staaten, wie der goldenen Horde, des Krim-Khanats u.a. gefunden. Die frühesten Münzfunde datieren in das Jahr 1320 (Regierungszeit des Khans Usbek). Auf einigen Münzen findet sich der alte turksprachliche Gruß „Kutlug bulsun". Es finden sich Darstellungen von Pfauen, Sternzeichen, sunnitischen Glaubenssymbolen, Symbolen für Macht, Herrschaft und Wohlergehen, wie Falke, Löwe oder Schneeleopard mit erhobener Vordertatze und aufgehender Sonne über dem Rücken (derart alte Wurzeln haben die Symbole unseres Staates!). Den Münzfunden nach zu schließen, erlebte Sarajtschik in den Jahren zwischen 1310 und 1360 einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. In der Zeit der Wirren verringerte sich die Geldzirkulation. Zu Beginn der Regierungszeit von Tochtamysch füllte sich der lokale Markt mit Münzen eigener Prägung. Soweit die Ergebnisse der archäologischen Forschung verschiedener Jahre.

Lange waren die Fachleute für mittelalterliche Denkmäler der Ansicht, dass Sarajtschik im 14. Jahrhundert angelegt worden sei. So dachten etwa die Archäologen Fjodorow-Dawydow und Trepawlow. Die Funde der jüngsten Expeditionen haben ergeben, dass es hier Spuren der kiptschakischen Periode (10. - 11. Jahrhundert) gibt, also eine vormongolische Schicht.

So wird die Erkundung einer tieferen Erdschicht zweifellos zu neuen Erkenntnissen führen. Die Rekonstruktion dieser historischen Siedlung ist ein großer Gewinn für das Tourismusgeschäft, das bereits jetzt beachtliche Formen annimmt.

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