Reiseziele in Kasachstan: Grabung in Otrar
Die Siedlung des antiken Otrar liegt im heutigen Bezirk Otrar im Süd-Kasachstanischen Gebiet der Republik Kasachstan. Sein Territorium zieht sich an den Ufern des mittleren Laufs des Flusses Syrdari entlang.
Das historische Alter der Siedlung Otrar reicht von den ersten Jahrhunderten nach Christus bis in das 18. Jahrhundert. Bei der Grabung handelt es sich um die Reste der bekannten mittelalterlichen Stadt Otrar, die in fast allen geographischen und historischen Schriften mittelalterlicher Städte des Semiretsche und im Stadtregister von Ispidschab aufgeführt ist.
Die Anlage ist typisch für die meisten mittelalterlichen Urbanen Denkmäler Kasachstans und Mittelasiens. Die Zitadelle und die Stadt (schachristan) bilden eine fünfeckige Anhöhe von achtzehn Meter Höhe. Die Fläche der Anhöhe beträgt zwanzig Hektar. Die Südseite ist 380 Meter lang, die südwestliche Seite 145 Meter, die westliche 400 Meter und die östliche Seite 350 Meter lang. Die Stadt ist ringsum von einer Mauer umgeben, die auch heute noch einen steilen Winkel von 70-80 Grad aufweist.
Die Mauer hatte auch Türme. Hinter der Mauer sieht man einen muldenförmigen Graben von zehn bis fünfzehn Meter Breite. Es gab drei Zugänge zur Stadt. Zwei davon liegen einander gegenüber. Einer davon befand sich in der südlichen Mauer, der andere in der nordöstlichen Mauer und der dritte in der Mitte der Westmauer. Das Haupttor lag in der Südmauer. Es stand 125 Meter von der Südecke entfernt. Den Erhebungen an der Mauer nach zu urteilen, wurde das Tor von zwei Türmen flankiert. Die heute sichtbare, eine Vertiefung aufweisende Öffnung ist zwanzig Meter breit.
Das Südosttor stand dort, wo die Mauer eine Auskragung aufweist, was wohl der Verbesserung ihrer Schutzeigenschaften diente. Der Mauervorsprung ermöglichte es, ein gutes Stück Raum vor dem Tor zu kontrollieren.
Das dritte, westliche, Tor diente wohl als zusätzliches Nebentor. Es ist in der Topographie der Siedlung nicht so auffällig, seine Breite war geringer, als die der anderen beiden Tore und betrug etwa sieben bis zehn Meter.
Im Inneren der Mauer vor den Toren lag jeweils ein dreieckiger, mit der Breitseite an das Tor anschließender Platz.
Die Quellen verraten uns den Namen eines der Tore von Otrar. Dschuwejni berichtet: „Als Karatscha beschloss, keinen Widerstand mehr zu leisten, verließ er die Stadt durch das Tor des Sufi-Khan (Darwasa-i-Sufi)." Der Name des Tores leitet sich von dem Namen des verehrten Heiligen ab. Westlich der Stadt liegt das Mausoleum Arslan-Bab, das in der selben Zeit wie das Achmed Jassawi-Mausoleum errichtet worden sein soll. Doch wahrscheinlich wurde es, wie auch das Mausoleum des Achmed Jassawi, schon früher gebaut und das Darwasa-i-Sufi-Tor führte genau in seine Richtung. Wenn dies zutrifft, so handelt es sich bei dem Darwasa-i-Sufi-Tor um das Tor in der Westmauer.
Die Topographie Otrars bildete sich im Wesentlichen im späten Mittelalter aus (15.-18. Jahrhundert), deshalb lässt sich die Zitadelle heute nicht mehr erkennen und man kann ihre Lage nur vermuten.
Sie befindet sich im Zentrum der Anhöhe und weist eine dreieckige Form auf (220 x 220 x 230 Meter). An den Hügel, der von der Zitadelle und der Stadt eingenommen wird, grenzt das Gebiet der befestigten Vorstadt (rabad) mit einer Fläche von 150 Hektar. Nur an einige Stellen haben sich Reste der die Vorstadt umgebenden Mauern erhalten.
Die Ausgrabungen der Schichten des 7.-8. Jahrhunderts der Stadt Otrar haben gezeigt, dass es sich damals bereits um eine ausgebaute Stadt handelte. Entdeckt wurden Reste von Lehmziegelbauten und dabei eine ganze Sammlung Geschirr zusammengetragen. Typisch für dieses Hausgerät sind Krüge mit engem Hals und Schütten. Auch Leuchter auf säulenähnlichen Beinen und Münzen lokaler Prägung wurden gefunden » Die Zeit zwischen dem 11. und " 12. Jahrhundert war für den Süden Kasachstans eine Zeit der Städteentwicklung. Es entstehen neue Städte und vergrößern sich die alten. Otrar war zu dieser Zeit 200 Hektar groß. Das Stadtgebiet war eng mit Häusern bebaut, die Häuserblöcke und Stadtviertel bildeten. Zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert entstehen in den Städten öffentliche Gebäude, wie Badehäuser. In Otrar wurden auf dem Gebiet der Vorstadt zwei Badehäuser gefunden.
Unter den Grabungsfunden befindet sich Keramik des 9.-12. Jahrhunderts. Das auch auf dem Vorstadtterritorium gefundene Material aus den Tonbrennöfen ist von Interesse. Auch eine reichhaltige Sammlung von Glasgegenständen konnte zusammengetragen werden. Dazu zählen Fragmente von Karaffen, Tassen, Gläsern und Flakons. Auch viele Goldschmiedeprodukte, darunter Halsketten aus Granat, Sarder, Glas, Ringe, Armbänder aus Bronze beförderten die Archäologen ans Tageslicht. Die Blüte der Stadt wurde durch die Einfälle der Mongolen beendet. Zur Mitte des 13. Jahrhunderts hin wurde Otrar dann erneut zu einem großen Handelszentrum. Es ist auch bekannt als Münzprägestätte für Münzen, die in ganz Zentralasien zirkulierten.
In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts geriet Südkasachstan unter die Herrschaft Timurs. Timur starb in einem der Paläste Otrars. Mit dem Namen Timur ist in Otrar die Errichtung des Mausoleums über dem Grab des Lehrers des Achmed Jassawi, des Arys-tan Bab, verbunden. Das ursprüngliche Mausoleum ist nicht erhalten. Heute steht drei Kilometer westlich von Otrar ein Mausoleum, das anstelle des alten Gebäudes Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut wurde. In die Zeit Timurs gehört auch die in Otrar ergrabene Moschee.
Eine Vorstellung von Otrar vor der Mongolenherrschaft liefern die Schriftquellen, vor allem die Werke des Dschuwejni. Sie enthalten viele Angaben, die eine Idee von den Ausmaßen der Stadt kurz vor den Mongoleneinfällen vermitteln.
Dschuwejni berichtet, dass in Otrar eine Streitmacht von sechzigtausend Mann stationiert war. Sie war in der Zitadelle und in den äußeren, von Mauern geschützten, Befestigungsanlagen untergebracht, worunter man wohl die Stadt und die Vorstadt verstehen darf. Die Zahl der Krieger und die Beschreibungen einer ganzen Reihe von Befestigungsanlagen lässt vermuten, dass im 12. und beginnenden 13. Jahrhundert die Stadt nicht kleiner war, als es die heutigen Ruinen vermuten lassen. Das wird auch durch die überall auf dem Stadtgebiet gefundenen Fragmente keramischer Erzeugnisse des 11У12. Jahrhunderts bestätigt.
Dank der großangelegten Ausgrabungen in Otrar hat man eine Vorstellung von der städtischen Bebauung, der Anlage der Stadtviertel, der öffentlichen Gebäude und der Entwicklung neuer Wohnhaustypen erlangen können. Eines der Stadtviertel aus dem 13/14. Jahrhundert wurde auf einer Fläche von 2.300 Quadratmeter ergraben. Es bestand aus zwölf Einzelhäusern von 30-40 bis 250 Quadratmeter Wohnfläche. Die Häusertypen des 13/14. Jahrhunderts haben nicht viel mit denen des 11/12. Jahrhunderts gemein. Ein Stadtviertel aus dem 15. Jahrhundert hingegen, entsprach in seiner Anlage ganz der Planung des 13/14. Jahrhunderts.
Im 13/14. Jahrhundert ändert sich ganz wesentlich die Art der Keramik. Sämtliche keramischen Erzeugnisse wurden auf der Töpferscheibe aus festem grauem, gelbem oder rötlichem Ton hergestellt und außen mit hellem Guss versehen. Vom Leben in der Stadt zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert zeugen zwei Bebauungsschichten. Die untere wird auf das 16. bis frühe 17. Jahrhundert datiert, die obere auf das späte 17. Jahrhundert bis 18. Jahrhundert. Der Stadtplan, die Straßenverläufe und die Grenzen der Stadtviertel hatten sich in diesen dreihundert Jahren nicht verändert. Auch die Häuser waren immer noch vom selben Typ.
Die Untersuchung der Stadtviertel von Otrar ermöglichte es, Aussagen über die Einwohnerzahl zu machen. Es ließ sich feststellen, dass im 16.-17. Jahrhundert etwa fünftausend bis siebentausend Menschen in Otrar lebten.
Während der Ausgrabungen der spätmittelalterlichen Schichten Otrars wurden viele Keramikerzeugnisse, Metallgegenstände, Münzen und Schmuck gefunden. Die hier zusammengetragenen Sammlungen werden in vielen Museen Kasachstans verwahrt.

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