Reiseziele in Kasachstan: Botaj
Die archäologische Karte der Republik Kasachstan weist mehr als 27.000 archäologische Siedlungen auf, davon liegen zweitausend im Norden Kasachstans, die meisten davon entfallen auf die prähistorische Epoche. Ein einzigartiges Objekt, das in das 4.-3. Jahrtausend v.Chr. datiert, ist Botaj.
Die fünfzehn Hektar große Siedlung Botaj liegt an einer ebenen Stelle des ursprünglichen Ufers des Flusses Iman. Auf der Oberfläche sieht man Senken, Reste der vielen Behausungen. Es wurden hier mehr als zehntausend Quadratmeter Boden untersucht und etwa einhundert Behausungen. Dabei wurden mehr als 300.000 Artefakte gefunden und mehrere hunderttausend Knochen, davon 99,9 Prozent Pferdeknochen.
Die Wohnhäuser finden sich auf dem ganzen Siedlungsgebiet. Die Wirtschaftsgebäude liegen vorwiegend am Rand der Siedlung, am Flussufer. Sie sind in der Regel kleiner und haben keine Feuerstelle. Die Herde befanden sich draußen und waren von runder oder halbquadratischer Form. Die Wirtschaftsgebäude sind von langer und rechteckiger Form und mit einer Grube von eineinhalb Metern Tiefe versehen. In Botaj wurden viele Arbeitsgeräte gefunden, da hier nahe dem Wasser Felle, Rohmaterialien und Knochen verarbeitet wurden. Die Wohnhäuser lagen vorwiegend im Zentrum der Siedlung.
Die Forschungen in Botaj und die Entdeckung analoger Stätten (Krasny Jar, Roschtschinskoje, Sergejewka) haben eine bis dahin unbekannte Kultur zutage gefördert. Sie wird die Botaj-Kultur genannt. Die Träger dieser Kultur waren Protoindoeuropäer. Sie lebten in großen Siedlungen und führten einen differenzierten Haushalt. Der Kern ihres Wirtschaftssystems war die Pferdezucht. Außerdem ging dieses Volk der Jagd nach, betrieb Fischfang und verarbeitete Knochen, Holz und Stein. Sie stellten Koch- und Esskeramik her, die mit geometrischen Ritz,- Textil und Kammornamenten geschmückt war. Ausgehend von dem Fund der stilisierten Darstellung eines Rades und eines Tieres auf einem Gefäßfragment lässt sich vermuten, dass die Bewohner von Botaj über Wagen mit Rädern verfügten.
Die Ursprünge der Pferdezucht liegen in der vorangehenden Epoche der Jungsteinzeit, als die Fischer und Jäger zu einem sesshafteren Lebensstil übergingen und begannen, zusammen zu arbeiten. Die erste Etappe dieser Entwicklung, die Zähmung des Pferdes, fällt genau in diese Zeit. Mit der Zeit lernten die Menschen, Pferde zu züchten. Es war die zweite Phase auf dem Weg des Pferdes zum Haustier.
Ende des 4.-3. Jahrtausend v.Chr. war das Klima in der Steppe feuchter und die Vegetation üppiger. Nach Untersuchungen der Palynologen und Bodenspezialisten war das Gras bis zu zwei Meter hoch. Zu jener Zeit lebten hier Millionen Pferde. Natürlich waren es hauptsächlich wilde Pferde und um diese einzufangen, bedurfte es gezähmter Pferde. Dieser Umstand erklärt die geringen morphologischen Unterschiede zwischen den damaligen Hauspferden und Wildpferden. In unserer Zeit stellt sich dies als schwieriges wissenschaftliches Problem dar, doch gibt es auch hierzu schon einige Forschungsergebnisse. Forschungen des amerikanischen Wissenschaftlers D. Anthony haben gezeigt, dass an einigen der untersuchten Zähne von Botaj-Pferden Spuren von Trensen aus Bein und Haar nachzuweisen sind. Es gibt auch andere archäologische Beweise, dass Pferde in der Botaj-Kultur als Haustiere gehalten wurden (Schnallen und Zaumzeugelemente).
Im Jahr 2008 gelang es im biochemischen Labor der Universität Bristol (Großbritannien) nachzuweisen, woraus die Ablagerungen auf den Gefäßwänden der Botaj-Keramiken bestanden: es waren Fettmoleküle von Kumys, also natürlich vergorener Stutenmilch. Dies bestätigte die Annahme der kasachstanischen Wissenschaftler, dass die Vertreter der Botaj-Kultur im 4. Jahrtausend v. Chr. Pferdezucht betrieben und die Stuten melkten. Das ist eine kaum zu überschätzende Entdeckung für die Bewertung der Rolle der Steppenvölker in der Weltzivilisation.
Im Jahr 2004 wurde in nachgebauten Modellen von Wohnhäusern der Botaj-Kultur eine Ausstellung von archäologischen Funden organisiert. In Petropawlowsk soll nun eigens für diese Funde ein archäologisches Museum entstehen. Darüber hinaus ist die Einrichtung des kulturhistorischen Reservats „Botaj" geplant, sowie eine touristische Reiseroute, die über Naturdenkmäler, Geschichtsdenkmäler und archäologische Denkmäler Nordkasachstans führen soll. Seit drei Jahren werden an den Objekten in Botaj konservatorische Maßnahmen und archäologische Forschungen im Rahmen des staatlichen Förderprogramms „Erforschung und Erhalt des kulturhistorischen Erbes" vorgenommen.

Bestpreisgarantie

