Reiseziele in Kasachstan: Berg Scherkala
Wer das Mangistau Gebiet wirklich kennen lernen will, muss unbedingt die großartigen Canyons besuchen, über denen in all seiner Schönheit der Berg Scherkala thront.
Manche meinen, der Berg erinnere an eine Trinkschale, eine Piala, die ein Reisender umgestülpt hat, nachdem er seinen Durst gestillt hat. Andere meinen, der Berg ähnelt von der einen Seite einer Jurte und von der anderen Seite einem sich verbergenden Tier. Inmitten der öden Weiten erhebt sich der stolze Scherkala, der Sphinx-Berg, eigenwilligen und neugierigen Gaffern gegenüber ungnädig. Es ist schwer, dorthinauf zu gelangen, noch schwerer, wieder herab zu steigen. Seine Höhlen sollte man nicht betreten, denn sie sind voller Geister. So behaupten es die Einheimischen.
Der Berg Scherkala zählt zu den Heiligtümern Mangistaus.
Der Philosoph des Altertums Saadi sagte einmal: „Das Leben, das wir glückselig nennen, liegt auf einem Gipfel und dorthin führt ein steiler Weg." Ob er dabei an den Berg Scherkala oder an einen anderen dachte, ist ungewiss. Doch wenn man alle Schwierigkeiten überwindet und es bis auf seinen Gipfel schafft, empfindet man wahre Befriedigung, die man Glück nennen kann. Die Historiker glauben, dass sich auf seinem Gipfel einst eine Festungsstadt befand. Die Festung diente viele Jahrhunderte lang als steinerne Bastion, um die Eroberungsfeldzüge fremder Völker abzuwehren. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts war der Scherkala Residenz des Dschutschi, des Sohnes Dschingis Khans. Heute ist er ein beliebter Ort für Touristen und Besucher.
Über mehrere hundert Meter langgestreckt erinnert der Berg Scherkala an ein liegendes Tier, das seinen Kopf leicht anhebt. Scherkala bedeutet: „Löwen-Berg". Links von der Steilwand befindet sich eine schmale Felsspalte. Weiter oben führt über eine Anhäufung von Findlingen der Weg zu einer schwarzen Öffnung, einer Höhle. Einst befand sich am Berg die turkmenische Stadt Mankaschlak. Wie der arabische Gelehrte Al-Choresmi behauptet, wurde sie im Jahr 1138 von Schah Astys von Choresm erobert. Die Eroberer errichteten daneben ihr Verwaltungszentrum, Ksylkala. Dieses existierte bis zu der Eroberung durch die Mongolen. Der Legende nach versuchten die Eroberer aus Choresm die Siedlung auf dem Scherkala, die letzte Festung der turkmenischen Stämme, im Handstreich zu nehmen. Doch dies gelang ihnen nicht, da der Fels sich als unbezwingbar erwies. Danach begannen die Eroberer mit der Belagerung. Sie belagerten die Stadt vier Monate lang, doch die Turkmenen dachten gar nicht daran, sich zu ergeben. Es war ein Rätsel, wovon sie sich ernährten und vor allem, wo sie das Wasser hernahmen. Hatten sie etwa einen derart tiefen Brunnen angelegt? Die Streitmacht aus Choresm wusste, dass sie den Brunnen finden mussten, um den Widerstand zu brechen. Und sie fanden ihn. Wenn nun die Krüge sich an Seilen hängend zum Brunnen herabsenkten, wurde das Seil sofort durchgeschnitten. Die Lage der Belagerten wurde hoffnungslos und die Stadt fiel.
In der Siedlung Ksylkala wurde ein Mausoleum entdeckt, sowie drei Ziegelbrennöfen und einige Behausungen. Eines der Häuser, war offenbar ein öffentliches Gebäude, wahrscheinlich eine Karawanserei. Es bestand aus vielen „Zimmern" und einer „Küche". Man fand dort auch modellierte Keramik lokaler Produktion der Ogusen und aus Choresm importierte Töpferware, sowie Fragmente glasierter Keramik und Steinzeug aus Talkum, die in der Nähe des Berges Sultan-Uisdag hergestellt worden waren. Interessant ist, dass bei den Grabungen auf dem Scherkala und in Ksylkala keine einzige Münze gefunden wurde, obgleich die alten Städte an einem Handelsweg lagen. Offenbar handelte es sich vorwiegend um Tauschhandel. Der Handelsweg verlief auch am südlichen Ufer der Bucht von Mangyschlak. Dort fanden die Archäologen auf dem Berg Ajrakty ebenfalls Überreste einer ogusischen Siedlung. Auch diese Stadt soll der Überlieferung nach durch List erobert worden sein. Die Eroberer banden mit ihren Gürteln ihre Lanzen zu einer langen Leiter zusammen und kletterten im Schutz der Dunkelheit auf den Gipfel.



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