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Indien: Land & Leute

 
 

Land und Leute Indien

Traditionelles Fortbewegungsmittel am Fluss der einheimischen Bevölkerung in Indien (c) India Tourism Frankfurt

Besucher Indiens erfahren oft wenig über den Alltag der Inder, die sie im Hotel, bei der Fluggesellschaft, als Busfahrer, in den Dörfern und Tempeln, an heiligen Orten, in der Eisenbahn oder wo auch immer unterwegs treffen. Oft reichen die sprachlichen Verständigungsmöglichkeiten beider Gesprächsseiten nicht aus, mehr vom täglichen Leben zu verstehen. Eine interkulturelle Begegnung findet nicht statt.

Die folgende Stichpunkte sollen ein wenig von dem vermitteln, was nicht ohne weiteres in kunstgeschichtlichen Führern und bunten Bilderbüchern zu lesen ist: Was erlebt eine Inderin, ein Inder täglich zu Hause, auf der Arbeit, in der Freizeit, auf Reisen, wie unterscheiden sich Stadt und Land voneinander, was hat es mit dem Kastenwesen auf sich.

Wichtig ist aber, festzuhalten, dass in Indien der Gegenwart ein rapider sozialer Wandel stattfindet. Was gestern noch gültig war, ist heute schon verändert. Dieser soziale Wandel findet vor allem in den großen Städten statt, während in ländlichen Gegenden eher traditionelle Gesellschaftsstrukturen vorherrschen,

Familie in Indien

Sie ist die zentrale Stelle im Leben jedes Inders. In der Großfamilie (joint family) - in der Regel leben drei Generationen in einem Haus - hat jede und jeder seinen Platz, abhängig von Geschlecht und Alter. Die Alten nehmen den höchsten Rang ein, die untersten Positionen nehmen die Eingeheirateten ein, das ist normalenweise die Frau, die zum Mann und dessen Familie zieht. Damit ist ein Konflikt vorprogrammiert, der auch bei uns aus der Beziehung Schwiegermutter-Schwiegertochter entstehen kann. Der Mann schlägt sich oftmals auf die Seite der Mutter. Allerdings findet im Indien der Gegenwart ein rapider sozialer Wandel statt, in dessen Verlauf die eingeheiratete Frau erheblich an Status gewinnt. Im Gegensatz zu westlichen Kulturen pochen Inder kaum auf individualistische Selbstverwirklichung, sie verstehen sich als Teil der Gruppe. Anpassung und Gehorsam prägen das Zusammenleben.

Da keine mit Deutschland vergleichbare soziale Absicherung existiert, erfüllt die Familie eine extrem wichtige soziale Funktion für Notfälle (Krankheit, Arbeitslosigkeit, Alter, Tod). Insbesondere die Kinder tragen wesentlich zum Überleben ihrer Familien bei. Inder können sich kaum vorstellen, nicht verheiratet und Teil einer Familie zu sein, keine Kinder zu haben

Partnerwahl, Hochzeit in Indien

Vorbereitungen auf ein kulturelles Fest in Indien (c) India Tourism Frankfurt

In der Regel wählen junge Menschen ihren Ehepartner nicht selber aus (Liebesheiraten), sondern überlassen es ihren Eltern, die Ehe zu "arrangieren". "Wir vertrauen unseren Eltern. Sie kennen unsere Charaktere besser als wir". Die Eltern richten sich üblicherweise nach einer Reihe fester Regeln: streng genommen herrscht Endogamie, d.h. die Partnerwahl findet in der eigenen gesellschaftlichen Gruppe (Kaste) statt. (Aus)Bildung der Braut vermindert angenehm die zu zahlende Mitgift der Brauteltern. Die Braut bleibt vor der Hochzeit solange vor den Gästen verborgen, bis ihr zukünftiger Mann von einem weißen Pferd absteigt Dabei wird er von seinen Freunden und einer turbulente Musik spielenden Kapelle begleitet. Die allernächsten Anverwandten sitzen mit dem Brautpaar gemeinsam unter dem Hochzeitsbaldachin, wo ein Opferfeuer brennt und Kokosnüsse gespalten werden. Das Brautpaar wird dabei mit Blumen und Reiskörnern überhäuft. Der Bräutigam streicht Zinnoberpulver auf den Scheitel seiner Frau. Siebenmal führt er sie (an der rechten Hand) um das heilige Feuer. Schließlich erhält das Brautpaar eine Blumenkette umgehängt, Zeichen für Zusammengehörigkeit und eheliche Treue. Zum Schluss erhalten sie noch den Segen ihrer Eltern. Eine solche eheliche Verbindung kann unter besonderen Umständen, das Einverständnis des Kastenältesten vorausgesetzt, auch geschieden werden. Ein Teil des Brautpreises muss dann zurückgegeben werden. Gerade in diesem Bereich gibt es große Unterschiede zwischen Nord- und Südindien.

Familienplanung

Zwar sind (viele) Kinder für die Eltern auch eine Art Sozialversicherung. Sie arbeiten mit und tragen so zum Lebensunterhalt bei. Aber dort, wo der Wohlstand steigt, nimmt die Anzahl der Kinder ab. Der Staat propagiert die Zwei- bzw. sogar die Ein-Kind-Familie.

Wohnen in Indien

Außerhalb der großen Städte, wohnt die Großfamilie noch unter einem Dach. Im zentralen Innenhof trifft sich die Familie. Ein Wohnzimmer unter freiem Himmel. Die Schlafzimmer und auch die Viehstallungen münden mit Türen auf diesen Innenhof. Gebaut wird (preiswert) mit Lehm. Reichere bauen auch mit Beton, was als Zeichen von Wohlstand gilt. Mobiliar ist spärlich vorhanden. Stühle sind eher eine koloniale Errungenschaft. Toiletten (auf dem Land) sind eher weniger zu finden, zumal es auch nicht überall fließendes Wasser gibt. Die Küche ist das Reich der Hausfrau, bemerkenswert auch in der Stadt mit wenig Klein-Elektro-Geräten ausgestattet, wo doch in den Wohnungen des städtischen Mittelstandes Video und TV fast zur Selbstverständlichkeit gehören.

Kinder in Indien

Tanz in Indien (c) India Tourism Frankfurt

"Ein Haus ohne Kinder ist wie ein Körper ohne Seele, ein Baum ohne Äste". Wichtig ist, einen Sohn zu haben, damit dieser traditionell bei der Einäscherung seines Vaters dereinst die Flamme entzünden kann. Später setzt er dann für seinen Vater ein Jahr lang mit weiteren Ritualen in Tempeln den Totendienst fort

Frauen in Indien

Die Rolle der Frau in Indien ist aus dem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang begreifbar. Zwischen der Dorffrau und der städtischen Akademikerin liegen Welten. Doch auch heute leben noch rund 70% der Gesamtbevölkerung in Dörfern. Ist die Frau unverheiratet, verwitwet, geschieden oder kinderlos, hat sie auch heute noch einen schweren Stand. Bei den vorherrschenden patriarchalischtraditionellen Gesellschaftsstrukturen hat die Frau weniger soziale Chancen, erhält oftmals weniger Ausbildung. Gleichstellung, Selbstbestimmung oder gar Selbstverwirklichung sind noch nicht durchgängige Wirklichkeit.

Das Idealbild der Frau (vgl. die Rolle der Sita im Ra- mayana-Epos) ist eheliche Treue und Gehorsam. Kindererziehung und Familienzentriertheit sind die vornehmsten Aufgaben der Frau.

Immerhin gibt es seit 1950 das Wahlrecht auch für Frauen, seit 1955 das Scheidungs- und seit 1956 ein Erbrecht für Frauen. "Die Gesetze zum Schutz der Frau reichten aus, wenn nur Politiker, Polizei und Richter für ihre Einhaltung sorgten", sagte Madhu Kishwar, Herausgeberin einer Frauenzeitschrift.

Schule, Bildung in Indien

Früher konnten nur die Brahmanen (höchste Kaste) lesen und schreiben. Bildung war also einst durch die Kaste bestimmt. Heute spielt das Einkommen die größere Rolle. Schulpflicht ist zwischen dem 7. und 14. Lebensjahr, aber auf dem Land müssen die Kinder auch mitarbeiten. Die Regierung hat zur Förderung der Chancengleichheit in vielen Bildungseinrichtungen den unteren sozialen Schichten Quoten eingeräumt (49,5%), was zu erheblichen sozialen Unruhen führte. Bildung ist neben einem Stadt-Landgefälle auch regional sehr verschieden verteilt.

Zeit und Zeitgefühl

Die Rede ist hier nicht von der kosmologischen Abfolge verschiedener religiös begründeter Weltzeitalter, sondern vom Zeitgefühl im Alltag. Ein Volk, das fest an den Kreislauf von Wiedergeburten glaubt, für "Gestern" und "Morgen" dieselben Vokabeln benutzt, wird ein anderes Verhältnis zur Zeit entwickeln als Europäer. Weniger Stress, weniger Termindruck - so wird es auch der Europäer erleben. Verspätungen im privaten Bereich sind normal - die Inder sprechen liebevoll ironisch von "Indian Standard Time". Hingegen herrschen im Geschäftsleben präzise Zeitvorstellungen. Touristen und Geschäftsreisende werden also angenehme Erfahrungen sammeln.

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