Kunst und Handwerk in Rajasthan
Kunsthandwerk in Indien (c) India Tourism Frankfurt |
Mit Blick auf Kunst und Handwerk gehört Rajasthan zu den reichsten Bundesstaaten Indiens. Möglicherweise ist dies ein Ergebnis des kriegerischen Lebens, das für die Völker Rajasthans immer gegenwärtig war. Dieses Leben schärfte die künstlerischen Fähigkeiten und hat die Menschen dazu inspiriert, prachtvolle, üppige Schätze aus Stein, Ton, Leder, Holz, Elfenbein, Lack, Glas, Messing, Silber, Gold und Textilien zu erschaffen.
Die Kunst blühte in dieser Region schon im 2. Jahrhundert v. Chr. In Baroli, in der Region Hadoti, gibt es zahlreiche Skulpturen einer Kunstschule aus dem 10. Jahrhundert. Die Höhlenmalereien und die Terrakotta- und Steinskulpturen, die an verschiedenen Stätten ausgegraben wurden, legen Zeugnis darüber ab.
Jedes Zeitalter der Geschichte leistete einen eigenen Beitrag zur blühenden Kunstszene. Die Geschichte Rajasthans zeigt, dass die Könige und der Adel die Kunst sehr förderten. Als Schirmherren unterstützten sie alle Kunsthandwerker, gleich, ob sich diese mit Holzschnitzereien, Marmorarbeiten, Webereien, Töpfereien oder Malerei befassten. Kunst scheint geradezu eine Leidenschaft bei den Einheimischen in dieser kargen Landschaft gewesen zu sein. Der Wunsch, ihre Umgebung zu verzieren, war sehr stark ausgeprägt. Es wurde nichts übersehen: Tiere, vom königlichen Elefanten bis zum einfachen Esel, zierten die großen Paläste und Innenräume der düsteren Festungen. Sie wurden mit ebenso viel Sorgfalt verziert wie die Wände der bescheidenen Lehmhütten. Auch die Einwohner behängten sich gerne mit persönlichem Schmuck, wobei dies nicht nur für die Frauen galt. Die heldenhaften Krieger schenkten ihrer Kleidung ebenso viel Aufmerksamkeit wie ihrer Rüstung. Sie gingen mit fein verzierten Schwertern und Schilden in den Krieg. Die Pferde der Krieger erhielten mit Juwelen bestickte Sättel und die Elefanten feinste Silbersitze.
Für die Frauen gab es eine unübersehbare Vielfalt: gefärbte Stoffe in der Technik der Knüpfbatik, bestickte Kleidung, Emailleschmuck mit Intarsien aus Edel- und Halbedelsteinen und Ledersandalen. Im Haus beschäftigten sie sich mit der ästhetischen Gestaltung der Räumlichkeiten. Auf die Wände ihrer Lehmhütten malten sie geometrische Muster und einfache Motive wie Blumen und Vögel. Die Fußböden verzierten sie mit feinsten Bildern.
Die Frauen formten Stroh und Hanf zu schönen Gebrauchsgegenständen. Sie bewiesen großes Geschick in der Nähkunst und bei der Papiermacheverarbeitung.
Als die Rajputen diese Region beherrschten, führten sie ständig Kriege mit Nachbarreichen. Fiel ein Königreich und wurde es von einem neuen Herrscher übernommen, wurden neue Gemälde hergestellt, die den Sieg des neuen Herrschers feierten. Kampfszenen und Siegesmärsche wurden auf Wänden und auf handgemachtem Papier im Detail gezeigt.
Tribal Dance in Indien (c) India Tourism Frankfurt |
Abgesehen von solchen Gemälden beeinflussten die neuen Herrscher auch andere Künste der Region. Trotz ihrer Liebe zum Schlachtfeld sind die Rajputen auch Kunstmäzene gewesen. Auch der 350 Jahre währende Kontakt zu den Moguln übte einen sehr starken Einfluss auf das Leben und die Kunst aus. Einige Volkskünste erreichten die Perfektion, die an den Mogulhöfen herrschte. Die Rajputen ahmten gerne den Stil der Königshöfe von Delhi und Agra nach. In einigen Fällen schickten sie auch ihre eigenen Kunsthandwerker an die Mogulhöfe.
Die Rajputen-Herrscher förderten die Handwerker darin, Schulen zur Verbreitung ihrer Kunst einzurichten. Jedes rajputische Fürstentum hatte seinen eigenen Handwerksstil. Bis heute hat jede kleine Stadt und jedes Dorf Gassen, in denen Handwerker ihre Kunst ausüben, die sie von ihren Vorfahren ererbt haben.
Dazu gehören:
Meenakari: Raja Man Singh von Amer brachte diese feine Kunst nach Jaipur, indem er fünf fähige Emaillearbeiter aus Lahore einlud. Diese Kunst blühte mit den Jahren immer mehr auf und ist heute weltweit berühmt. Jaipur-Menakari ist besonders für seine Feinheit und seine Farben bekannt. Pratagarh und Nathdwara sind zwei weitere Zentren, in denen Emaillearbeiten hoher Qualität angefertigt werden.
Elefanten Festival in Indien (c) India Tourism Frankfurt |
Schmuck: Rajasthan ist reich an Schmuck. Jede Gegend besitzt ihren eigenen Stil. Stammesangehörige Frauen tragen schweren einfachen Schmuck. Das große Gewicht (fast fünf Kilogramm) scheint ihnen nichts auszumachen. Auch Männer tragen Halsschmuck und Ohrringe.
Elfenbein: Die Elfenbeinarmringe, die von Frauen getragen werden, sollen Glück bringen. Elfenbein wird auch mit Intarsien versehen und in zierliche geschmackvolle Formen geschnitzt. Auch Miniaturbilder werden auf Elfenbein gemalt.
Lackarbeiten und Glas: Holzschnitzereien gibt es in unzähligen Formen. Sie sind sehr preiswert.
Stein: Statuen mit religiösen Motiven werden in ganz Rajasthan angefertigt. In zahlreichen Städten gibt es noch vollständig erhaltene Gassen, in denen man Bildhauer bei ihrer Arbeit beobachten kann. Andere Handwerkskünste wie die Herstellung blauer Töpferware, Handblockdruck, Knüpfbatik, Terrakottaskulpturen, Malerei auf Kamelhaut, Stickerei, Stoffmalerei, Teppiche, Durries, Intarsienarbeiten auf Messing und Holz sind in ganz Rajasthan zu finden.

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