Weltkulturerbe in China: Diaolou und Dörfer in Kaiping
China, Kaiping, Häuser Diaolou Baustil (c) China Tours / Onebillionvoices |
Bewertung durch die Welterbe-Kommission
Die Turmhäuser (Diaolou) von Kaiping sind außerordentlich malerisch. Sie sind ein Beispiel für das harmonische Miteinander unterschiedlicher Kulturen. Als historisch-kulturelles Erbe ist Kaiping in der Welt einmalig.
Allgemeiner Überblick
Die Turmhäuser (Diaolou), die im Gebiet der Stadt Kaiping in der Provinz Guangdong stehen, sind weltbekannt. Sie entstanden seit Beginn der Qing-Dynastie (1616-1911). Es handelt sich dabei um mehrgeschossige Bauten, bei denen Schutz- und Wohnfunktionen sowie ein gemischter west-östlicher Architekturstil eine Einheit bilden.
Die Formen der Diaolou von Kaiping sind sehr ungewöhnlich. Sie wurzeln in der Geschichte der Auslandschinesen, in ihren sozialen und kulturellen Traditionen. In alten Zeiten war die öffentliche Sicherheit in Kaiping nicht gewährleistet, weil es ständig zu Überschwemmungskatastrophen kam. Die örtliche Bevölkerung in den Dörfern sah sich daher veranlasst, zum eigenen Schutz hohe Bauwerke zu errichten. Am Ende der Qing-Dynastie (1516-1911) und in der Zeit der Republik China (1912-1949) verließen sehr viele Bewohner die Gegend von Kaiping, um ihren Lebensunterhalt im Ausland zu verdienen. In dieser Zeit entwickelten sich die Diaolou-Bauten, die sich sowohl an östlicher als auch an westlicher Architektur orientierten, besonders zahlreich. In der Blütezeit der Diaolou soll es mehr als 3 000 solcher Bauten gegeben haben.
Im Gebiet der Stadt Kaiping sind die Diaolou so zahlreich wie die Sterne am Himmel. Etliche zehn Kilometer weit ragen sie überall empor, ein herrlicher Anblick so weit das Auge reicht. Die Fundamente sind bei allen diesen Gebäuden gleich. Sie sind im Allgemeinen so hoch wie ein normales Wohnhaus, ihre Mauern sind dich und fest, die Fensteröffnungen relativ klein, aber mit Eisengittern und Fensterläden aus Eisenplatten versehen. Die oberen Stockwerke der Gebäude sind besonders ausdrucksvoll gestaltet und faszinieren den Betrachter. Die Dachgeschosse zeigen sich nämlich in mannigfaltiger Gestalt, manche sind im chinesischen Stil gebaut, andere weisen eine Vermischung von östlichen und westlichen Architekturstilen auf. Es gibt altrömische Formen, wieder andere erinnern an militärische Forts in Amerika, an europäische Landhäuser oder Adelsburgen.
Hinsichtlich des Baumaterials kann man die Diaolou in vier Gruppen einteilen: solche aus Stein, aus gestampftem Lehm, aus Ziegeln oder aus Beton. Vor allem die Beton-Diaolou verkörpern am deutlichsten die architektonische Vermischung von östlichen und westlichen Stilen. Sie zeigen, wie die Auslandschinesen die Baukunst der verschiedensten Länder zum Vorbild genommen haben, um ihre Diaolou aus Zement, Sand. Steinen und Stahl fest und dauerhaft zu errichten.
Hinsichtlich der Funktionen gibt es drei Arten von Diaolou: Gemeinschafts-Diaolou, Wohn-Diaolou und Geng-Diaolou. Die Gemeinschafts-Diaolou erhielten ihren Namen, weil alle Einwohner eines Dorfes oder alle Mitglieder einer bestimmten Sippe Geld sammelten, um gemeinsam ein solches Bauwerk zu errichten. Jede Familie bekam einen Raum in dem Dialou zugeteilt, in dem sie sich rechtzeitig vor Räubern oder Hochwasserfluten in Sicherheit bringen konnte.
Die Wohn-Diaolou wurden von wohlhabenden Familien selbst finanziert und gebaut, hier bildeten Wohn- und Schutzfunktion eine Einheit. Diese Bauten sind hoch, geräumig und praktisch.
Die Geng-Diaolou wurden hauptsächlich am Rande oder außerhalb der Dörfer errichtet, auf einem Hügel oder am Flussufer, um frühzeitig vor anrückenden Räubern und anderem Unheil zu warnen.
Die Diaolou von Kaiping sind ein historisches Zeugnis dafür, wie chinesische Dörfer fremde Kulturen aufgenommen haben. Sie sind ein herausragendes Symbol für die Kultur der Auslandschinesen.
Website: www.kptour.com
Touristen-Service
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Verkehr
Die Stadt Kaiping liegt eineinhalb Autostunden von Guangzhou entfernt. Von dem neben dem Bahnhof Guangzhou gelegenen Guangdong-Busbahnhof fahren planmäßig Busse nach Kaiping, und zwar von morgens 6.30 Uhr bis abends 19.30 Uhr alle 30 Minuten. Ihre Fahrtroute führt dicht an den berühmten Diaolou vorbei. Die Buslinie Yici - Magang passiert Yinglonglou, Jianadacun, Liyuan, Fangshidenglou und Zilicun. Die Buslinie Yici - Jinji passiert Yinglonglou, Jianadacun,Chikanguzhen, Majianglong-Diaolou, Shilu, Yanpinglou und Jinjingli - Ruishilou.
Shopping
Wer Kaiping besucht, sollte auf der 800 Meter langen und 21 Meter breiten Touristen- Einkaufsstrasse bummeln gehen. Man kann von dort gut die Dach-Stockwerke bewundern, zum Beispiel solche, die aussehen wie das Weiße Haus in Washington, der Triumphbogen in Paris, eine alte Burg in Deutschland, die Tower-Bridge in London oder eine holländische Windmühle. Wie bei einem Parkspaziergang findet man Springbrunnen, Pavillons, Freiluft-Teestuben und Schnitzdekors aus Jade. Ein Spaziergang in dieser Umgebung stimmt jeden froh und heiter.
Traditionelle Produkte von Kaiping sind hauptsächlich „Jinshan-Feuerknoblauch", Shiukou-Baicaigan (eine Weißkohlspeise) und Kaiping-Furu (gegorene Milch).

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