Übersicht - Chinas Gärten
Die Kunst der Gartengestaltung ist ein Kleinod in der chinesischen Kultur, die sich einer langen Geschichte erfreut. Der chinesische Garten ist eine Kunstform, welche nach einer harmonischen Vervollkommnung und einem eleganten Stil mit origineller Anordnung und sinnbildlichem Gehalt strebt. Dafür wird er mit Recht als „die Mutter der Gärten in der Welt" gerühmt.
Die Anfänge der chinesischen Gärten lassen sich bis zur Periode der Shang- und Zhou- Dynastie vor 3000 Jahren zurückverfolgen. In den nachfolgenden Perioden wurde die Kunst des Gartenbaus ständig weiter entwickelt und verbessert. Als Ergebnisse davon entstanden auf dem chinesischen Boden zahlreiche Gärten, deren Schönheit ihresgleichen auf der Welt sucht. In der Zeit der Ming- und Qing-Dynastie (1368-1911) erlebte diese Kunst einen weiteren Höhenflug, deren Krönung die Gärten in Suzhou, die Kaiserliche Sommerresidenz in Chengde, der Sommerpalast und der Himmelstempel in Beijing sind.
Die chinesischen Gärten zeichnen sich durch künstlerische Gestaltung aus. Mit großem Kunstverständnis wurden natürliche Berge, Wasser, Blumen und Bäume in einem begrenzten Raum verlegt. Durch geschickte Gesamtanordnung, durch Gehöfte, durch bizarre Felsbildungen und Bepflanzungen haben sich Menschenwerk und Natur miteinander in Einklang gebracht. Die regelmäßigen Bauten stehen im scharfen Kontrast mit unregelmäßigen Felsgebilden und Bäumen, wodurch eine künstlerische Wirkung der harmonischen Ergänzung und der Vergrößerung im Kleinen erzielt worden ist. Das Besondere dieser Kunst besteht darin, die Nutzung der Natur mit der Anpassung an ihr zu verbinden und dadurch über sie sich zu erheben. Die chinesische Gartenkunst ist eine prachtvolle Blüte in der Gartengestaltung über die chinesischen Grenzen hinaus.
Heute stehen viele chinesische Gärten den Besuchern aus aller Welt offen. Sie sind touristische Angebote, die viel Anklang finden. Zusammen mit der Großen Mauer, der Ausstellung der Terrakotta-Armee des ersten Kaisers der Qin-Dynastei in Xi'an, den drei Schluchten des Changjiang-Flusses (Yangtse) und anderen Sehenswürdigkeiten sind sie ein wichtiger Bestandteil vielfältiger Tourismusressourcen in China geworden.
Kaiserliche Parks
Mit kaiserlichen Parks sind im allgemeinen Parks gemeint, die den Kaisern und ihren Familien als Wohnsitz und Vergnügungsstätten dienten, gelegentlich auch als Stätten für die Erledigung von Regierungsgeschäften. Sie sind eine wichtige Sorte der chinesischen Gärten und eine prächtige Perle auf der Krone der Gärten in der Welt. Was das Ausmaß und die Errungenschaften dieser Parks betrifft, stehen Beijing und Chengde in der Provinz Hebei an der Spitze. Als repräsentativste Parks dieser Art sind der Sommerpalast und der Kaiserpalast in Beijing und die Sommerresidenz in Chengde zu nennen.
Touristische Anleitung
Die Besonderheiten der kaiserlichen Parks sind die folgenden:
-Großes Ausmaß. Ein kaiserlicher Park ist großartig, beherbergt eine Vielzahl von imposanten und prächtigen Bauwerken, welche die kaiserliche Autorität geltend machten.
- Die Gebäude vereinigen verschiedenste Stilelemente der Architektur in sich. Ein kaiserlicher Park bietet den Besuchern die Gelegenheit, vielfältige Stile des Gartenbaus kennenzulernen: zierliche Stile der Gärten in Südchina, wie sie in den 6 Brücken auf dem Damm des Herrn Su (Suti) in Hangzhou, im Löwenwald in Suzhou, in den Pagoden in Zhejiang zum Ausdruck kommen, und verwegene, von den Besonderheiten der nationalen Minderheiten geprägten Stile des Pagodebaus, wie in der Weißen Pagode im Beihai-Park. Im „Europäischen Gebäude" im Alten Sommerpalast gewinnt man auch einen Überblick über europäische Stilelemente während der Renaissance -Periode.
- Allseitige Funktionen: Ein kaiserlicher Park musste geeignet sein für die Erledigung der Regierungsgeschäfte, für Theaterbesuche, Wohnen, religiöse Ausübung, Vergnügung und nicht zuletzt für die Befriedigung der Jagdlust.
Klassifikation der chinesischen Gärten
Der chinesische Garten stellt einen spezifische Kategorie in der traditionellen Kultur und Kunst Chinas. Auf den Bedarf der Menschen nach Erholung, Vergnügen und Wohnen zugeschnitten, integriert ein chinesischer Garten die von Menschen geschaffenen Szenerien in die natürliche Landschaft. In dem Garten sind Architektur, Malerei, Literatur, Kalligrafie und Gartenkunst zu einem harmonischen Ganzen verschmolzen.
Nach verschiedenen Gesichtspunkten kann man die chinesischen Gärten in folgende Typen einteilen:
Erstens. Die Gärten des ganzen Landes können in kaiserliche Parks und Privatgärten unterschieden werden.
Zweitens. Nach ihrer geografischen Lage können sie in die nordchinesischen Gärten, südchinesischen Gärten und die Lingnan-Gärten eingeteilt werden. Die nordchinesischen Gärten mit ihren Repräsentanten in Beijing konzentrieren sich in den alten Hauptstädten Xi'an, Luoyang, Kaifeng und Beijing. Die südchinesischen Gärten mit ihren Repräsentanten in Suzhou befinden sich größtenteils in Nanjing, Wuxi, Suzhou und Hangzhou. Die Lingnan-Gärten haben ihre Standorte in Guangzhou, Dongguan und Shunde.
Drittens. Nach der Zugehörigkeit kann man die Gärten in vier Typen aufteilen: Kaiserliche Parks, Privatgärten, Tempelanlagen und natürliche Landschaftsparks. Zu den Tempelanlagen zählen der Jin-Gedenktempel in Taiyuan und der Tempel Tanzhesi in Beijing, während der Westsee in Hangzhou, der Daming-See in Jinan berühmte natürliche Landschaftsparks sind.
Viertens. Nach ihrer unterschiedlichen Gestaltung kann man die chinesischen Gärten in regelmäßige, natürliche und gemischte Gärten aufteilen. Allgemein beurteilt, überwiegt in der westlichen Gärten die regelmäßige Form, während die chinesischen Gärten die natürliche Form vorziehen, seien es die kaiserlichen Parks, Privatgärten.
Architektonische Struktur und Besonderheiten der chinesischen Gärten:
Die Bauten in den chinesischen Gärten erfüllen unterschiedliche Funktionen und wenden unterschiedliche Methoden der Szenengestaltung an. Nachfolgend geben wir einen Überblick über unterschiedliche Bauwerke:
Ting (Halle). Die Halle diente dem Besitzer als Empfangsraum, Festsaal, als Platz, von wo aus man Blumen und Bäume betrachtet oder sich kleine Theateraufführungen ansieht. Sie erfüllt eine öffentliche Funktion. Um ihr gerecht zu werden, musste eine Halle über einen großen Raum verfügen, elegant und stilvoll gebaut sein mit Pflanzen und künstlichen Bergen an der Front. In der Regel ist eine Halle mit Fenstern und Türen vom und hinten versehen. Es gibt auch eine Art Halle, die auf ihren vier Seiten mit Fenstern und Türen ausgestattet ist, Vier- Seiten-Halle genannt.
Tang (Wohnhalle) Eine Wohnhalle ist das Hauptwohnzimmer, in dem in der Regel der Familienvater wohnte und Familienfeste gefeiert wurden. Der Innenraum des auf der Zentralachse angelegten Hauptwohnzimmers wurde geschmackvoll eingerichtet und durch Trennwände, Wandschirme oder Antiquitätengestelle in mehrere Räume untergeteilt. Die „Wohnhalle" hat oft einen vornehmen Namen wie „Shende Tang" (Vorsicht -und Tugendhalle) oder Bingli Tang (Anstandsüberwachungs-Halle).
Lou (ein höheres Haus) Mit „Lou" meint man ein zwei- oder mehrstöckiges Haus. Während der Ming-Dynastie (1368- 1644) lag ein solches Haus meistens hinter der Halle und Wohnhalle. Es diente als Schlafzimmer oder Studienzimmer, oder als Platz mit Aussicht, besonders dann, wenn das Haus am Wasser oder an einem Berg stand.
Ge ( ähnlich wie „Lou") Ein „Ge" ist ein zweistöckiger Pavillon mit Fenstern auf allen vier Seiten. Er diente als Bibliothek, als Platz zur Betrachtung der Landschaft oder auch als Altar für Buddhastatuen.
Ting ( Pavillon, Kiosk, Gartenpavillon). Ein Pavillon ist ein Bau im Garten, in dem man sich ausruht oder Landschaft betrachtet. Er bildet eine Szenerie an sich. Je nach den Bodenformen weist ein Pavillon eine Formenvielfalt auf: quadratischer, runder, sechseckiger, achteckiger, fächerförmiger. Außerdem gibt es Kiosks an der vorspringenden Stelle eines Wandelgangs oder am dessen Ende oder an irgendwelcher Ecke. Kiosks wurden auch an einer Mauer oder Türdurchgang gebaut.
Lang (Korridor oder Wandelgang). Ein Wandelgang stellt nicht nur Verbindungen zwischen verschiedenen Bauwerken her, sondern stellt er auch eine wichtige Methode zur Aufteilung der Räume und zur Herausbildung von Szenerien dar. Ein bemalter, gewinkelter Wandelgang ist ein Schmuckelement an sich.
Xie (Wasserpavillon) Das hervorstechende Merkmal eines Wasserpavillons ist seine Lage am Wasser. Der über Wasser stehende Pavillon hat meistens eine schöne Konstruktion. Er dient hauptsächlich als Schmuckelement für die Ufer und die Wasserfläche.
Qiao (Brücke). Eine Brücke im Garten ist nicht nur eine Verkehrseinrichtung, vielmehr verziert sie die Umgebung.
Ta (Pagode) Eine Pagode ist ein wichtiger buddhistischer Bau. In einem Garten bildet sie den Blickfang und ein Element für Szenerieschaffung.
Mauer. Aus Ziegeln, Steinen oder Erde gebaute Mauern dienen als Abschirmung. Sie unterscheiden sich in Außen-und Innenmauern. Die Mauern haben viele Formen. Sie sind mit offenen Fenstern oder Öffnungen versehen. Die Mauerköpfe und-kronen sind mit Ornamenten geschmückt.

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