Beijing: Kaiserpalast
Der Kaiserpalast wird auch als die „Verbotene Stadt" bezeichnet. Der 720 000 m2 umfassende Baukomplex (960 m in der Länge,750 m in der Breite) war, 1406 mit den Bauarbeiten begonnen, der Regierungssitz der Ming-und Qing-Kaiser. Mit einer bebauten Fläche von 150000 m2 ist er der umfangreichste Palastbau in der Welt. Die ganze Anlage wurde von Kuai Xiang (1398-1481) entworfen. Unter dem Einsatz von 300 000 Handwerkern und sonstigen Arbeitskräften dauerte der Bau rund 14 Jahre. Erbaut wurden 9999,5 Räume. Die drei großen Hallen - die Halle der Höchsten Harmonie (Taihe Dian), die Halle der Vollkommenen Harmonie (Zhonghe Dian) und die Halle der Erhaltung der Harmonie (Baohe Dian) - bilden die Hauptbauten, die auf einer Süd-Nord-Achse angeordnet sind. Alle anderen Bauten gruppieren sich zu den beiden Seiten der zentralen Achse. Die zahlreichen Baugruppen zeichnen sich durch eine Gliederung von Haupt- und Nebenbauwerken und einer wohlgeordneten Symmetrie aus.
Im Dezember 1987 nahm die UNESCO den Kaiserpalast in die Liste der Weltkulturerben auf.
Der Kaiserliche Blumengarten in Beijing
Auch der Hintergarten des Palastes genannt, wurde der Blumengarten im Jahre 1420, also in der Regierungszeit des Ming-Kaisers Yongle, erbaut. Gelegen nördlich des Palastes der Irdischen Ruhe (Kunming Gong) ist der Garten ein typischer kaiserlicher Park mit Gebäuden als Hauptbestandteil. Er ist 130 m lang in der Ost-West-Richtung und 90 m breit in der Süd-Nord-Richtung. Seine Fläche beträgt 11 700 m2. Als eine Ergänzung zum Hauptpalast sind die Gartenbauten symmetrisch aufgegliedert. Felsbrocken und Bäume erfüllen nur den Zweck, mit den Bauwerken zu kontrastieren. Der Blumengarten ragt durch seine straffe
Struktur und seinen Prunk heraus. In der ernsten Anordnung bietet die ganze Anlage Abwechslung und erhöht die höfische Atmosphäre.
Die Halle des Kaiserlichen Seelenfriedens (Qinan Dian) in Beijing
Die Halle des Kaiserlichen Seelenfriedens, gelegen in der Mitte des Kaiserlichen Blumengartens, ist das hiesige Hauptbauwerk. Sie teilt den Garten in den östlichen und westlichen Teil, Beiderseits Gruppen sich über 20 Bauten unterschiedlicher Stile. Kleine Pavillons und Terrassen schmücken das übrige Gelände. Hier kann man die symmetrisch gegliederten Bauten nicht gleichzeitig erblicken, so dass optisch der Eindruck erweckt wird, der eigentlich nicht große Garten sei sehr groß.
Auf einem Marmorsockel ruhend, hat die Halle Säulen und Balustraden mit Motiven von formschönen Drachen und Phönix, alles Schnitzwerke aus der Ming-Dynastie. Der flache Dach ist vierseits von Gesimsen umschlossen. In der Halle wurde die höchste Gottheit des Daoismus Zhen Wu geehrt.
Der Hügel der aufgetürmten Eleganz (Duixiu Shan) in Beijing
Nordöstlich der Halle des Kaiserlichen Seelenfriedens ragt der Hügel der aufgetürmten Eleganz heraus, erbaut in der Regierungszeit des Ming-Kaisers Wan Li (1573- 1620). Der Hügel wurde aus bizarren Steinen des Taihu- Sees aufgeschichtet. In der Mitte des Hügels wurde eine Höhle angelegt. Links davon fällt einem eine Steingravur mit der Inschrift „Wolkenwurzel" ins Auge, geschrieben vom Kaiser Qianlong. Auf dem Gipfel des Hügels feierten der Kaiser und sein Harem jedes Jahr das Doppel-Neun-Fest (gemeint der 9. Tag des 9. Monats nach dem chinesischen Mondkalender) im Kaiserlichen Pavillon zur Betrachtung der Landschaft (Yujing Ting). Hier bot sich den Anwesenden ein fantastisches Panorama der Verbotenen Stadt und des Kaiserlichen Blumengartens. Dem Pavillon gegenüber befindet sich der zweistöckige Pavillon der Andauernden Herrlichkeit (Yanhui Ge). In der ausgehenden Qing-Dynastie fand hier die Brautschau für den Kaiser statt.
Das Studio der Moralischen Vervollkommnung (Yangxin Zhai) in Beijing
Westlich des Kaiserlichen Blumengartens findet man das Studio Yangxin Zhai, ebenfalls ein Bauwerk aus der Ming-Zeit. Auf einer H-Plattform stehend, ist dies ein Gegenstück des gegenüberliegenden Pavillons des Rötlichen Schnees (Jiangxue Xuan), der auf einer fl-Plattform eingebettet ist. Umgeben von einer lieblichen Landschaft von künstlichen Felsen und Wandelgängen hielten sich der Kaiser Jiaqing und der Kaiser Daoguang gern lesend und ausruhend hier auf. Der Engländer Reginald Johnston lehrte hier den letzten Kaiser Pu Yi Englisch.
Der Pavillon des Ewigen Frühlings (Wanchun Ting) im Osten korrespondiert mit dem Pavillon des Tausendfachen Herbsts (Qianqiu Ting) im Westen. Beachtung findet auch ein etwa 1000 m langer, schmaler Pfad, der aus bunten Steinchen ausgelegt ist. Zu bewundern sind hier sowohl kunstvolle Pflanzen- und Tiermosaiken als auch Szenen aus den Geschichten des Drei Reiches und Theaterfiguren.
Neben unverwechselbaren Bauwerken verleihen mehrere hundert alte Bäume dem Kaiserlichen Blumengarten ein besonderes Gepräge. Die merkwürdig gewachsenen Bäume sind eine große Attraktion für die Besucher. Seltsame Blumen und Sträucher, Goldfische im Teich, rote Mauern und goldene Glasuren der Dächer, das alles hebt sich von den zahlreichen anderen Palastbauten ab.
Der Qianlong-Garten in Beijing
Der Bau des Qianlong-Gartens, auch als der Garten des Palastes des Ruhevollen Alters (Ningshou Gong) bekannt. Der Bau begann im Jahre 1772 (im 37. Regierungsjahr des Kaisers Qianlong). Nach vier Baujahren wurde der Garten eingeweiht. Der Palast des Ruhevollen Alters war ein Alterssitz, der extra für den Kaiser Qianlong (60 Jahre als Kaiser) gebaut worden war. Es war also kein Zufall, das nordwestlich davon ein Garten angelegt wurde, damit der abgedankte Kaiser hier seine alten Tage genießen könnte. Der populäre Name „Qianlong-Garten" rührt eben von daher.
Der 5920 m2 große Qianlong-Garten hat eine Länge von 160 m in der Süd-Nord-Richtung und eine Breite von 37 m in der West-Ost-Richtung. Trotz des relativ kleinen Raums kommt dem Garten dennoch ein besonderer Stellenwert im Bau der kaiserlichen Parks zu. Künstliche, nach dem Stil in Südchina aufgetürmte Hügel und Pavillons bilden die Hauptszenerien, ergänzt durch gewundene aufsteigende Pfade, tiefe, mystisch anmutende Höhlen und hochragende Pavillonchen. All dies fügt sich glücklich zu einem harmonischen, geschmackvollen Ganzen zusammen, wodurch das Raumgefühl erweitert wird und jedes Gebilde zu seiner Wirkung kommt. In der ernsten Starre der Verbotenen Stadt bringt der Garten einen Hauch von Lebendigkeit. Daher wird er auch heute noch gern besucht.
Zu den Hauptbauwerken des Gartens gehören der Pavillon des Antiken China (Guhua Xuan), der Pavillon des Reinwaschens (Xishang Ting), das Haus der Herrlichen Aussichten (Cuishang Lou), die Halle der Nostalgie (Suichu Tang), der Pavillon der Grünen Muschel (Biluo Ting) und der Turm der Trügerischen Träume (Fuwang Ge), wobei der Pavillon der Grünen Muschel, das Haus der Herrlichen Aussichten und die Halle der Trügerischen Träume auf einer Achse angelegt sind. In der Raumnutzung wurde die Methode der Gegenüberstellung angewendet. Die Halle der Nostalgie teilt das Gelände in den Vor- und Hinterhof. Zwar sind die beiden Höfe form- und flächenmäßig ähnlich, in der Gestaltung jedoch anders: Der eine Hof ist offen und relativ streng strukturiert, während der andere, mit Felsbrocken wirr durchsetzt, dunkel und eng ist. Dies ist ein typisches Beispiel der chinesischen Gartengestaltung, nämlich der Methode des räumlichen Kontrasts.
Touristische Anleitung
Beim Besuch des Kaiserpalastes kommt es darauf an, erstens zahlreiche Bauwerke und die kaiserlichen Parks zu besichtigen und zweitens sich Sammlungen der Kulturschätze anzusehen. Statistiken zufolge besitzt das Palastmuseum 1 052 653 Objekte der Kulturschätze, darunter viele Staatskleinode.
Der Rundgang kann vom Tor des Himmlischen Friedens (Tian'an Men) oder vom Hintertor, dem Tor des Göttlichen Kriegers (Shenwu Men) .beginnen. Nach dem Eintritt in das Tian an Men passiert man einen mit blauen Ziegeln belegten Platz, da gelangt man schon das Haupttor der Verbotenen Stadt, das Mittagstor (Wumen). Hierdurch findet man wieder einen großen Platz. An dieser Stelle überspannen die fünf Goldwasserbrücken (Jiashui Qiao) den künstlichen Goldwasserkanal. Weiter vorne ist das Tor der Höchsten Harmonie (Taihe Men), dahinter befinden sich die drei großen Hallen: Die Taihe-Halle, die Zhonghe-Halle und die Baohe-Halle. Hat man das Tor der Himmlischen Reinheit (Qianqing Men) hinter sich, befindet man sich schon im Bereich der Inneren Paläste. Von hier aus verlaufen drei Besichtigungsrouten: die mittlere, die östliche und die westliche. Für einen Halbtagsrundgang wäre die mittlere Route ratsam. Auf dieser Route kann man die Schlafgemächer der Kaiser, den Palast der Himmlischen Reinheit (Qianqing Gong), die Halle der Berührung von Himmel und Erde für Aufbewahrung von kaiserlichen Siegeln (Jiaotai Dian), die Hochzeitkammer der Kaiser im Palast der Irdischen Ruhe (Kunming Gong), Wohnräume der Konkubinen (Heute sind manche zu Ausstellungsräumen umfunktioniert) und den Kaiserlichen Blumengarten besichtigen. Es ist recht anstrengend, den Rundgang in einem halben Tag zu bewältigen. Ein Tagesausflug ist zu empfehlen. Wer mehr Zeit hat, kann er zwei Tage dafür nehmen.
Reisetipps: Kaiserpalast
Verkehr: Zu erreichen ist der Palast mit den Buslinien 10, 20,101,103,109.
Tel.: 0086-10-65132255
Öffnungszeit: Täglich von 8.30-17.00 (Hochsaison); von 8.30-16.30 (Nachsaison)
Website: www.dpm.com.cn

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